Hörensagen

VON WOLFGANG HORN

Kaum mehr wert als eine Glosse wäre normalerweise die Meldung aus der örtlichen Presse, daß im Schlußtumult der Ratssitzung am 16. November das Ratsmitglied Mike Galow (Die Linke) dem AfD-Chefchen Springer den Mittelfinger “entgegenreckt” haben soll, so wörtlich die Redakteurin Kathrin Kellermann. Denn “Springers Worte” gingen ohnehin “in lautstarken Protestrufen der Ratsmitglieder unter, bis Hauptamtsleiter Jürgen Scholz den Auftritt des AfD-Mannes unterband”. Wie gesagt, allenfalls eine Glosse wäre das wert, ein Glößchen, wenn es so etwas gibt.

Ernster aber ist, was man sich so zuflüstert in der Stadt. Wenn es nämlich stimmen sollte, daß die AfD gemeinsam mit der WNK UWG diesen “Schlußtumult” nutzen möchte, um das Ratsmitglied Galow nachträglich noch zur Ordnung rufen zu lassen, dann hätten wir den ersten Fall einer sozusagen “parlamentarischen” (Ich weiß, daß der Stadtrat kein Parlament ist, W.H.) Zusammenarbeit, statt, wie bislang, lediglich einer Facebookzusammenarbeit der zwei Rechtsaußenparteien. Die ist im übrigen schon schlimm genug.

Also: Die Bürgermeisterin, die Ratsmitglieder zur Ordnung rufen kann und muß, hat offenbar kein sanktionsfähiges Verhalten eines Ratsmitgliedes erkannt und demzufolge auch niemanden gerügt. Jetzt wird der vage Hinweis Dritter (“Mittelfinger entgegenreckt”) zur Denunziation genutzt, wenn man dem Hörensagen folgen darf. Aber wollte Galow vielleicht nur mit den Fingern schnippen, also mit Daumen und Mittelfinger? Wer weiß es. Oder mit gekreuztem Zeige- und Mittelfinger viel Glück wünschen, wie in Brasilien und Kanada üblich? Wer kann es wissen. Aber AfD und WNK UWG denunzieren derweil gemeinsam. Wir sind weit gekommen in der Stadt.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

    • Anne Zeiger
    • 23.11.20, 17:20 Uhr

    Ihre feine Wortwahl ist wie immer eine Freude! Ihr Engagement unübertroffen!
    Zu Ihrem heutigen ‘Pösschen’ möchte ich gern anmerken…
    Es gehört schon eine ganze Menge (geistiger Ar-) Mut dazu, (SICH) zum Finden der (be)nötig(t)en Beachtung und Aufmerksamkeit,
    – freiwillig (!!!)
    -und lautstark
    …auf einen Mittelfinger zu setzen!

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      • Wolf
      • 23.11.20, 17:48 Uhr

      Autsch, Bilder im Kopf 🤭

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    • M. Lichtenberg
    • 23.11.20, 20:53 Uhr

    Viele haben es schon gewusst, auch Wählerinnen und Wähler, die mit ihrer Stimmabgabe den Weg vorgegeben haben für die Rechtsaußenläufer. Es geht in Richtung Bedeutungslosigkeit. Sehen wir zu, dass sie bald über die Auslinie laufen. Wermelskirchen braucht keine neue Kommunalpolitik.

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