Der Inzidenzwert bei den Neuinfektionen in Deutschland hat erneut einen neuen Höchstwert erreicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Morgen mit 497,1 an. Der bisherige Höchstwert von 470,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche war am Freitag gemeldet worden. Am Samstag vergangener Woche hatte die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 335,9 gelegen. Die Zahl der nachgewiesenen Neuinfektionen gibt das RKI mit 78.022 an. Am Vortag war mit 92.223 Fällen ein neuer bundesweiter Tageshöchstwert erreicht worden. Wie das RKI unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter weiter mitteilt, wurden 235 neue Todesfälle gezählt. Hamburg und Nordrhein-Westfalen verzeichnen einen neuen Tageshöchstwert an Neuinfektionen. Die Ansteckungsrate (7-Tage-R-Wert) wird vom Robert-Koch-Institut (RKI) mit 1,2 angegeben (Vortag: 1,14). Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis dringt auf eine bessere Erfassung von Corona-Patienten in Krankenhäusern. “Besonders dramatisch kann in Deutschland die Lage auf den Normalstationen werden, wenn die Fallzahlen weiterhin so durch die Decke gehen”, sagt der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) der “Rheinischen Post”. “Wir brauchen endlich ein Monitoring, das wie das Intensivregister zuverlässig die mit Corona infizierten Krankenhauspatienten erfasst. Bislang ist das ein nicht hinnehmbarer Blindflug, den wir uns nicht länger leisten können.” Die Corona-Inzidenz in Thüringen ist auf den bundesweit niedrigsten Wert gesunken. Die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen je 100.000 Einwohner liegt am heutigen Samstag bei 218,5 (Vortag: 228,4), wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt. In Sachsen, das am Freitag noch geringere Infektionszahlen hatte, steigt die Inzidenz leicht auf 228,7 nach 225,2 am Vortag an. Die Thüringer Gesundheitsämter meldeten dem RKI 616 neue Corona-Infektionen. Außerdem wurden 16 weitere Todesfälle registriert. Omikron hat die deutsche Hauptstadt nun voll erwischt: In der RKI-Liste der Kreise mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz überholen gleich zwei Berliner Bezirke den bisherigen Spitzenreiter Bremen. Die bundesweit am schwersten betroffene Region ist demnach aktuell Friedrichshain-Kreuzberg mit einer Inzidenz von 1586,6, gefolgt von Neukölln (Inzidenz 1488,5). Während zwei Berliner Bezirke die Hotspot-Liste anführen, verzeichnet Marzahn-Hellersdorf eine auffällig niedrige Inzidenz. “Aufgrund einer technischen Störung können aus Marzahn-Hellersdorf aktuell keine Daten übermittelt werden”, heißt es offiziell. Beim RKI taucht der Bezirk mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 63,5 auf, was der bundesweit niedrigste Wert wäre. Im Lagebericht des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales wird Marzahn-Hellersdorf aktuell noch mit dem Stand vom 7. Januar (141,9) geführt, was ebenfalls ein vergleichsweise sehr niedriger Wert wäre. Wie das “Berliner Abendblatt” berichtet, hätten die Zahlenmengen die Datenbank des Bezirksamts überfordert, was die Ursache für das technische Problem sei. Bei den Infektionsfällen wird die Omikron-Variante die Delta-Variante nach Worten des Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, in wenigen Tagen vollständig verdrängt haben. Durch die Masse an Infektionen müsse man sich darauf einstellen, dass die Zahlen der Krankenhauseinweisungen und der Todesfälle wieder steigen würden, sagt Wieler. Bisher hätten die Todesfälle noch nicht wieder zugenommen: “Das wird sich aber ändern.”
