Die SPD-Fraktion beantragt, daß bis zur Klärung des Problems der Straßenausbaubeiträge durch das Land keine Kostenbescheide versandt werden

Wie man sich selbst überflüssig macht

Von Gudrun Bilstein

Waren das noch Zeiten, als man morgens am Frühstückstisch saß und sich gegenseitig aus den Zeitungartikeln vorlesen oder kurze Zusammenfassungen geben konnte; als man sich noch wundern konnte, dass über bestimmte Ereignisse nur in der einen Zeitung und nicht in der anderen berichtet wurden.

Wenn man zwei Lokalzeitungen abonniert, um einen möglichst breiten Überblick über die Berichterstattung in der Stadt zu erhalten, ist das möglich und macht Spaß. Wenn aber – wie in den letzten Monaten – Artikel identisch oder fast identisch in beiden Lokalseiten stehen, ist das eher langweilig.

Natürlich wurden auch früher aktuelle Ereignisse in der Stadt auf den ersten Seiten in den Lokalteilen beider Zeitungen gebracht. Natürlich wurden wichtige Ereignisse, Veranstaltungen, Vorgänge, von denen man glaubte, dass sie von allgemeinem Interesse seien, in beiden Blättern behandelt. Aber gerade das war ja das Interessante: Man konnte die unterschiedlichen Sichtweisen und Darstellungen der zwei Zeitungen gut vergleichen.

Das war besonders deutlich, manchmal aber auch ärgerlich, als noch eine bestimmte Lokalredakteurin der BM oft sehr polemisch und tendenziös über die Politik berichtete und der RGA eher moderat den gleiche Sachverhalt behandelte. Ein Beispiel für die Vielfalt der Berichterstattung.

Diese Vielfalt ist nun leider vorbei. Wenn nicht am gleichen Tag, so doch spätestens ein oder zwei, manchmal auch mehrere Tage später wird der identische oder nur leicht veränderte Artikel (aber fast immer mit einer anderen Überschrift), in beiden Zeitungen, manchmal auf der ersten Lokalseite, manchmal auf einer folgenden, gedruckt. Wozu braucht man da noch zwei Zeitungen?

Zum Beweis nachfolgend ein kleiner Vergleich über 8 Tage, der nur Beispiele zeigt und keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Bei genauerem Vergleich ergäben sich noch mehr Übereinstimmungen:

3.11.:
WGA: „Lebenshilfe will mehr Dienstleistung“ von Solveig Pudelski
BM: „ Lebenshilfe will sich breiter aufstellen“ von Solveig Pudelski
Identische Artikel

4.11.:
WGA: „ Duo des MSC Dhünn fährt meisterhaft“ von Stephan Singer
BM: Identischer Artikel

WGA: „Tente: Neue Pfarrerin will nicht schweigen“ von Theresa Demski
BM: „Neue Pfarrerin in Tente sucht die Gespräche“, Identische Artikel

6.11.:
WGA: „Food- Truck kommt 2018 im Sommer“ von Stephan Singer
BM: „Der Schwanenplatz ist Anziehungspunkt für Event-Gourmets“ von Stephan Singer
Identische Artikel

WGA: „Jeckes Dreigestirn will Pfefferminz“ von Stephan Singer
BM: „Jeckes Dreigestirn mit „Pfefferminz-Prinz““ von Stephan Singer
Identische Artikel

7. 11.:
WGA: „Landbäckerei Bauer wächst weiter“ von Stephan Büllesbach
BM: „Bauer im Wachstum durch Optimierung“ von Stephan Büllesbach
Identische Artikel

8. 11.:
WGA: „Saunagäste wenden sich an die Stadt“ von Theresa Demski
BM: „Saunagäste kämpfen um ihre Aufgüsse“ von Theresa Demski
Bis auf das leicht veränderte Ende identische Artikel

WGA: „Alle blicken mit Zuversicht in die Zukunft“ von Stephan Singer
BM: Bistro Katt: „Mit Zuversicht in die Zukunft“ von Stephan Singer
Identische Artikel

10. 11.:
RGA: „Bald ist reiten auf allen Wegen erlaubt“
BM: „Begrenzte Freiheit auf dem Pferderücken“ von Solveig Pudelski
Identische Artikel

13. 11.:
WGA:“ Der Frühschoppen wird fortgesetzt“
BM: „Jecker Frühschoppen lebt weiter“
Bis auf den letzten Satz identisch

WGA: „Domkapitular besucht St. Michael“ von Theresa Demski
BM: „Katholiken erinnern an die Kirchweihe“ von Theresa Demski
Ganz geringe Änderung in einem Satz.

