Der zweite Lockdown

VON WOLFGANG HORN

„Wir wollen keinen zweiten Lockdown.“ Dieser Satz, von nachgerade allen Politikern sämtlicher Farben geäußert, ist allenthalben in Hörfunk oder Fernsehen zu hören. Zweiter Lockdown? Wir hatten hierzulande noch keinen Lockdown, noch nicht den ersten. Lockdown, den gab es in Frankreich oder Italien, auch in Spanien. 

Bei uns gab es im Frühjahr für wenige Wochen Kontaktbeschränkungen. Aber die Menschen konnten sich frei bewegen und mußten nicht zwingend in der Wohnung bleiben. Um die Wohnung zu verlassen, brauchte man keine besondere Permission, keinen besonderen Anlaß, etwa den Arztbesuch oder ähnliches. Auch zeitliche Beschränkungen des Aufenthaltes draußen gab es in Deutschland bislang noch nicht. Beschränkt war beispielsweise die Zahl von Kunden und Käufern in Geschäften, abhängig von der Größe der Läden. Aber die Menschen im Land durften sich frei bewegen, die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, Behörden besuchen, Ärzte, kulturelle und gastronomische Einrichtungen, soweit diese geöffnet waren. Die geschlossenen Schulen und Kindergärten stellten die größten Herausforderungen dar, wie auch die Kontaktverbote in Pflege – und Altenbetreuungseinrichtungen hinein.

Ein Lockdown aber ist die rigorose Beschränkung nahezu aller Bewegungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger. Wenn man seine Wohnung nur zu bestimmten, meist sehr eng definierten Zeiten verlassen darf. Oder nur aus ganz wenigen Gründen, ein Arztbesuch etwa, zum Einkaufen. Der Lockdown ist das systematische Herunterfahren des gesamten öffentlichen Lebens, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Ein Lockdown ist die ultima Ratio, die härteste vorstellbare Maßnahme im Kampf gegen die Pandemie. Und noch spricht nichts dafür, daß es alsbald zu einer derartigen Entscheidung hierzulande kommen könnte. Allenfalls sind derzeit weitere Einschränkungen der unmittelbaren persönlichen Kontakte denkbar, als Beschränkung der Teilnehmerzahlen von Parties und Events, vielleicht im öffentlichen Nah- und Fernverkehr, in Läden und Geschäften, vielleicht in der Einschränkung von Öffnungszeiten gastronomischer Betriebe.

Ansonsten gilt, was in den ganzen letzten Monaten schon galt: Abstand wahren, Hygenieregeln einhalten, Mund- und Nasenschutz tragen, die Corona-Warnapp auf dem Smartphone installieren. Und: Den Verstand so wenig ausschalten wie den Anstand. Die Regeln beachten, auf die Nächsten achten, die Kranken, die Menschen mit einem besonderen Risiko. Und helfen. Da sein, wenn Hilfe gebraucht wird, wenn eingekauft werden muß, wenn Botengänge zu erledigen sind, wenn Waren transportiert und Menschen gebracht oder geholt werden müssen. Verantwortlich handeln, Parties einschränken, Reisen reduzieren. Und: Pandemie-Fake-News entgegentreten, Verschwörungsgeraune, Haß und Hetze. Immer.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

    • Klaus E. Ulinski
    • 14.10.20, 11:32 Uhr

    Also ich würde die Definition des Begriffs „Lockdown“ nicht so eng fassen. Für den Friseur, den Physiotherapeuten, den Künstler, der auf Auftritte angewiesen ist, für viele mehr war (und ist das noch) ein Lockdown. Übrigens auch für viele Gehirne in diesem Land gibts nach wie vor einen Lockdown: Nachdenken ist abgesetzt!

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