Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 12.834 neue Infektionen. Das sind 2254 mehr als am Freitag vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt im Vergleich zum Vortag von 65,4 auf 72,4. Den neuen Angaben zufolge starben 252 weitere Menschen in Verbindung mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen 24 Stunden auf 73.062. Insgesamt wurden bislang mehr als 2,53 Millionen Menschen positiv auf das Virus getestet. Laut Divi-Register werden in Deutschland derzeit 2759 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt, 1556 davon werden beatmet. Rund 4600 Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei. In der aktuellen Virus-Lage bleibt es bei zwei Bundesländern, die ein Fallaufkommen unter der Obergrenze von 50 neu registrierten Corona-Infektionen binnen sieben Tagen je 100.000 Einwohner aufweisen – allerdings mit einer leichten Änderung. Dem jüngsten RKI-Datenstand zufolge liegt neben Schleswig-Holstein (48,0) nun auch das Saarland (48,1) unter der 50er-Schwelle. Rheinland-Pfalz hingegen ist nach zwölf Tagen unter der Obergrenze nun wieder darüber gerutscht. Das deutlich höchste Fallaufkommen im Ländervergleich weist weiterhin Thüringen auf. Dort ist der Wert von 138,3 auf 146,1 gestiegen – das ist der höchste seit vier Wochen. Der Freistaat liegt somit weiter als einziges Bundesland über der 100er-Marke, wobei Sachsen sich dieser Schwelle mit steigenden Werten nähert (90,9). Die Ansteckungsrate (R-Wert) legt wieder zu und wird vom Robert-Koch-Institut (RKI) mit 0,94 angegeben (Vortag: 0,87). Der 7-Tage-R-Wert liegt aktuell bei 1,04 (Vortag: 0,96). Für zahlreiche deutsche Regionen gibt es mit Blick auf die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz vorerst keine Grundlage für zeitnahe und umfangreiche Öffnungsschritte: Von den 412 Regionen, die das Robert-Koch-Institut ausweist (dazu gehören die Landkreise, kreisfreien Städte und die Berliner Bezirke), überschreiten 88 (Vortag: 75) die von Bundeskanzlerin Angela Merkel als “Notbremse” bezeichnete 100er-Marke – sie sind also von bei den Bund-Länder-Beratungen vereinbarten Lockerungen weit entfernt. Dem jüngsten RKI-Datenstand zufolge liegen von den 20 Regionen mit den höchsten Werten allein neun in Bayern und acht in Thüringen. Beide Freistaaten mit ihren Fallaufkommen deutlich über dem Bundeswert (72,4): Bayern mit 79,8 und Thüringen mit der bundesweit höchsten Sieben-Tage-Inzidenz von 146,1. Zu Beginn der dritten Corona-Welle in Deutschland sieht der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) eine andere Ausgangslage als vor der zweiten Welle. Die Zahl der Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche liege aktuell bei der jüngeren, mobilen, berufstätigen Bevölkerung auf einem deutlich höheren Niveau als damals, sagt Lothar Wieler in einem Online-Vortrag vor Studenten der Hochschule für Politik München. Offensichtlich erschwere dies die Bekämpfung der dritten Welle: Diese Gruppen hätten die meisten Kontakte. Laut RKI-Situationsbericht steigen die Inzidenzen in allen Altersgruppen unter 55 Jahren seit der sechsten Meldewoche kontinuierlich an. Eine Studie am Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat bestätigt, dass Covid-19 gefährlicher ist als eine saisonale Grippe. Bei einem Vergleich von Patienten zeigte sich, dass Covid-19-Patienten im Durchschnitt einen längeren Krankenhausaufenthalt hatten (26 Tage, bei Grippe 17 Tage), häufiger eine Sauerstofftherapie oder eine invasive Beatmung benötigten und doppelt so häufig auf die Intensivstation verlegt werden mussten, teilte das UKE mit. Zudem verstarb unter den immungeschwächten Patienten der Studie jeder Dritte Covid-19-Erkrankte, aber nur etwa jeder Zehnte der Grippe-Kranken. Das Impftempo in Deutschland zieht langsam an. Mitte der Woche wurden bundesweit erstmals mehr als 250.000 Corona-Schutzimpfungen binnen eines Tages vorgenommen, wie aus den aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Rund 192.000 Impfdosen davon entfielen auf Erstimpfungen, 65.000 auf Zweitimpfungen. Insgesamt 3,2 Prozent der Einwohner Deutschlands sind damit bereits vollständig geimpft. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung (93,1 Prozent) verfügt auch zweieinhalb Monate nach dem Impfstart noch immer über keinen Impfschutz. Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis fordert mehr Spielraum bei der Impfreihenfolge, sobald der Impfstoff in den Arztpraxen verfügbar ist. “Nichts ist schlimmer, als dass Impfdosen am Ende eines Arbeitstages übrig bleiben oder im Müll landen”, sagt der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) der “Rheinischen Post”. Dann sei es besser, wenn der Arzt ihm bekannte Patienten anrufe, ob sie spontan zur Impfung kämen. Die Impfbereitschaft unter Ärzten und Pflegekräften auf Intensivstationen ist laut einer Umfrage zweier medizinischer Fachverbände im Februar auf 75 Prozent gestiegen. Das berichteten die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) sowie die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin (DGIIN) gemeinsam unter Verweis auf eine Onlinebefragung unter 3500 Mitgliedern. Demnach stieg die Bereitschaft, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, im Vergleich zu einer identischen Umfrage vom Dezember um zehn Prozentpunkte. Damals hatte der Wert laut Divi und DGIIN bei 65 Prozent gelegen. Deutschland setzt die Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca nicht aus. Bislang gebe es keine Hinweise, dass der Todesfall in Dänemark mit dem Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca in kausaler Verbindung stehe, teilte das Paul-Ehrlich-Instuitut mit. Nach einer ersten Prüfung halte auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) “an der positiven Bewertung des zugelassenen Astrazeneca-Impfstoffs fest”, hieß es. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet damit, dass die Impfungen in den Arztpraxen erst ab Mitte April langsam beginnen. “Es wird aber bis Mai dauern, bevor das in vollem Umfang in allen Ländern laufen kann.” Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Alena Buyx, fordert die schnelle Beteiligung niedergelassener Ärzte bei den Corona-Impfungen. “Es ist ein ethisches Gebot, jetzt Meter zu machen beim Impfen”, sagt Buyx im “ntv Frühstart”. “Ich bin ein ganz großer Befürworter, dass man das in die niedergelassenen Praxen bringt – so schnell wie möglich.” In Bayern sollen bereits ab 1. April Impfungen in Arztpraxen beginnen. Das kündigt der Präsident des Bayerischen Landkreistags, Christian Bernreiter, in der “Passauer Neuen Presse” an. Bundesweit sollen die Impfungen bei Hausärzten Erst Mitte April anlaufen. Es sei immer klar gewesen, dass das Impfen in die Regelversorgung übergeführt werden solle, betont Bernreiter. “Darum haben wir uns gemeinsam darauf verständigt, den jetzigen Stand der Impfzentren einzufrieren und den ab April aufwachsenden Impfstoff an die niedergelassenen Ärzte über den Großhandel auszurollen”, sagt er der Zeitung. Der Chef des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, hat sich dafür ausgesprochen, die Impfzentren zu schließen. “Schon jetzt könnte man alle Impfstoffe in den Praxen verimpfen”, sagt Weigeldt der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Weigeldt kritisierte den Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern scharf. Diese setzen bei den Corona-Impfungen zunächst weiter auf die Impfzentren und wollen die Ärzte erst später einbinden. Über die Beratungen vom Mittwochabend sagt Weigeldt: “Das Ergebnis ist eine Katastrophe.” Die Entscheidung, die Ärzte erst ab Mitte April an den Impfungen zu beteiligen, sei falsch. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigt sich optimistisch, dass mit Hilfe der Arztpraxen bis Ende des Sommers große Teile der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft sein werden. Bis zum dritten Quartal werde man allen Menschen nicht nur eine Impfung anbieten können, sondern sie auch dazu auffordern können, sagte Spahn bei einem der ersten Impftermine eines Pilotprojekts mit knapp 150 Arztpraxen in Berlin. “Da bin ich sehr sicher, da werden wir spätestens im Sommer sein.” Er setze große Hoffnung auf die Arztpraxen, wenn dann große Mengen der Impfstoffe ab Mitte April geliefert werden, sagte Spahn. Die Infrastruktur aus Großhändlern, Apotheken und Praxen sei für umfassendes Impfen optimal. Trotz der EU-Zulassung für den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson dürfte es nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn noch mehrere Wochen dauern, bis die ersten Dosen des Vakzins in Europa verabreicht werden können. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach rechnet mit steigenden Corona-Fallzahlen durch Schnelltests, die künftig in großen Mengen verfügbar sein sollen. Dies könne zu höheren Inzidenzen führen, sagt er. Portugal will nach einem rund zwei Monate dauernden Lockdown in der nächsten Woche mit Lockerungen beginnen. Kindergärten, Vorschulen und Grundschulen sollen am Montag öffnen, teilt Ministerpräsident Antonio Costa mit. Auch Friseure und Buchläden können dann wieder Kunden empfangen. Für Restaurants sei der Schritt erst im Mai vorgesehen. Die Lockerungsmaßnahmen würden alle 15 Tage überprüft. Die Landesgrenze zu Spanien soll bis Ostern geschlossen bleiben. Frankreich hält am Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca fest. Europa, Frankreich und Deutschland seien zurzeit der Ansicht, dass es kein übermäßiges Risiko gebe, sagte der französische Gesundheitsminister Oliver Véran. In Bulgarien sind die Corona-Maßnahmen wegen schnell steigender Fallzahlen verschärft worden. In 16 von 28 Regionen – einschließlich der Hauptstadt Sofia – müssen unter anderem wieder viele Schulen zum Fernunterricht übergehen. In Bulgarien liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 395 pro 100.000 Menschen. “Seit mindestens 14 Tagen liegt ein exponentielles Wachstum der Fälle vor”, sagte Corona-Stabchef Wenzislaw Mutaftschijski. Er führte die beunruhigende Lage auf die Variante B.1.1.7 des Coronavirus zurück. In Polen wird mit 21.045 Neuinfektionen der höchste Wert seit November erreicht. Das Gesundheitsministerium teilt mit, dies sei vor allem auf die rasche Ausbreitung der zuerst in Großbritannien entdeckten hochansteckenden Mutation zurückzuführen. Bislang wurde das Coronavirus in Polen bei knapp 1,85 Millionen Menschen nachgewiesen, 46.373 Menschen starben an oder mit dem Virus. Polen wird zwischenzeitlich aufgehobene Einschränkungen in zwei besonders von der Pandemie betroffenen Regionen wieder einführen. Dazu gehöre auch die Hauptstadt Warschau, sagt Gesundheitsminister Adam Niedzielski. In den betroffenen Gebieten müssten Kinos, Schwimmhallen, Einkaufszentren und Hotels wieder schließen. Kinder der ersten drei Schulklassen müssten zudem in Teilen wieder online unterrichtet werden. In Tschechien wird derzeit eine Höchstzahl schwerer Covid-19-Fälle in den Krankenhäusern behandelt. 1916 Patienten befinden sich in einem ernsten Zustand oder werden künstlich beamtet, wie das Gesundheitsministerium in Prag bekannt gibt. Landesweit sind derzeit nur noch zwölf Prozent aller Intensivbetten frei. Zudem werden mehr als 6800 weitere Menschen mit leichteren Verläufen stationär versorgt. US-Präsident Joe Biden will die Staffelung nach Impfgruppen in der Pandemie aufheben und Impfstoffe spätestens bis zum 1. Mai für alle Erwachsenen in den USA freigeben lassen. Ziel sei es, die USA bis zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli “der Normalität näher zu bringen”. Sobald die Impfstoffe für alle freigegeben seien, werde die Regierung sicherstellen, dass tatsächlich auch jeder Erwachsene eine Impfung erhalten könne, teilt das Weiße Haus mit. Gesundheitseinrichtungen in Brasilien warnen davor, dass die Krankenhäuser an ihre Grenzen geraten. In 15 Hauptstädten der 27 Bundesstaaten seien die Intensivstationen zur Behandlung von Covid-19-Patienten bereits zu mehr als 90 Prozent belegt, teilt das Wissenschaftsinstitut Fiocruz mit. Für die beiden einwohnerstärksten Städte Sao Paulo und Rio de Janeiro wurden trotz scharfer Kritik von Präsident Jair Bolsonaro, einem entschiedenen Lockdown-Gegner, striktere Einschränkungen beschlossen. Zuletzt sind den zweiten Tag in Folge mehr als 2000 Menschen an Corona gestorben. Das Gesundheitsministerium meldete 2233 Tote innerhalb von 24 Stunden und 75.412 Neuinfektionen.
NACHRICHTEN AUS DER CORONA-PANDEMIE (CCXXIII)
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