VON WOLFGANG HORN
Konnte man nicht eben noch allerorten lesen in den sozialen Netzwerken, daß die dynamische Entwicklung der Pandemie nicht so schlimm sei, weil ja die Krankenhäuser und ihre Intensivstationen vom Infektionsgeschehen noch lange nicht erfaßt worden sind? Und nun? Heute befinden sich bundesweit knapp tausend Menschen auf den Intensivstationen. Weit mehr als 400 Patienten werden beatmet. Diese Zahlen haben sich in weniger als zwei Wochen verdoppelt.
Fast drei Viertel, genau 71,6% der Intensivbetten sind belegt, nur gut ein Viertel, 28,3% sind noch frei. Nehmen wir Köln, Stand heute: 470 Intensivbetten, davon belegt 432. Frei sind noch 38 Betten auf Intensivstationen. 34 Covid-19-Patienten, die Hälfte von ihnen beatmet, machen zwar nur einen Anteil von knapp acht Prozent der Intensivpatienten aus – das waren vor drei Wochen weniger als drei Prozent -, aber wenn die Zahlen weiter derartig steigen, ist absehbar, daß Patienten mit anderen Erkrankungen wieder werden zurückstehen müssen.
Die Kanzlerin wurde vor Kurzem noch gescholten wegen ihrer Hochrechnung der Infektionszahlen bis Weihnachten. Und nun? Das sprunghafte Infektionsgeschehen hat die Kanzlerin überholt. Sehr schnell. Die Infektionskurve ist dramatischer als die einfache Hochrechnung der Kanzlerin.
Nein, die Pandemie ist virulent und nicht weniger gefährlich als im Frühjahr. Sie betrifft alle Altersgruppen, mehr und mehr. Und die einzige Chance, die Infektionsgelegenheiten einzudämmen, besteht in der Reduzierung persönlicher Kontakte. Vorsicht im Umgang mit Menschen, auch mit Freunden und Angehörigen. Keine Feiern, keine Treffen, aus welchem Anlass auch immer. Abstand halten, überall. Alltagsmaske tragen, immer. In geschlossenen Räumen ordentlich lüften. Und die Corona-Warnapp herunterladen und in Gebrauch nehmen. Wie wichtig dieses Tool noch werden wird, wird uns bestimmt in den nächsten Wochen noch deutlich.
Die Pandemie ist Zeit für Vorsicht und Rücksicht. Für Achtsamkeit. Für bedachten Umgang. Die Zeiten für Tollheit und Lebensfreude, für unbändige Lust und Nähe, für Tanz und Leib, für Körper und Geist werden ganz gewiß wiederkommen. Nicht in diesem Jahr. Wahrscheinlich aber im kommenden Jahr. Sorgen wir gemeinsam dafür, daß so viele Menschen wie nur möglich dieses kommende Jahr werden gesund erleben können.
Beitragsfoto: Paul Fürst, Der Doctor Schnabel von Rom (coloured version)
Richtig. Was zudem bei der Belegung der Intensivbetten viel zu selten berücksichtigt wird – es muss auch entsprechendes Personal für die Pflege der Patienten bereitstehen. Es ist ein großer Irrtum sich nur auf die Anzahl der zur Verfügung stehenden Betten zu verlassen. Auch Pflegepersonal erkrankt oder muss in Quarantäne. Zudem ist die Bezahlung dieser Menschen indiskutabel.
Jede/r Einzelne kann dem entgegenwirken, wie Du es in Deinem letzten Absatz beschrieben hast.
Alles wird gut.