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnt vor einer Durchseuchung mit dem Coronavirus. Man müsse die durch die Omikron-Variante verursachte Welle verlangsamen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, so Lauterbach. “Ich warne vor dem Gedanken, dass wir in Deutschland eine Durchseuchung akzeptieren können. Die Zahl der Opfer, die wir dann beklagen müssten, ist ungewiss, ist sicherlich zu hoch. Es würde auch nicht dazu führen, dass wir danach einen Schutz vor weiteren Varianten hätten”, sagt Lauterbach. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht ein Ende der Pandemie kommen. Es gebe die Möglichkeit, die Pandemie in Deutschland in diesem Jahr zu beenden, sagt Lauterbach im Bundesrat. Nun müsse diese Möglichkeit auch genutzt werden. Nicht jedes Land sei dazu in der Lage. “Wir sind privilegiert”, sagt der SPD-Politiker. Die Virusvariante Omikron könnte dem von der Bundesregierung berufenen Corona-Experten Lars Kaderali zufolge der Anfang vom Ende der Pandemie in Deutschland sein. “Ich würde das tatsächlich so sehen, dass Omikron die Tür sein könnte”, sagt der Greifswalder Bioinformatiker der Deutschen Presse-Agentur. Einen lockereren Umgang mit dem Coronavirus, wie er in Spanien erwogen wird, hält er hierzulande nicht für ratsam. “Selbst wenn das in Spanien gut gehen sollte, kann man daraus nicht rückschließen, dass das eine gute Strategie für Deutschland wäre.” Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte in einem Radiointerview erklärt, man müsse berücksichtigen, dass Covid-19 sich von einer Pandemie zu einer endemischen Krankheit entwickle. Experten arbeiteten “seit Wochen” daran, Covid-19 etwa wie eine Grippe zu behandeln. Angedacht ist demnach eine Lockerung der Überwachung der Infektionen zur Entlastung des überforderten Gesundheitswesens. Spanien habe eine deutlich höhere Impfquote und eine deutlich höhere Zahl an durchgemachten Infektionen. “Das heißt, Spanien ist näher an dieser endemischen Situation”, sagt Kaderali. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hält die Anti-Corona-Maßnahmen aktuell für ausreichend. Sorge bereite ihm aber, dass die vereinbarte 2G-plus-Regelung nicht überall umgesetzt werde und nach seinem Eindruck die Kontrollen nicht ausreichten. “Lockerungen kann man zum derzeitigen Zeitpunkt ausschließen”, fügt der SPD-Politiker hinzu. Wenn die Fallzahlen deutlich steigen sollten und eine Überlastung der medizinischen Versorgung zu erwarten wäre, “dann muss natürlich mit anderen Maßnahmen gegengesteuert werden”. Die neuen Quarantäneregeln für Corona-Infizierte und Kontaktpersonen können in Kraft treten. Nach dem Bundestag stimmt auch der Bundesrat einer Verordnung zu, die dafür einen rechtlichen Rahmen schafft. Sie sieht unter anderem vor, dass sich dreifach geimpfte Kontaktpersonen von Infizierten nicht mehr in Quarantäne begeben müssen. Außerdem werden damit kürzere Quarantänezeiten im Fall von Infektionen ermöglicht, um bei stark steigenden Infektionszahlen den personellen Zusammenbruch wichtiger Versorgungsbereiche zu verhindern. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen in Baden-Württemberg über 500 gestiegen ist, treten dort schärfere Maßnahmen in Kraft. Von dem heutigen Samstag an gelten deshalb in einigen Kreisen und Regionen wieder Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte. So verkündeten bereits gestern unter anderem die Städte Mannheim, Karlsruhe, Heidelberg und Ulm sowie die Landkreise Ravensburg, Biberach, Rastatt, Waldshut und Schwarzwald-Baar, dass Ausgangsbeschränkungen zwischen 21.00 und 5.00 Uhr für Nichtgeimpfte und Nichtgenesene gelten werden. Ausnahmen gibt es, wenn triftige Gründe vorliegen – wie Arbeit oder der Besuch von Lebenspartnern. Die neuen Quarantäneregeln für Corona-Infizierte und Kontaktpersonen gelten in Schleswig-Holstein von diesem Samstag an. Das