Heute um 17 Uhr Internationaler Frauentreff im „Treffpunkt Hoffnung“, Dabringhauser Str. 31a

Ü100 – Über Hundert

Sehr gut besucht war das Kino in der Telegrafenstraße gestern Abend. Kirchenkino stand auf dem Programm. Gemeinsam mit dem Hospizverein Wermelskirchen, der sein zwanzigjähriges Bestehen feierte, zeigten die evangelische Kirchengemeinde und das Film-Eck den sehr unterhaltsamen Film Ü100. Ein Film über acht Menschen, die älter sind als hundert Jahre. Acht Menschen, von denen drei noch selbständig zu Hause leben und die anderen in einer Seniorenresidenz.

Sehr unterhaltsam? Hundertjährige Menschen? Menschen, die ihr Leben fast hinter sich haben? Ja. Sehr unterhaltsam. Stellenweise richtig witzig. Wenn beispielsweise die heute 106 Jahre alte Erna Rödling die Filmemacherin Dagmar Wagner fragt, während einer Fußballübertragung im Fernsehen, Bayern München ist zu sehen, ob sie denn auch so gerne Fußballspiele im Fernsehen anschaue. Dabei lugt Erna Rödling der Schalk aus den Augenwinkeln und ein verschmitztes Lächeln huscht über ihr Gesicht.

Ruja Diebold, 102, spielt Klavier. Unablässig. Keine Frage der Interviewerin könnte so bedeutsam sein, daß sie ihr Spiel am leicht verstimmten Instrument auch nur vorübergehend einstellt. „Ich spüre gar nicht, dass ich älter werde!“

Theresia Steinberger ist 101 Jahre alt und als junges Mädchen mochte sie Seilchen springen. Nun ist sie seit einiger Zeit bettlägerig. Seil springen geht jetzt nicht mehr. „Es wär ja auch noch schöner, wenn man mit hundert Jahren noch umeinander hupfen würde.“

Die Hundertjährigen sind klug, lebensweise, witzig und humorvoll. Der Tod ist nahe, gewiß. Aber sie stehen noch im Leben. Anna Pöller, 103, lacht lauthals, wenn sie sagt, sie sei „jetzt reif für den Untergang“. Und Gerda Skrowonek will mit ihren hundert Jahren noch so lange leben, „bis für mich ein Einzelzimmer im Himmel frei wird“. Sie habe immer selbständig gelebt und wolle weder im Seniorenheim, noch später ihre Bleibe mit jemandem anderem teilen.

Ernst Strunz hat mit seinen 103 Jahren einen an der Hand blutenden Einbrecher zunächst verarztet, ihm die Hand verbunden und den ungebetenen Besucher hernach aus dem Haus geschubst. Dafür kam er groß raus in der Boulevardpresse. Und die Geschichte erzählt er natürlich gerne.

Hella Müting, 103 geht noch vollkommen alleine einkaufen oder zum Friseursalon. Mit ihrem Rollator hat sie lediglich Probleme, wenn es bergan geht. Dann braucht sie mitunter Hilfe. Fünf Kinder hat die ehemalige Lehrerin alleine erzogen, worauf sie noch im Alter sehr stolz ist.

Franz Xaver Schmidt hadert damit, daß er mit seinen hundert Jahren schwerhörig ist und nicht mehr alles mitbekommt. Er wünsche sich jetzt einiges von seinem Schöpfer, aber der scheine „auch schwerhörig“ zu sein.

Ü100 ist ein bewegender Film, der Mut macht fürs Leben. Hundertjährige Menschen, die stolz sind aufs Erreichte, zufrieden sind, wenn etwas gelingt, ihr Schicksal annehmen, sich ihre gute Laune aber nicht nehmen lassen, die nah am Tod das Leben lieben und genießen und seiner keineswegs müde sind.

Eine sehr gute Entscheidung der Kirchenkinoverantwortlichen. Mal wieder. Danke

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