Corona – Nachrichten am Rande 7

VON WALTER SCHUBERT

Darf man in diesen Zeiten Spaß machen? Darf man Lustiges über bunte Viren-Kügelchen und Klopapier-Rezepte schreiben? Ich denke ja, denn anders ist es schwierig zu ertragen. Dazu gehört auch, sich mal Luft und sich mal lustig zu machen. Kabarett darf das, Comedy darf das und ich darf das hier auch. Das Schreckliche daran: Es ist ein bisschen Wahrheit darin. Also los …

Wo ist denn eigentlich mein Lieblingspolitiker geblieben? Wo ist denn der (F)ührer (D)er (P)artei? Jetzt, da die Not in der Bevölkerung groß ist, viele Ängste bestehen und Unsicherheit um sich greift, wäre ein tröstendes Wort angebracht gewesen. Gerade er, der so begnadete Redner, der eine Stunde reden kann, ohne etwas zu sagen, gerade er wäre jetzt so hilfreich. Hätte er mich angesprochen, mir noch einmal die Welt und alle Zusammenhänge erklärt – ich wäre beruhigt gewesen. Hätte er dann noch weit ausgeholt und aufgezeigt, was alles schief läuft, was man hätte machen müssen, was man versäumt hat und welche Ideen er einbringen könnte – dann wäre ich völlig entspannt geworden. Ich hätte nämlich erkannt: Es gibt noch Schlimmeres als Corona.

Ihn, den ich in dieser Lage so schmerzlich vermisse, er ist abgetaucht, ist in Deckung gegangen, wird nicht mehr gesehen. Er, der immer und überall präsent war, der keine Talkrunde ausgelassen hat, er ist verschwunden, einfach nicht mehr da. Gut versorgt, blickt er sicher jetzt am Monatsende auf seine Abrechnung und wundert sich: „Wofür habe ich das jetzt bekommen?“. Hätten die Krankenpfleger den Gehaltszettel gesehen sie wären zum kotzen nach draußen geeilt.

Aber seine Zeit wird kommen, ganz sicher. Nach der Coronakrise, sollten wir sie gut überstehen, wird er wie ein Springteufel aus der Kiste springen. Er wird sich in der Stille der Krise, in der Andacht der Quarantäne auf seine Wiederauferstehung vorbereitet haben. Obwohl – es soll ja auch in der Freien Marktwirtschaft, die er ja so heftig beschwört, schon vorgekommen sein, dass Produkte, Leistungen und sogar Personen nicht mehr benötigt wurden. „Der Markt wird es schon richten“.

Schau’n wir mal und dann sehen wir weiter.

Beitragsfoto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

    • Petra
    • 23.03.20, 12:15 Uhr

    Herrlich! 🙂 „ich hätte erkannt: es gibt noch Schlimmeres als Corona.“
    Was bin ich froh, dass wir von ihm lieber gar nicht regiert werden.

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    • MarcO
    • 24.03.20, 12:42 Uhr

    Sehr gut!

    Die nicht ganz frische Laudatio für den Wermelskirchener Jung gibt es hier zu genießen:

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