VON WOLFGANG HORN
Verkehr und Lebensqualität in Wermelskirchen
Der Bergischen Morgenpost zufolge soll die Stadt einen Mobilitätsmanager bekommen. CDU und Bürgerforum haben diese Stelle für den Doppelhaushalt 2022/23 beantragt, nachdem der Technische Beigeordnete Thomas Marner die Einrichtung einer solchen Stelle bereits im Juni gefordert hatte. Verkehr und Mobilität seien, so heißt es in dem Zeitungsbericht, “zusehends in den Fokus des kommunalpolitischen Geschehens” gerückt und die Fraktionen hätten sich “im Beantragen von Fahrradwegen oder anderen in Bezug zum Verkehr stehenden Projekten gegenseitig überbieten wollten”. Die Komplexität der Verkehrsthemen erforderten laut Beigeordnetem Marner einen Arbeitsaufwand, der “mit dem vorhandenen Personal der Stadtverwaltung kaum zu stemmen wäre”.
Im Zukunftsausschuß warnte Verkehrsexperte Theo Jansen vom Mobilitätsmanagement beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS), daß angesichts “des Klimawandels keine Zeit mehr” bleibe. „Die Katastrophe ist da, sie kostet Menschenleben und wahnsinnig viel Geld.“ Jansen sprach gar eine Warnung an alle Kommunen aus: „Das Bundesverfassungsgericht hat entsprechende Urteile gefällt. Ein Unterlassen von Maßnahmen wird justiziabel.“
In der Verantwortung der Kommune lägen, laut Jansen, die Neuaufteilung des Straßenraums – ausreichend Platz für Fußgänger und Fahrradfahrer, die Bevorrechtigung von Fahrradfahrern und ÖPNV im Verkehr oder auch Schüler, die problemlos ihre Schule zu Fuß erreichen sowie ein Stadtbus, der Menschen in eine verkehrsberuhigte Innenstadt bringt sowie die Parkraumbewirtschaftung: „Ein Parkplatz kostet eine Stadt 3000 bis 4000 Euro im Jahr und der wird einfach so zur Verfügung gestellt – macht das Sinn?“ Es ginge nicht um Maßnahmen gegen das Auto, sondern um Maßnahmen für mehr Lebensqualität.
So weit, scheint mir, eine neue Melodie in der Stadt. Nein, nicht die Melodie ist neu, die kennt man auch in Wermelskirchen seit längerem. Die Interpreten sind neu. Es sind jene, die bislang jede Neuerung, jede Änderung von Verkehr und Stadtgestaltung zugunsten von Klimaschonung, Radverkehr oder öffentlichem Nahverkehr als Teufelswerk geziehen hatten. Die Fraktionen von Büfo, CDU, WNK UWG sowie ein Teil der Lokalpresse waren bislang vor allem dem Auto verpflichtet. Man erinnert sich daran, daß die hiesige CDU einen dreimonatigen Verkehrsversuch auf der Telegrafenstraße nach nur zwei Wochen mit Unterstützung vom BüFo und der WNK UWG abgewürgt hatte. Es ging und geht um die Möglichkeit nachgerade bis unmittelbar vor die Ladentheke des Einzelhandel vorfahren zu können. Die Leitvorstellung bislang: Ganz Wermelskirchen ein einziger Drive-In. Jedes Gutachten, jede Änderung, jeder Versuch wurde bislang in den Wind geschlagen, abgebürstet.
Bislang hieß es immer, daß ein Verkehrskonzept erst nach der Fertigstellung des Loches-Platzes beraten werden könne. Soweit sind wir indes noch nicht. Also: Abwarten und Tee trinken. Die Bürger dieser Stadt werden ja sehen, ob es den Initiatoren wirklich um Klimaschonung und bevorrechtigten Radverkehr geht, um eine verkehrsberuhigte Innenstadt und Parkraumbewirtschaftung, um den öffentlichen Personen-Nahverkehr. Alles mehr als eine kosmetische Anpassung an den Zeitgeist wäre eine echte Überraschung. Die wir indes alle verdient hätten.
Wer sagt es ihnen?
Bisher sind alle Initiativen in der Richtung politisch verhindert oder abgewürgt worden. Ewürde mich freuen wenn nun ein Umdenken einsetzen würde. Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube” 😆.