Keine Videoaufzeichnungen der Ratssitzungen

Die Linke kritisiert Verwaltungsvorlage für Hauptausschusssitzung am 1. Februar

Wermelskirchen | Am 30.12.2020 hat DIE LINKE die Anregung “Videoaufzeichnung von Rats-und Ausschusssitzungen in Wermelskirchen“ eingereicht, die am 01.02.2021 im Haupt und Finanzausschuss bearbeitet wird. Leider ist jetzt schon klar, dass sich die Stadtverwaltung weigert, mit dieser Maßnahme der Politikverdrossenheit entgegen zu treten, was man in der städtischen Vorlage sehr anschaulich zum Ausdruck bringt.

Eine der Grundlagen für diese Ablehnung ist die Aussage, dass eine Minute Videomaterial in Full HD 500MB groß seien, und man diese nicht auf den städtischen Server hochladen können, weil dieser nur 100 MB akzeptieren würde. Dass man aber nicht fähig ist, einen externen Server, der seinen Standort in Deutschland hat, für ca. 200 Euro anzumieten und die Videos auf der städtischen Webseite einzubinden, erzeugt im Jahr 2021 nur noch Kopfschütteln.

Viel entlarvender ist die Aussage, eine Minute Videomaterial Full HD würden 500MB groß sein. Wir lachen immer noch! Scheinbar sind Teile der Verwaltung damals beim MPEG-1 Standard irgendwie hängen geblieben. Mittlerweile ist das Kompressionsverfahren mit dem Codec H.265 so gut, dass man eine Minute Videomaterial in 1080p und Full HD Qualität inklusive Tonspur auf 30 MB komprimieren kann.

Ein weiterer Ablehnungsgrund ist die DSGVO, also die Datenschutz-Grundverordnung. Auch bei diesem Punkt wird schnell klar, dass man verzweifelt nach Ablehnungsgründen sucht. DSGVO konformes Videomaterial auf einem eigenen oder angemieteten Server zu hosten, stellt heutzutage kein Problem mehr da. Man muss es halt nur wollen. Dann wird auf die rhetorischen Fähigkeiten der Ortspolitiker verwiesen, die dann eventuell gehemmt werden könnten. Sind diese denn auch bezüglich der Besucher der öffentlichen Ratssitzung oder an den Infoständen während des Wahlkampfs gehemmt?

Wir fassen mal zusammen: Man kann, will aber nicht!

DIE LINKE Wermelskirchen möchte sich dennoch bei der Stadtverwaltung für die Vorlage bedanken. In so einer schweren Pandemie-Zeit muss zwischendurch auch mal herzhaft gelacht werden!

Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

    • EDV-Schrauber
    • 22.01.21, 18:14 Uhr

    Meine Güte, wie lächerlich kann man sich denn noch machen. Einfach bei youtube mal “Stadtrat” eingeben. Aber die verstoßen sicher alle gegen Gesetze.

    Über die völlige technische Ahnungslosigkeit will ich hier kein Wort verlieren. Ich hoffe aber, dass es auch in Wermelskirchen fähige ITler gibt, die diesen Quatsch aufklären können.

    Darüber hinaus gilt natürlich immer noch das, was ich hier schon schrub:
    https://forumwk.de/2020/10/06/politik-in-zeiten-von-raumlueftungsplaenen/

    Mit freundlichem Gruß
    -EDV-Schrauber-

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  1. Netflix, Amazon Prime oder auch die Mediatheken von ARD und ZDF benutzen Kompressionsraten, die für HD mit ca. 4-5 Megabit Datenrate auskommen und transportieren dabei ca. 30-40 Megabyte Daten in der Minute. Um eine Ratssitzung von ca. 2 Stunden in HD aufzuzeichnen benötigt man ca. 4,2 Gigabyte Speicher auf einem Server. Zum Vergleich entspricht das ungefähr der Speicherkapazität einer DVD. Bei ca. 6 Sitzungen des Stadtrats im Jahr würde man sicher mit 50 GB Speicherplatz für ein Jahr auskommen. Mit 250 GB Speicherkapazität wäre man dann für wohl 5 Jahre Speicherung gerüstet.

    Man kann die Daten bei einem CLOUD-Hoster speichern und öffentlich freigeben. z.B.: Microsoft Onedrive für Unternehmen bietet 1 TB Speicher inkl. Traffic ab 4,20 € im Monat an. Allerdings müsste man prüfen, ob die AGBs von Microsoft diese Nutzung so zulassen.

