Die Mitfahrbank als Spar-Vehikel

VON WOLFGANG HORN

Fast täglich fahre ich, zu unterschiedlichen Zeiten, an der Mitfahrbank am Burscheider Rathaus vorbei. Noch nie habe ich jemanden gesehen, der dort Platz genommen und mit den dafür vorgesehenen Karten sein Ziel erkennbar gemacht hätte. Noch nie. Nun will das nichts besagen. Ein valider Beweis dafür, daß das Angebot etwa nicht angenommen würde, ist das selbstredend nicht. Lediglich eine sehr subjektive Beobachtung.

Mitfahrbänke sollen nichtmotorisierten Menschen eine Gelegenheit bieten, jene, die mit einem Auto unterwegs sind, zu ermuntern, einen Passagier bis zu einem bestimmten Ziel mitzunehmen. Sozusagen Trampen 2.0, eine Mitfahr-Bank ersetzt gleichsam den herausgestreckten Daumen, der, in den sechziger bis achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, den Mitnahmewunsch signalisierte, seither aber aus der Mode gekommen zu sein scheint.

An sich also sind Mitfahrbänke durchaus ein sinnvolles Angebot, das, vor allem dort, wo der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ausgedünnt ist, eine gemeinsame Nutzung von Ressourcen möglich machen und die Mobilität nichtmotorisierter Mitbürger verbessern könnte.

In der letzten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr lag nun ein Antrag der WNKUWG vor, versuchsweise ein Pilotprojekt mit Mitfahrbänken in zwei vom ÖPNV nicht gerade gesegneten Stadtteilen, Emminghausen und Ellinghausen, für zwei Jahre zu starten. Geschätzte Gesamtkosten: € 8.000.

Anstatt nun ein solch keineswegs hyperteures Projekt – gemessen an anderen Vorhaben in der Stadt – mit Grandezza durchzuwinken und den Versuch ohne weiteren Widerspruch zu starten, mußte der Antrag zunächst einmal als Vehikel herhalten. Christian Klicki nämlich nahm selbst diese Kleinst-Gelegenheit wahr, sich als der wahre Sparkommissar in der Stadt zu profilieren. Der CDU-Chef mahnte mit sorgenzerfurchter Stirn an, angesichts der Kosten für die Mitfahrbänke die Bemühungen nicht aus den Augen zu verlieren, an jeder nur denkbaren Stelle einzusparen, um die Haushaltssicherung alsbald verlassen zu können. Sprachs und stimmte dann mit allen anderen Ausschußmitgliedern aus allen Parteien für den Pilotversuch, nachdem der Verwaltung die Prüfung auch anderer Finanzierungsmöglichkeiten aufgegeben worden war. Kommunalpolitik 2.0.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

    • Norbert Bergmann
    • 27.12.21, 18:43 Uhr

    Ich bin im Seniorenbeirat der Gemeinde Hille (Nähe Minden/NRW) und will mich um den Bau einer ersten Mitfahrbank kümmern. Mich wundert, im Netz fast keine überdachten Bänke zu finden. Die Überdachung finde ich notwndig. Andererseits muss sie für Autofahrer leicht einsehbat sein, damit die sehen, ob da einer sitzt oder nicht. Also keine 40.000 €-Hütten.
    Wenn jemand dazu ein Bild oder einen Entwurf kennt, wäre ich dafür dankbar.

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