Absage

VON WOLFGANG HORN

Washington. Der amtierende US-Präsident Donald Trump will nicht an der feierlichen Amtseinführung seines Nachfolgers Joe Biden am 20. Januar teilnehmen. Das erklärte Trump am Freitag über Twitter.

So eine Meldung des Redaktionsnetzwerks Deutschland von Fünf von Fünf. Eine lapidare Absage. Nun kann man mittlerweile ja nicht sicher sein, ob nicht eher Freude bei allen Beteiligten aufkommt, wenn der dann endlich gewesene amerikanische Präsident nicht mehr auftaucht. Gleichwohl: Zur Demokratie gehören auch Rituale, gehören feierliche Gelegenheiten, gehören gleichsam geweihte Orte. Demokratie muß auch zelebriert werden. Sie ist zwar alltäglich, immer da, aber muß immer wieder einmal als etwas Besonderes begangen werden, als Errungenschaft, als Kostbarkeit. Eine dieser ritualisierten Gelegenheiten ist in der amerikanischen Geschichte die Übergabe der Amtsgeschäfte an den gewählten Nachfolger, die öffentliche Eidesleistung vor dem Kapitol. Wenn Trump sich davon macht, ist das nicht nur ein Affront Joe Biden gegenüber, seinem mit Mehrheit gewählten Nachfolger. Es ist auch eine Beleidigung der amerikanischen Demokratie, eine verächtliche Haltung gegenüber der amerikanischen Staatsform, der parlamentarischen Demokratie, dem Volk, das die Wahl schließlich vollzogen hat. Dieser Mann hat einfach kein Format für die Demokratie, keine Kenntnis von ihrer Geschichte und Bedeutung, keinen Anstand. Er ist nicht einmal ein Dealmaker. Er ist ein Versager auf der ganzen Linie. Deshalb haben ihm die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger auch abgesagt.

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