Gesundheitsministerium habe einen entsprechenden Erlass herausgegeben, teilt ein Sprecher am Freitag mit. Auf dessen Basis können Kreise und kreisfreie Städte rechtlich maßgebliche Allgemeinverfügungen erlassen. Zuvor hatten Bundestag und Bundesrat eine entsprechende Verordnung gebilligt. Die neuen Regeln sehen vor, dass sich dreifach geimpfte Kontaktpersonen von Corona-Infizierten nicht mehr in Quarantäne begeben müssen. Das gilt auch für frisch doppelt Geimpfte oder frisch Genesene. Außerdem werden kürzere Quarantänezeiten im Fall von Infektionen ermöglicht, um bei stark steigenden Infektionszahlen den personellen Zusammenbruch wichtiger Versorgungsbereiche zu verhindern. Künftig können sich Infizierte oder Kontaktpersonen, die die Vorgaben für eine Quarantäne-Befreiung nicht erfüllen, nach sieben Tagen durch einen PCR-Test oder einen zertifizierten Antigen-Schnelltest freitesten. In den Gesundheitsämtern und weiteren Bereichen des öffentlichen Gesundheitsdienstes der Länder sind nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur im Zuge der Corona-Pandemie bisher mehr als 2000 Stellen neu geschaffen worden. Die Länder haben damit die zum 31. Dezember 2021 vereinbarten Vorgaben zum Stellenaufbau aus dem sogenannten Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst übertroffen. Der dpa liegen Rückmeldungen aus den zuständigen Ministerien und Verwaltungen von 14 der 16 Länder vor. Dort sind demnach insgesamt 2171 Stellen neu entstanden. Wegen der Corona-Pandemie hatten Bund und Länder 2020 den Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst beschlossen – mit dem Ziel, Personal vor allem in den rund 400 Gesundheitsämtern in Deutschland aufzustocken. In einem ersten Schritt sollten die Länder gerechnet ab dem 1. Februar 2020 bis zum 31. Dezember 2021 mindestens 1500 neue, unbefristete Vollzeitstellen im Gesundheitsdienst schaffen. Bis Ende 2022 sollen noch einmal 3500 Stellen dazukommen. Die stark gestiegenen Corona-Zahlen in Berlin beeinträchtigen nun auch das Nahverkehrsangebot. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) fahren ihr Busangebot von Mittwoch (19. Januar) an werktags um gut drei Prozent zurück, wie die BVG mitteilt. Hintergrund sei eine steigende Zahl von Krank- und Quarantänemeldungen. Am 24. Januar wird das Unternehmen sein Angebot nach eigenen Angaben vermutlich weiter anpassen. Angesichts der rasanten Ausbreitung von Omikron warnt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vor weiteren Lernlücken in den Schulen. Um dies zu verhindern, sollten betroffene Lehrer auch aus der Quarantäne heraus unterrichten, um den “Unterrichtsausfall möglichst gering zu halten”, sagt GEW-Chefin Maike Finnern der “Wirtschaftswoche”. Fraglich sei aber, ob die “technischen Voraussetzungen in der Schule überhaupt vorhanden sind” für einen solchen Hybridunterricht. Die GEW-Chefin forderte zudem Millioneninvestitionen für die Bereitstellung von Masken. Gerade jetzt sei das regelmäßige Wechseln wichtig, viele Kinder würden die Masken aber teils tagelang tragen. “Deshalb brauchen wir jetzt schnell einen gut gefüllten Sondertopf mit Geldern, aus denen ganz unbürokratisch und schnell etwa Mittel für Masken abgerufen werden können”, forderte Finnern.
Nach Schleswig-Holstein entscheidet sich auch das Bundesland Bremen, die Luca-App zur Rückverfolgung von Kontakten in der Corona-Pandemie zu kündigen. Das teilt Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) mit. “Der Einsatz der Luca-App hat im vergangenen Jahr bei der Kontaktnachverfolgung keinen großen Mehrwert gezeigt”, sagt sie. “In Bremen wurden nur wenige Abfragen durch das Gesundheitsamt vorgenommen, und somit hat sich das System für uns nicht bewährt.” Im kleinsten Bundesland hat das Gesundheitsamt den Angaben zufolge nur zehn Mal Daten abgefragt. Auch andere Länder überlegen einen Ausstieg aus der App.
