Die Blumenzwiebel und ich

Ein Wort zum Montag, dem 20. April 2020

VON CORNELIA SENG

Sie wurde mir geschenkt, die braune Blumenzwiebel. Die junge Pfarrkollegin hatte sie anlässlich ihres Einführungsgottesdienstes im Oktober verteilt. Zu Hause habe ich sie in einen Blumentopf gelegt. Auf dem Balkon hat sie überwintert. Jetzt im Frühjahr ist eine schöne, rote Tulpe daraus geworden. Ein leuchtend roter Punkt auf unserem Balkon. “So – what?”, denken Sie jetzt vielleicht. “So ist das Leben einer Blumenzwiebel.”

Die Blumenzwiebel lebt einfach, was in ihr steckt. Wasser, Wärme und Licht lassen sie erwachen. Sie sucht keinen Sinn in ihrer Aktivität. Sie braucht nicht den Erfolg. Sie muss auch nicht fehlerfrei sein. Sie lebt und blüht einfach zur Ehre dessen, der sie sich ausgedacht hat. 

Jesus hat häufig vom Samenkorn gesprochen, das in die Erde fällt und stirbt und dann viel Frucht bringt. “Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren, und wer es verliert, der wird es gewinnen”, hat er gesagt (Lk 17,33). Das ist das Geheimnis des Lebens: Man findet es nicht durch zwanghafte Selbst-Verwirklichung und Selbst-Optimierung. Aber es lässt sich finden in Hingabe, Selbst-Hingabe.

Künstlern gelingt es hin und wieder, hingebungsvoll zu malen. Sie “verlieren sich” in dem, was sie tun. Der berühmte Maler van Gogh z.B. konnte das in all seiner Armut und Gebrochenheit. Bis heute berühren und inspirieren seine Bilder. 

Manchmal kann man auch ein Musikstück hören und ist ganz “hin und weg”, wie wir dann sagen. 

Ich will mir ein Beispiel nehmen an der Blumenzwiebel und einfach leben in diesen Zeiten. Im Gottvertrauen.

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