NACHRICHTEN AUS DER CORONA-PANDEMIE (DLXXXV)

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 131.792 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das sind 14.815 Fälle weniger als am Sonntag vor einer Woche. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sinkt zum ersten Mal seit Anfang März wieder und liegt nun bei 1708,7, am Vortag noch bei 1735. Weitere 49 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit einer Infektion. Sechs von 16 Bundesländern überschreiten bei der 7-Tage-Inzidenz nun die 2000er Marke: Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland, Sachsen, Thüringen. Heute kam auch Sachsen-Anhalt hinzu. Zwölf Bundesländer verzeichnen Inzidenzanstiege, zumeist deutliche. Den größten Sprung machte Sachsen (plus 176 auf 2212,3), gefolgt von Bremen (plus 84 auf 1338,1) und Hamburg (plus 70 auf 1263,3). Auch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zeigt sich ein starker Aufwärtstrend. In Deutschland sind die meisten bundesweiten Corona-Schutzauflagen weggefallen. Fürs Zugfahren mit der Deutschen Bahn werden ab sofort keine 3G-Nachweise mehr benötigt, die Maskenpflicht im öffentlichen Nah- und Fernverkehr gilt aber weiter. Aufgehoben ist nun auch die gesetzliche Verpflichtung zu 3G-Zutrittsnachweisen am Arbeitsplatz. Künftig sollen die Unternehmen selbst die Gefährdungslage einschätzen und in betrieblichen Hygienekonzepten Schutzmaßnahmen festlegen können. Darüber hinaus ändert sich zunächst wenig: Alle Länder wollen noch eine Übergangsfrist nutzen und bisherige Regeln bis längstens 2. April aufrechterhalten. Danach können sie nur noch wenige allgemeine Schutzvorgaben verhängen, etwa zu Masken und Tests in Einrichtungen für gefährdete Gruppen wie Pflegeheimen und Kliniken. Der Deutsche Städtetag erwartet eine rasche Korrektur der neuen Corona-Regeln. “Das neue Infektionsschutzgesetz beschneidet den Instrumentenkasten für Länder und Kommunen, um auf die Corona-Lage rasch zu reagieren. Es ist jetzt ein Flickenteppich zu befürchten”, sagte Städtetagspräsident Markus Lewe den Funke-Zeitungen. “Und es ist ziemlich wahrscheinlich, dass das Gesetz bald wieder korrigiert werden muss.” Lewe legte den Ländern nahe, rechtzeitig vor dem Ende der Übergangsfrist am 2. April zu entscheiden, ob sie weiter Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht im Einzelhandel oder 3G oder 2G in manchen Lebensbereichen erlauben wollten. Der CDU-Politiker kritisierte, dass solche Maßnahmen nach dem neuen Gesetz dann nur noch in Hotspots möglich sind, “von denen bisher niemand weiß, wo sie sind”. Berlin behält die bisher geltenden Corona-Maßnahmen bis zum 31. März bei, anschließend fallen sie dann bis auf wenige Ausnahmen weg. Der Senat beschloss die Verlängerung laut Mitteilung am Nachmittag. Eigentlich hatten sich Bund und Länder grundsätzlich darauf geeinigt, dass alle tiefgreifenderen Beschränkungen bereits zum Sonntag (20. März) wegfallen. Berlin macht nun jedoch wie andere Länder von einer Übergangsfrist Gebrauch. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey begründete dies mit der Corona-Lage. So steigen die Infektionszahlen bundesweit seit geraumer Zeit wieder. Ab 1. April soll es dann nur noch wenige sogenannte Basis- Schutzmaßnahmen geben. Dazu zählen die Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr sowie in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Für bestimmte Bereiche soll auch eine Testpflicht fortbestehen, etwa an Schulen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnt, mit dem schnellen Wegfall der Maskenpflicht in vielen Bundesländer würden die Schulen zur Durchseuchung freigegeben. “Mir bereitet es große Sorgen, wie schnell die Maskenpflicht in den Schulen in vielen Bundesländern jetzt wegfällt – und das, obwohl wir uns noch immer mitten in der Omikron-Welle befinden und die Infektionszahlen wieder steigen”, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Deutschland ist inzwischen trauriger Inzidenzspitzenreiter in Europa“, so der Verbandspräsident. ”Eine Politik, die angesichts dessen die wichtigsten und wirksamsten Gesundheitsschutzmaßnahmen ersatzlos streicht, gibt letztlich die Schulen zur Durchseuchung frei“, sagte er. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, die Homeoffice-Pflicht beizubehalten. ”Wir haben Rekord-Inzidenzen, und im Herbst kann sich die Lage noch einmal verschlechtern“, sagt Hoffmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. ”Ich plädiere dafür, das Infektionsschutzgesetz und auch die Covid-Arbeitsschutzverordnung rasch nachzuschärfen. Wir dürfen nicht riskieren, dass der Arbeitsplatz wieder zu einem Infektionsherd wird.” Zwar hielten viele Unternehmen über den 20. März hinaus auf der Basis von Betriebsvereinbarungen am Homeoffice fest. Allerdings gebe es auch Unternehmen, die Homeoffice partout nicht wollten.