RKI-Präsident Lothar Wieler kündigt an, dass sich die Teststrategie in den kommenden Monaten ändern wird. Wie Gesundheitsminister Karl Lauterbach sieht er keine große Notwendigkeit mehr, aufwändig die Verbreitung der nun dominanten Omikron-Variante nachzuweisen. Man könne bestimmte PCR-Tests also einsparen, und sie dort konzentrieren, wo sie besonders gebraucht würden, sagt Lauterbach. Wenn die Lage endemisch werde und das Virus weniger schwere Erkrankungen auslöse, müsse man dann ohnehin weniger testen, sagt Wieler. Gesundheitsminister Karl Lauterbach ordnet eine Priorisierung bei den PCR-Tests an. Vorrang soll das Personal in medizinischen Einrichtungen haben, sagt der SPD-Politiker in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Präsident Lothar Wieler und dem Virologen Christian Drosten.
Unternehmen haben bislang im Rahmen der neuen Überbrückungshilfe 4 seit dem Start des Programms vor einer Woche Zuschüsse im Umfang von 27,5 Millionen Euro beantragt. Die meisten Anträge kämen dabei aus den Bereichen Hotel und Gastronomie, teilt das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mit. Sie haben in vielen Fällen weiterhin mit hohen Einbußen wegen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Mit der Überbrückungshilfe 4 können sich Firmen, die einen Corona-bedingten Umsatzeinbruch nachweisen können, in den Monaten Januar bis März 2022 Fixkosten-Zuschüsse von monatlich bis zu zehn Millionen Euro sichern. Diese Gelder müssen nicht zurückgezahlt werden. Die ersten Abschlagszahlungen sollen in der nächsten Woche bei den Unternehmen ankommen.
Der designierte Generalsekretär der FDP, Bijan Djir-Sarai, kritisiert das Verhalten der Union im Streit um eine Corona-Impfpflicht scharf. “Anstatt sich mit eigenen Vorschlägen aktiv und sachlich in die Parlamentsarbeit einzubringen, wird auf Seiten der Union alles unternommen, dieses überaus wichtige Thema parteipolitisch auszuschlachten”, sagt Djir-Sarai der Deutschen Presse-Agentur. Dass die Union erst einen Antrag ankündige, diese Ankündigung dann wieder zurücknehme und auf einen Regierungsentwurf dränge, sei dem Ernst der Lage nicht angemessen. “Ich empfinde dieses Verhalten als zutiefst enttäuschend. Darüber hinaus frage ich mich, was es über die größte Oppositionsfraktion im Deutschen Bundestag aussagt, wenn diese sich offensichtlich nicht in der Lage sieht, an Gesetzesvorschlägen mitzuarbeiten”, sagt er. “Mein Appell an die Union ist einfach: Legen Sie die Scheuklappen ab, zeigen Sie Selbstbewusstsein als Parlamentarier und tragen Sie konstruktiv zur Meinungsbildung im Deutschen Bundestag bei.” Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hält die Durchsetzung einer allgemeinen Impfpflicht gegen das Coronavirus in den Kommunen für eine Leichtigkeit. “Es gibt kein Umsetzungsproblem. Jede Kommune in Deutschland ist über ihre Bußgeldstelle und Einwohnermelderegister in der Lage das umzusetzen”, sagt der Grünen-Politiker. Das gehe innerhalb weniger Wochen – auch ohne Impfregister. Wenn etwa FDP-Politiker oder andere Impfgegner behaupteten, es sei schwierig, eine solche Pflicht umzusetzen, sei das vorgeschoben. “Die Umstandskrämerei ist ein reiner Vorwand”, sagt Palmer, der für eine rasche Impfpflicht eintritt. “Wer etwas nicht will, sucht Probleme. Wer etwas will, sucht Lösungen.” Sollte der Bundestag die Impfpflicht samt einem Bußgeld von etwa 5000 Euro beschließen, könnten die Kommunen einen Auszug aus den elektronisch geführten