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KirchenKino: Naziunrecht, Kunstdiebstahl und die Bundesrepublik Deutschland

„Auch Leben ist eine Kunst – Der Fall Max Emden“

VON WOLFGANG HORN

Das eher sperrige Wort „Provenienzforschung“ gehört zwar zum Alltagsvokabular von Kunsthistorikern, dürfte aber in der Alltagsöffentlichkeit kaum bekannt sein. Es geht darum, die Herkunft von Kunstwerken zu ergründen, ob es sich bei Gemälden, Zeichnungen oder Skulpturen um Nazi-Raubkunst handelt, die aus Beschlagnahmungen oder aus “fluchtbedingten Verkäufen” aus der NS-Zeit stammt. Und Provenienzforschung spielte auch eine wesentliche Rolle am Mittwoch Abend im Wermelskirchener Film-Eck, obwohl der Begriff kein einziges Mal genannt wurde. Es war wieder KirchenKinozeit. 

Gezeigt wurde der erst im April in die Kinos gekommene Film des Kölner Filmemachers André Schäfer „Auch Leben ist eine Kunst – Der Fall Max Emden“. Es ging um den superreichen Hamburger Kaufmann und Kunstsammler Max Emden, Sproß einer jüdischen Familie, zum Christentum konvertiert, der sich, noch in der Weimarer Republik, in der Schweiz niederläßt und dessen Besitz, seine Unternehmen und Immobilien sowie seine Kunstwerke von den Nazis requiriert werden, weil Emden ja Jude sei. Die Bundesrepublik und das Land Hamburg indes weigern sich, den Besitz an die Nachkommen von Max Emden zurückzugeben, weil es sich ja nicht um die widerrechtliche Aneignung jüdischen Besitzes gehandelt habe, da Max Emden evangelischer Christ und nicht verfolgter Jude gewesen sei.

Jahrelang befand sich ein ein berühmtes Bild, ein wertvoller Canaletto aus der Sammlung Max Emdens sogar im Amtszimmer des Bundespräsidenten Horst Köhler, nachdem es zuvor Teil der Bildersammlung Hitlers war, weil es Max Emden „abgekauft“ worden war.

Ein langsam daherkommender Dokumentarfilm ist „Auch Leben ist eine Kunst“, ein Film der eher leisen Töne, obwohl er laut schreiendes Unrecht beschreibt, ein Skandalfilm, der die Missachtung des Rechts und des Anstandes in der Bundesrepublik beklagt, ohne in dröhnendes Geschrei zu verfallen. 

Die Mitglieder der neu gebildeten Vorbereitungsgruppe KirchenKino, die nunmehr das Kirchenkino organisieren, nachdem sich das Ehepaar Seng im Kasseler Ruhestand befindet, hatten angesichts der saharaähnlichen Witterungsbedingungen in Wermelskirchen mit dem Besuch von lediglich einer Handvoll KirchenKinoenthusiasten gerechnet. Dann allerdings konnte Peter Siebel von der evangelischen Kirchengemeinde erfreut doch etwa 45 Besucher begrüßen. Nach der Vorführung nutzten einige Besucher noch die Gelegenheit, mit Thomas Wintgen, dem langjährigen Lokaljournalisten in Wermelskirchen und Mitglied im Bergischen Geschichtsverein über den Films und den Fall zu diskutieren. 

Das ist neu am KirchenKino: Für das Gespräch nach der Vorführung, lange Jahre von Ulrich Seng behutsam geleitet, sollen je nach Thema des Films unterschiedliche Wermelskirchener Persönlichkeiten für die Rolle als Moderatoren gewonnen werden.

Nach der Sommerpause geht es am 18. September um 20 Uhr weiter mit dem KirchenKino im Film-Eck. Gezeigt wird dann „Styx“, ein Spielfilm, in dem die Hauptperson, eine alleinsegelnde Ärztin, konfrontiert wird mit dem Schicksal von Flüchtlingen in Seenot. Ein leider angesichts des Flüchtlingselends im Mittelmeer und der nicht mehr verstehbaren Haltung europäischer Regierungen sehr aktueller Film

Beitragsfoto: Enkel Juan Carlos Emden vor einem Portrait seines Großvaters Max Emden © Florianfilm 2017 / Bernd Meiners

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