Über Zitronen- und Feigenbäume

Ein Wort zum Montag, dem 15. April 2024

VON CORNELIA SENG

Mein Zitronenbäumchen will einfach nicht gedeihen. Die Blätter vertrocknen, gerade gebildete Spitzen fallen ab. Im Winter habe ich gegen die Trauermücken gekämpft, die aus der Erde kamen und die Wurzeln abgefressen haben. Habe ich zu wenig gegossen? Vermisst die kleine Pflanze die mediterrane Sonne? Vor zwei Jahren habe ich den Zitronenkern in die Erde gelegt. Das Wachsen  der kleinen Pflanze hat mich erfreut. Und jetzt?

Mir fällt die Geschichte vom unfruchtbaren Feigenbaum ein. Jesus hat sie erzählt. Ein Feigenbaum hat schon drei Jahre lang keine Früchte mehr getragen. Der Besitzer verliert die Geduld. „Was soll ein Feigenbaum, wenn er keine Frucht trägt?“ – fragt er den Gärtner. „Er entzieht nur dem Boden  die Nährstoffe. Hau ihn ab!“ Aber der Gärtner will den Baum noch nicht aufgeben, – er will die Hoffnung noch nicht aufgeben. „Herr, lass ihn noch dieses Jahr, bis ich um ihn grabe und dünge“ (Lk 13,8), sagt er. Er wird sich besonders viel Arbeit machen um den Baum. Manches gedeiht nur durch besondere Zuwendung.

Waren die Schüler und Schülerinnen von Jesus ungeduldig? Hatten sie sich über mangelnden Erfolg beklagt? Nicht alle Menschen damals waren begeistert von Jesus und seiner Botschaft. In manchen Dörfern waren die Jünger nicht willkommen. In Nazareth sollte Jesus sogar auf der Stelle gesteinigt werden wegen seiner Botschaft (Lk 4,25). Hass und Ausgrenzung hat die Jesus-Bewegung auch erlebt. Und auch Menschen, bei denen Hopfen und Malz verloren ist.

Wer Hoffnung hat, kann die Hände nicht in den Schoß legen. Zu hoffen heißt „zu graben und zu düngen“, – beten und arbeiten. 

Zu hoffen heißt, jedem Menschen mit der Erwartung zu begegnen, dass er sich menschlich verhält. Auch dem größten Feind. Und dass er empfänglich ist für die Liebe Gottes.

Ist das die Feindesliebe, von der Jesus in der Bergpredigt spricht?

(Das Apfelsinenbäumchen der Nachbarin gedeiht gut. Sie hat sich vermutlich mehr darum bemüht.)

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