Das Tempo beim Impfen gegen Corona nimmt weiter ab. Am Freitag wurden 60.000 Dosen verabreicht, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Morgen hervorgeht. Hinzu kommen in der Regel noch einige Nachmeldungen. Am Freitag vor einer Woche waren es 94.334 Impfungen – am 4. März waren es 109.409. Mittlerweile haben 75,8 Prozent der Bevölkerung (mindestens 63,1 Millionen Menschen) einen Grundschutz erhalten, für den meist zwei Spritzen nötig sind. 58,2 Prozent (48,4 Millionen) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung bekommen. Mindestens einmal geimpft sind 76,5 Prozent (63,6 Millionen). Eine große Gruppe von 23,5 Prozent der Bevölkerung (19,5 Millionen Menschen) ist laut dem Impfdashboard des Gesundheitsministeriums weiterhin ungeimpft. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, spricht sich erneut für eine Impfpflicht aus. “Noch lässt sich verhindern, dass wir in einigen Monaten erneut vor erheblichen Einschränkungen mit dramatischen Folgen stehen”, sagte Genth der “Passauer Neuen Presse”. Notwendig dafür sei eine Steigerung der Impfquote. “Freiwilligkeit war leider offenbar kein zielführender Weg. Daher muss nun endlich eine allgemeine Impfpflicht beschlossen und umgesetzt werden.”

In Bayern sind nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) inzwischen mehr als 5000 Anzeigen wegen gefälschter Corona-Impfausweise eingegangen. Inzwischen sind diese Vergehen auch zum Fall für die Justiz geworden. Allein bei der Staatsanwaltschaft München sind seit dem 1. Januar 2021 rund 200 solcher Verfahren registriert worden, wie Sprecherin Anne Leiding sagte. In gut 50 dieser Verfahren wurde ein Strafbefehl beantragt.

Großbritannien bietet ab Montag eine vierte Corona-Impfung an. Dem Nationalen Gesundheitssystem (NHS) zufolge gilt das erneute Booster-Angebot für Bewohner von Pflegeheimen, Menschen ab 75 Jahren sowie Menschen ab zwölf Jahren mit Immunschwäche. Rund fünf Millionen Menschen könnten eine vierte Impfung erhalten, rund 600.000 würden in der kommenden Woche eingeladen, einen Impftermin zu vereinbaren. “Unser phänomenales Impfprogramm hat unzählige Leben gerettet und einen Verteidigungswall errichtet, der es uns erlaubt hat zu lernen, mit Covid zu leben”, sagte Gesundheitsminister Sajid Javid. Nun werde den über 75-Jährigen und den am meisten gefährdeten Menschen ein “Frühlings-Booster” angeboten, “um ihren Schutz gegen das Virus zu erhöhen”.

Beitragsfoto ©HandiHow (Pixabay)

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