    Professionelle Hoster (die das erlauben) bieten Webserver mit Speicherkapazitäten in einer Cloud 500 GB Speicher mit http-Streaming unbegrenzt Traffic und Backbonezugang inkl. Servermanagement ab ca. 50,- €/monatlich an. Inklusive Livestreaming geht das ab ca. 80,- € monatlich los.

    Da es sich um Daten handelt, die ja alle zum DOWNLOAD veröffentlicht werden, benötigt man zwar einen soliden Schutz vor Hackern, aber keinen übertrieben Schutz. Die Videos können von diesen externen Servern leicht über HTML5 oder einfache externe Links sicher und Datenschutzkonform in die Webseite der Stadt eingebunden werden. Eine Datensicherung der Videos kann auf einem eigenen kleinen Cloud-Server/NAS mit RAID5 erfolgen, welche im Handel ab ca 350,- € inklusive erforderlicher Speicherkapazität erhältlich ist. Dafür wäre auch keine Einbindung ins städtische Netzwerk notwendig. Da dieser Server nach Speicherung (alle 2 Monate) wieder abgeschaltet werden kann, kann man auch von einer sehr hohen Lebensdauer ausgehen. Alternativ können die Ratssitzungen in zwei- oder dreifacher Ausführung sicher auf kostengünstigen DVDs gespeichert werden, was aber regelmäßiges Umkopieren erforderlich machen würde.

    Bei der Kameraausstattung für HD-MP4 Aufzeichnung inkl. Stativ, 10 GB SD-Chip und externen Anschluss für Tonaufzeichnung aus der Tonanlage im Ratssaal (für optimalen Ton) würde man wohl mit ca. 450 € gut hinkommen. Wenn man zusätzlich den Raum aufnehmen möchte würde dann nochmal ca. 100 € dazukommen.

    Fazit: Der Kostenfaktor kann es bei einer Investition für Kamera, Ton, Speicher und Datensicherung und monatlichen Kosten also nicht sein, warum die Verwaltung die Aufzeichnung von Stadtratssitzungen ablehnt. Es muss also einen anderen Grund dafür geben. Da ich Unwissenheit und Inkompetenz ausschließe, liegt der Verdacht nahe, dass es schlicht der Versuch ist die Bürgerinnen und Bürger für dumm zu verkaufen und zu täuschen. Leider hat es beim Stadtrat funktioniert, denn diese scheinen den Ausführungen aus der Verwaltung Glauben zu schenken!

    Vielleicht sollte man den hiesigen Bundestagsabgeordneten um eine kostenlose Show-Auftritt bitten, denn dieser kann möglicherweise einen 20minutigen Crashkurs in die neuen Technologien einführen und den Stadtratsparteien ein Update verpassen. Besser aber nicht, denn normalerweise macht dieser das nur für ein fettes Honorar und das könnte den städtischen Haushaltsplan sprengen und die Kosten für Speicherung und Kameraausstattung für die Ratssitzungen der nächsten 30 Jahre auffressen.

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      • EDV-Schrauber
      • 23.01.21, 16:50 Uhr

      Einem Großteil Ihrer Ausführungen kann ich zustimmen. Ich gehe auch mal schwer davon aus, dass die IT-Infrastruktur im Rathaus wohl performant und ausreichend genug ausgelegt ist, um den Krams auch noch zu verkraften.

      Nur: “Da ich Unwissenheit und Inkompetenz ausschließe” -> I LOLed 🙂
      Und: “den Ausführungen aus der Verwaltung”. Wissen Sie da mehr als ich?
      Wie kommen die denn auf das dünne Brett?

      Und nochmal: wir reden hier von einer Infrastruktur, die zig 13jährige Youtuber zur Verfügung haben. Das kann eine Stadt wie Wermelskirchen nicht stemmen?

      Mit freundlichem Gruß
      -EDV-Schrauber-

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    • Mike Galow
    • 23.01.21, 18:35 Uhr

    Hallo EDV-Schrauber,
    auf der Webseite der Stadt können Sie im Sitzungskalender, Haupt- und Finanzausschuss am 01.02.2021, die Vorlage der Stadtverwaltung nachlesen. Leider kann ich hier keine Screenshots posten. Aber Vorsicht! Das lesen der Vorlage kann Kopfschmerzen verursachen…:-)

    https://www.wermelskirchen.de/rathaus/politik-wahlen/sitzungskalender/

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      • EDV-Schrauber
      • 24.01.21, 14:52 Uhr

      Danke für den Hinweis. Lese ich.

      (Keinen Dank für die Kopfschmerzen… 🙂

      Mit freundlichem Gruß
      -EDV-Schrauber-

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