Kirchenkino im Film-Eck: Back to the Fatherland

 

Von der Präsenz des Holocaust in der dritten Generation

Wermelskirchen | Gil und Kat sind Freunde seit College-Zeiten. Gil aus Israel ist die Enkelin eines Holocaust-Überlebenden, Kat aus Österreich ist die Enkelin eines Nazi-Offiziers. Trotz dieser biographischen Diskrepanz sind die beiden seit über 10 Jahren befreundet. In ihrem Bestreben, die Geschichte ihrer Familien zu überwinden, treffen sie Dan und Guy, zwei junge Israelis, die Israel verlassen haben, um in Österreich und Deutschland zu leben. Diese Entscheidung verändert ihre Beziehung zu Großeltern und Familie nachhaltig. „Back to the Fatherland“ zeigt die dritte Generation bei ihrem Bemühen, sich eine Zukunft zu schaffen. Kat Rohrer und Gil Levanon porträtieren die zwiespältigen Reaktionen im Umfeld der Enkel von Holocaust-Überlebenden, die nach Österreich und Deutschland auswandern.

Sie sind die Nachkommen von Holocaust-Verfolgten – und doch ziehen sie nach Deutschland oder Österreich. Sie wandern von Israel in die Länder der Täter von damals aus. Wie gehen Holocaust-Überlebende damit um, wenn – wie das momentan häufig geschieht – ihre Enkel nach Deutschland oder Österreich auswandern? Und umgekehrt: Fühlen die Enkel sich dabei als Verräter gegenüber den Großeltern? Die Filmemacherinnen wollen zeigen, wie die junge Generation ganz eigene Strategien fürs familiäre Erbe des Holocaust entwickelt. Wo gehören sie hin, was ist „Vaterland“ für sie? Spannende Gespräche, überraschende Einsichten, große Zuversicht – im Gegensatz zu den vielen, die meinen, jüdisches Leben sei in Europa mehr und mehr gefährdet …

Gil Levanon ist Israeli. Ihr Großvater Jochanan Tenzer, der 1937 aus dem pfälzischen Laufersweiler nach Palästina floh, kehrte nie mehr nach Deutschland zurück. Als die Enkelin ihm vor laufender Kamera gesteht, dass sie nun dort hingeht, wo er verfolgt wurde, ist der ältere Herr sichtlich verstimmt.

Koregisseurin Kat Rohrer stammt aus Österreich. Auf dem Dachboden ihres Elternhauses steht eine große Holzkiste mit der Naziuniform ihres Großvaters. Diese scheinbar so ferne Vergangenheit wird im Film ausgesprochen lebendig. Als Uri Ben-Rehav seinen Enkel Guy besucht, der mit seiner Freundin in Österreich lebt, begleitet die Kamera ihn in einer Wiener Straßenbahn, wo er die einstige Verhaftung durch den Gestapo-Mann beim Erzählen noch einmal durchlebt. In dieser eindringlichen Szene spürt der neben ihm sitzende Enkel nicht nur das Unbehagen des Großvaters.

Wir zeigen diesen Film als Beitrag zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.

KirchenKino Wermelskirchen begann im Januar 2003 mit dem Film „Kindertransport“ über die Rettungsaktion für jüdische Kinder aus Nazi-Deutschland. Nun, 16 Jahre später, verabschiedet sich KirchenKino (vorläufig?) nach 112 Filmen mit der „Rückkehr“ junger Leute aus Israel. Nach dem Film gibt es wie immer Gelegenheit zum Gespräch im Kinosaal.

KirchenKino entsteht aus der Kooperation zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Wermelskirchen und dem Film-Eck Wermelskirchen,

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