14. 11.:
WGA: „Stadt bleibt womöglich auf dem Schaden sitzen“ von Udo Teifel
BM: „Wer zahlt jetzt den Millionenschaden“ von Udo Teifel
Geringfügige Änderungen im Text, am Ende wird ein kleiner Abschnitt weggelassen.

WGA: „Spaziergang zeigt dunkle Stadtgeschichte“ von Friedrich Oehl
BM: „Einblick in eine dunkle Vergangenheit“ von Friedrich Oehl
Identische Artikel

Bleibt am Schluss nur noch zu überlegen, welche Lokalzeitung man abbestellt. Die Bergische Morgenpost, die meiner Meinung nach den besseren Mantelteil hat, also die überregionalen Politik-, Wirtschafts- Kultur und Sportseiten, oder etwa den RGA, der schon in meiner Kindheit auf dem Frühstücktisch (ganz früher sogar auf dem Mittagstisch) lag, den „Tüpitter“, ohne den es bei meinen Eltern keinen richtigen Feierabend gab? Weil es mir schwer fällt, habe ich die Entscheidung noch nicht getroffen. Noch nicht.

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

    • Horst Rosen
    • 20.11.17, 8:55 Uhr

    Das mag bedauerlich sein, aber so ist der Gang der analogen Welt: Sie verschwindet mehr und mehr. Im Oberbergischen ist schon lange so. Es gibt nur noch eine Tageszeitung. Und welchen Vorteil habe ich noch bei einem Jahresabopreis von rd. 400,- €?

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  1. Das ist der Gang der analogen Welt, wenn Verleger keine Idee, kein Konzept für digitale, lokale Kommunikation entwickeln. Soweit stimme ich zu.

    Andererseits wird Gesichtslosigkeit lokale Zeitungen nicht in eine gute Zukunft führen. Unser Vorteil in Wermelskirchen war doch, zwei deutlich unterschiedliche Profile von Lokalzeitung zu haben. War. Nun leben wir de facto mit nur einer Zeitung, bestückt aus zwei Redaktionen. Ein Meisterwerk verlegerischer Strategie, das in den meisten anderen Orten, in denen dieses Modell eingeführt worden ist, die Kosten gesenkt, die Attraktivität indes nicht erhöht hat.

    So lange Zeitungen sich nicht mühen, interessanter geschrieben zu werden, attraktiv auch für jüngere Menschen zu sein, die andere Kommunikationserwartungen entwickelt haben, aber nicht weniger interessiert und belesen sind, so lange hat lokale Kommunikation keine gute Zukunft. Das Zeitungssterben geht auf das „Sterben“, also die Einsparung, von Redaktionen und Redakteuren zurück. Und wenn ich in Wermelskirchen lieber die Süddeutsche Zeitung lese als den Wermelskirchener General-Anzeiger oder die Bergische Morgenpost, dann ist das auch ein Urteil über provinziellen Journalismus. Für den im übrigen nicht die Journalisten, sondern eher die Verlage verantwortlich sind.

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    • Rene
    • 12.09.18, 18:43 Uhr

    Naja, die hängt auch alles mit reiner Überlebensstrategie, bzw. dem letzten Rudern vor dem Ertrinken zusammen. Man kann sich keine Redakteure mehr leisten! Fotografen schon lange nicht mehr! Es werden nur noch Praktikanten oder Volontäre gesucht. Bilder bekommt man über zwielichtige Kanäle von Feuerwehr oder Polizei -obwohl dies eine Wettbewerbsverzerrung darstellt und strafrechtlich geahndet werden kann (bei Polizei und Feuerwehr)…

    Man hat auch einem Bildjournalisten seine letzen Honorare nicht gezahlt – weiß ich aus eigener Quelle,… bestand aber vorher für ein Bildhonorar von 12,50€ auf Exklusivität! Man hat auch Texte unauthorisiert gedruckt.. Naja, wegen 23,50 € werde ich keinen Rechtsstreit vom Zaun brechen -nur eben jegliche Zusammenarbeit beenden und allen Agenturen einen Sperrvermerk geben.

    So geht es eben nicht! Ich prophezeie dem WGA noch ein Jahr… die RP wird die Reste aufsammeln… und dann auch verschwinden… (Udo Teifel wird noch bis zur Rente rumrudern müssen…)

    Unabhängige Presse? Das gibt es in Wermelskirchen schon lange nicht mehr!

    Aber solange das Tierheim noch süße Hundebabies hat, ist in der WGA immer Platz für einen “Standpunkt” – von wem auch immer!

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