NACHRICHTEN AUS DER CORONA-PANDEMIE (CLXX)

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) 7141 neue Corona-Infektionen binnen eines Tages gemeldet. 214 Menschen sind an oder mit Covid-19 gestorben. An Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Es scheint aber ein Trend erkennbar: Vor genau einer Woche registrierte das RKI noch 12.497 Neuinfektionen und 343 neue Todesfälle. Seit Beginn der Pandemie zählt das RKI 2.040.659 nachgewiesene Infektionen und 46.633 Todesfälle. Laut Divi-Register werden in Deutschland derzeit 4971 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt, 2835 davon werden beatmet. Rund 4950 Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei. Wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln hat die Polizei in Berlin-Mitte eine Hochzeitsfeier mit 60 Menschen aufgelöst. In einem Altenheim in Benediktbeuern hat es eine neue Corona-Masseninfektion gegeben. Sechzehn Bewohnerinnen und Bewohner haben sich mit dem Erreger angesteckt, weitere sieben Infektionen gibt es beim Personal, wie das Landratsamt von Bad Tölz und Wolfratshausen mitteilte. Drei Menschen waren so krank, dass sie stationär behandelt wurden. Die Behörden verhängten Besuchsverbot, neue Bewohner werden vorerst nicht aufgenommen. Zuvor hatte es schon im nahe gelegenen Geretsried einen ähnlichen Fall in einem Altenheim gebeben. Dort stieg die Zahl der Infektionen seit Freitag auf insgesamt 21 am Sonntag. Ein Stück weit sind die Corona-Zahlen seit Weihnachten schon gesunken, doch nach Experteneinschätzung wird der Lockdown noch eine Weile nötig sein. Entscheidend für seine Dauer sind nach Ansicht des Bremer Professors Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie eine Trendwende mit deutlich sinkenden Corona-Zahlen, gleichzeitig intensives Testen und besonders die breite Akzeptanz sowie erfolgreiche Durchführung der Impfung. “Da gerade der letzte Teil noch dauert nach den letzten Nachrichten, gehe ich von mindestens weiteren sechs bis acht Wochen aus.” Die Virologin Marylyn Addo erwartet in der Corona-Pandemie “vom Frühjahr an und im Sommer eine deutliche Entspannung”. “Schon wegen des wärmeren Wetters und der höheren Impfquote”, sagte die Leiterin der Sektion Infektiologie vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). “Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass wir so bald in großen Menschenmassen wie auf dem Oktoberfest darauf anstoßen können. Es dürfte auch in der zweiten Jahreshälfte wieder einen Anstieg geben, es ist halt ein Erkältungsvirus. Aber ich bleibe zuversichtlich.” Zur Diskussion über einen zu langsamen Impfstart in Deutschland sagte sie: “Ich würde mir wünschen, dass man nicht das große Bild aus den Augen verliert. Wenn man mir im letzten Februar gesagt hätte, dass wir uns im Dezember darüber streiten, wer die ersten Impfstoffe bekommt, hätte ich das für verrückt gehalten – so schnell würde es doch nie einen Impfstoff geben. Aber es kam anders, und wir sollten auch mal ‘feiern’, was erreicht wurde.” Der Chef des Dachverbandes der Betriebskrankenkassen, Franz Knieps, spricht sich für eine rasche Öffnung der Schulen aus. Mittlerweile wisse man, dass Kinder beim Infektionsgeschehen eine größere Rolle spielten als bisher vermutet, räumte Knieps ein. “Aber das Risiko müssen wir eingehen”, forderte er und verwies auf unterschiedliche Ausgangslagen in den Elternhäusern. “Der Staat kann doch nicht hinnehmen, dass es vom Geldbeutel oder dem Improvisationstalent der Eltern abhängt, ob die Kinder Zugang zu Bildung bekommen”, sagte er dem RND. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne weist auf die Entbehrungen von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Krise hin. “Wir nehmen den Kindern gerade alles weg, was ihr Leben ausmacht: Hobbys, Freunde treffen, Veranstaltungen besuchen, ins Kino gehen, zusammen feiern”, sagte Tonne. “Und nun mussten wir auch noch den Schulbesuch – die letzte verbliebene Möglichkeit, Kontakt zu Gleichaltrigen zu haben – massiv einschränken und nahezu auf null herunterfahren”. Diese Situation könne man nicht beliebig lange fortführen. Die Bundeselternvertretung für Kitas – kurz Bevki – wendet sich zwei Tage vor den neuerlichen Bund-Länder-Beratungen zu den Corona-Maßnahmen gegen weitere Belastungen. “Für Familien mit Kindern ist jetzt eindeutig die Grenze der Belastbarkeit erreicht”, erklärte Bundeselternsprecher Axel Briege. “Weitergehende Maßnahmen zur Pandemieeindämmung müssen nun von anderen, stärkeren Partnern mitgeschultert werden.”Bayerns Ministerpräsident Markus Söder schließt Grenzkontrollen zur Pandemie-Bekämpfung nicht aus. Auf den bei deutschen Urlaubern gerade im Winter beliebten Kanareninseln Gran Canaria und Lanzarote gelten ab Montag verschärfte Corona-Maßnahmen. So wird der Beginn der nächtlichen Ausgangssperre ab Montag um eine Stunde auf 22.00 Uhr vorgezogen, Zusammenkünfte mit Menschen aus anderen Haushalten sind untersagt, Gaststätten dürfen nur noch im Freien servieren und Sport ist nur noch unter freiem Himmel ohne Kontakt zu anderen erlaubt. In einem Altenheim Belgien sind zahlreiche Bewohner mit dem zuerst in England entdeckten mutierten Coronavirus infiziert worden. In dem Heim “De Groene Verte” in Merkem im Westen Flanderns seien 75 Menschen – zwei Drittel aller Bewohner – positiv auf den neuen Virustyp getestet worden, meldete die Nachrichtenagentur Belga. Alle gesellschaftlichen Aktivitäten in der Gemeinde seien nun untersagt. Nur Schulen, Kitas und medizinische Dienste blieben geöffnet. Großbritannien hofft, ab März auf Lockerungen der Corona-Beschränkungen. In den USA ist die Zahl der Corona-Infektionen binnen 24 Stunden um mindestens 169.641 auf 23,9 Millionen gestiegen. Mindestens weitere 1730 Menschen starben in Verbindung mit dem Virus. Insgesamt werden nun 397.612 Todesfälle gezählt. Während in Brasilien heute die ersten Impfdosen verabreicht wurden, breitet sich das Virus in dem Land weiter rasant aus. Das Gesundheitsministerium meldet 33.040 Neuinfektionen binnen eines Tages. Offiziell haben sich damit 8,48 Millionen Menschen in dem Land mit dem Coronavirus angesteckt. Die Zahl der Todesfälle legte um 551 auf 209.847 zu. Trotz weiter steigender Corona-Zahlen sind die Strände der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro voll. Dicht an dicht drängten sich die Besucher zwischen den bunten Sonnenschirmen an den weltberühmten Stränden von Copacabana und Ipanema. Viele trugen keine Maske. Am Sonntag wurden die Straßen entlang der Strände von Copacabana, Ipanema und Leblon und der Park Aterro do Flamengo wieder für den Fahrzeugverkehr geschlossen und zu Freizeitgebieten für die Bewohner Rios umgewandelt. Der Januar ist in Brasilien Ferienzeit. Die Menschen hätten die Pandemie inzwischen “völlig banalisiert”, so die Wissenschaftlerin Chrystina Barros von der Bundesuniversität Rio de Janeiro angesichts der Bilder. “Wir sehen keine Möglichkeit zu glauben, dass wir das Gewissen der Menschen gewinnen können.” Brasilien, ein Staat mit 210 Millionen Einwohnern, ist derzeit einer der Brennpunkte der Corona-Pandemie. Rio de Janeiro ist einer der am meisten betroffenen Bundesstaaten. Australiens Grenzen sind seit März 2020 für Reisende geschlossen – und das wird auch noch eine Weile so bleiben. Das Land wird seine Grenzen aller Voraussicht nach in diesem Jahr nicht mehr für Reisende öffnen. In China stagniert die Zahl der Corona-Neuinfektionen. Für die letzten 24 Stunden meldet die Gesundheitsbehörde in Peking 109 neue Covid-19-Fälle.

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