Frauenbündnis FINTE fordert Konsequenzen für Türkei
Bergisch Gladbach | Geschockt und mit Entsetzen reagiert das Frauenbündnis FINTE in Bergisch Gladbach auf den am 19. März vollzogenen Austritt der Türkei aus der „Istanbulkonvention“ des Europarates von 2011. Nun richtet das Bündnis einen Appell an die Bundesregierung. Dieses Abkommen war das Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen der Frauenbewegung, um Gewalt gegen Frauen zu verhüten, zu bekämpfen und in der gesamten Vielfalt zu ächten.
Nach wie vor ist weltweit jede dritte Frau in ihrem Leben von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen. Das belegen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation und leider ist davon auszugehen, dass die Corona-Pandemie häusliche Gewalt verschärft hat.
Die türkische Organisation „Wir werden Frauenmorde stoppen“ zählte im vergangenen Jahr über 300 Femizide. Eine Aufkündigung der Gewaltschutzkonvention durch den türkischen Präsidenten Erdogan ist ein Schlag ins Gesicht von Frauen, die häuslicher Gewalt durch Männer ausgesetzt sind. FINTE befürchtet, dass die Täter, die sich Femiziden, Vergewaltigungen und sonstiger Formen von Gewalt schuldig gemacht haben, sich in ihrem Handeln bestätigt fühlen dürften und potentielle Nachahmer ermuntern könnten.
In Solidarität mit der türkischen Frauenbewegung und den Frauen in der Türkei appelliert FINTE an die Bundesregierung:
Setzten Sie sich dafür ein, dass der Austritt der Türkei Konsequenzen für die deutschen und EU-Beziehungen zur Türkei haben sollte. Die fortschreitende Entfernung des Nato-Mitglieds von demokratischen Werten darf nicht länger ignoriert werden.
Eine Politik, die sich nicht entschieden und wirksam gegen die Verletzung von Menschenrechten wie die der Frauenrechte stellt, macht sich zur Komplizin von Gewaltverbrechern – egal wo, wann und mit welchen Mitteln in der Welt.