Weit gekommen

VON WOLFGANG HORN

Eine Bürgerin aus Wermelskirchen erhält einen bedrohlichen Brief aus Suhl, wie heute die Lokalpresse berichtet. Ihr Eintreten gegen den Motorradlärm diene, heißt es in dem Schreiben, „nicht unbedingt dem eigenen Wohlbefinden“. Sie solle mit dem „unqualifizierten Geschwafel“ aufhören. Wir sind weit gekommen in der Gesellschaft, wenn man sich als Bürger nicht mehr in den Medien zum Problem der Lärmbelästigung durch Motorradfahrer äußern kann, ohne hernach drangsaliert zu werden. Das sage ich als ehemaliger und leidenschaftlicher Motorradfahrer. Mit ganzer Leidenschaft müssen wir uns gemeinsam gegen unverhohlene Drohungen zur Wehr setzen. Wer einem Bürger droht, droht allen. Natürlich, die Anzeige bei der Polizei ist fällig. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es geht auch um das gesellschaftlichen Klima, um die Debattenkultur im Land. Rechtsextremisten und Rechtspopulisten haben in den vergangenen Jahren einen Klimawandel bewirkt. Man kann heutzutage offenbar sagen, was einem vor nicht allzu langer Zeit noch der Anstand und die gute Erziehung versagt hätten. Pöbeln und beleidigen, drohen und verunglimpfen, das sind die Kernsportarten jener Kreise. Wir alle, auch jene ohne Drohbrief müssen uns gemeinsam zur Wehr setzen. Wir dürfen nicht dulden, wenn eine aus unserer Mitte wegen eines berechtigten Anliegens in Angst und Schrecken versetzt wird.

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