Respekt

VON WOLFGANG HORN

Ich kann es gar nicht vermeiden: überall stoße ich auf Plakate und Plakatwände, auf denen von Respekt für andere Menschen, von Respekt für Dich zu lesen ist. I have respect for you. Im Englischen mag das angehen. Im Deutschen aber hat man Respekt vor etwas: vor einer Leistung, vor einer Person, vor einer Aufgabe auch. Im Duden findet sich »Respekt für etwas, für jemanden« bislang nicht.

Beide Formulierungen beschreiben und bezeichnen Wertschätzung. In »Respekt vor« schwingt aber eine Note von innerer Anspannung mit, von Demut, von Ehrfurcht. Mit Blick auf in einer Hierarchie höher angesiedelte Menschen oder schwierige Aufgaben vielleicht sogar etwas von Angst vor Versagen oder Scheu vor falschem Verhalten. Man selbst ordnet sich der Person oder der Sache, der man Respekt entgegenbringt, in gewisser Weise unter.

Dagegen hat die Wertschätzung in »Respekt für« eher eine Spur Demonstrativ-Wohlwollendes, vielleicht Gönnerhaft-Fürsorgliches, jedenfalls nicht Demut oder Ehrfurcht. In „Respekt für“ steckt etwas Gleichrangigkeit Signalisierendes, Gleichmachendes. Man stellt sich nicht unter etwas oder über jemanden. Es ist mehr Programm, mehr Behauptung, es geht eher um den Effekt. Etwas ganz anderes also als das, was in »Respekt vor« mitschwingt.

Ich weiß, Plakatkunst auf Wahlplakaten von Parteien zu erwarten, geht ebenso fehl, wie auf eine richtige und gute Sprachverwendung der gleichen Parteien zu hoffen. Dennoch. Man wird doch noch sagen dürfen, daß Respekt vor sehr gutes Deutsch ist, wäre.

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