Spielregeln

VON WOLFGANG HORN

Wer schaut gerne einem renitent-quengelnden Kind im Supermarkt zu, das heult und schreit, sich auf den Boden wirft, die Mutter schlägt, mit den Füßen auf den Boden stampft, weil Mutter die Bonbons nicht kauft, die das Kind unbedingt haben möchte? Niemand, ich bin sicher. Niemanden wird ein solches Verhalten zur Kritik an der standhaften Mutter bewegen oder zur Sympathie fürs plärrende Kind.

So ähnlich geht es uns allen in den letzten Tagen mit Blick auf das große Politik-Theater in Washington. Niemand läßt sich durch das füßestampfende und gänzlich beweisfreie Behaupten des Wahlsiegs durch den Präsidenten überzeugen. Selbst seine Anhänger lassen nach und nach nach mit ihrer Unterstützung. Unwürdig. Das Schreikind an der Supermarktkasse wie das plärrende Lügenmaul im Oval Office. 

Ein unwürdiges Ende einer durch und durch unwürdigen Präsidentschaft. Nie zuvor gab es einen amerikanischen Präsidenten, der mehr polarisiert, der die Gesellschaft stärker gespalten hat. Nie zuvor gab es einen amerikanischen Präsidenten, dem mehr öffentliche Lügen nachgewiesen werden konnten. Niemals zuvor gab es einen amerikanischen Präsidenten, der offen mit Geheimdienstkräften fremder Mächte kollaboriert hat. Niemals zuvor gab es einen amerikanischen Präsidenten, der derart offen mit Rechtsextremisten paktiert und selbst Mitarbeiter für seinen Stab aus diesen Kreisen rekrutiert hat. 

Nein, ich will das alles nicht im einzelnen verfolgen. Das Quengelkind an der Kasse bekommt seine Bonbons nicht. Der Noch-Präsident wird keinen Wahlsieg bekommen, weil die Bürger anders entschieden hatten. Und weil sich in Amerika kein Gericht finden lassen wird, das ohne manifeste Beweise auf Wahlbetrug entscheiden wird. 

Der großen amerikanischen Politshow werde ich mich wieder zuwenden, wenn dort wieder die Spielregeln der Demokratie gelten und nicht die selbstgemachten Regeln des selbsternannten Dealmakers. Und ich bin sicher, daß der Supermarkt und das Oval Office alsbald wieder je eigenen Spielregeln gehorchen. Daran können vier Jahre Donald nichts wirklich ändern.

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