Einwohnermeldedateien erstellen und alle Bürger über 18 Jahren anschreiben. Menschen, die sich gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, bekommen nach Angaben der Ärztekammer in Hamburg jetzt auch kurzfristig einen Termin. Oft sei eine Impfung noch am selben Tag möglich, sagte Ärztekammerpräsident Pedram Emami am Freitag. “Nutzen Sie diese Gelegenheit.” Allein an diesem Wochenende gebe es bei 14 Impfstellen zudem die Möglichkeit, sich auch ohne Termin impfen zu lassen. Besonders die Auffrischungsimpfung biete einen guten Schutz dagegen, schwer an der Omikron-Variante zu erkranken. Aber auch die erste oder zweite Impfung reduziere die Gefahr schwerer Erkrankungen deutlich. “Wir sollten alles tun, um uns möglichst gut zu schützen und um das Gesundheitssystem zu entlasten. Und dafür ist die Impfung der wichtigste Baustein”, betonte Emami. Der Impfstoff von Novavax wird nach Angaben von Gesundheitsminister Karl Lauterbach am 21. Februar in Deutschland verfügbar sein. Die Firma habe am Donnerstag zunächst die Lieferung von 1,75 Millionen Impfdosen zugesagt, sagt Lauterbach. Weitere 3,25 Millionen seien gekauft. “Ich kann nicht sagen, wann sie geliefert werden.” Er hoffe aber, dass dies noch im Februar der Fall sein werde. Der Virologe Christian Drosten warnt, schon jetzt auf eine Durchseuchung der Bevölkerung in Deutschland zu setzen. Drei Millionen Menschen über 60 Jahren seien noch nicht geimpft, fast neun Millionen nicht geboostert und damit nicht vollständig gegen die Omikron-Virus-Variante geschützt, sagt er. Aber irgendwann müsse man das Virus “laufen lassen”, weil man die Bevölkerung nicht immer wieder nachimpfen könne. Die Bundesregierung hält nach Angaben einer Regierungssprecherin am Ziel fest, bis Ende Januar eine Quote an Erstimpfungen von 80 Prozent zu erreichen. Dies sei ein sehr ehrgeiziges Ziel, an dem man mit Hochdruck arbeite, sagt die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann. “Wir haben noch etwas Zeit.” Zuvor hatte Gesundheitsminister Karl Lauterbach Zweifel geäußert, ob das Ziel noch erreichbar sein. Eine Booster-Impfung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson schützt einer Studie zufolge vor einem schweren Verlauf bei einer Infektion mit der Omikron-Variante. Die Auffrischungsimpfung mit dem Vakzin habe eine Wirksamkeit von 85 Prozent bei der Verhinderung einer Einweisung ins Krankenhaus für eine Dauer von ein bis zwei Monaten, heißt es in einer Studie der südafrikanischen Forschungsorganisation SAMRC. Für die Studie habe man medizinisches Fachpersonal untersucht, dass sich in der vierten Corona-Welle in Südafrika mit Omikron angesteckt habe. Das deutsche Impftempo kommt in der zweiten Woche des neuen Jahres in Schwung. Die tägliche Impfleistung stieg zuletzt auf 734.061 eingesetzte Impfdosen. Davon entfielen rund 50.600 auf Erstimpfungen und rund 572.900 auf Booster-Impfungen. Die Impfquote der mindestens einmal Geimpften steigt von 74,8 auf 74,9 Prozent: Knapp 62,289 Millionen Menschen in Deutschland haben sich für die Corona-Schutzimpfung entschieden. 60,272 Millionen davon sind bereits grundimmunisiert. Die Quote der Komplettgeimpften steigt damit von zuletzt 72,3 auf 72,5 Prozent. Rund 38,157 Millionen Menschen haben sich bereits eine Auffrischungsimpfung gesichert: Die Booster-Impfquote steigt von 45,1 auf 45,9 Prozent.
In Niedersachsen soll künftig landesweit eine FFP2-Maskenpflicht bei Demonstrationen gelten. Die Regelung für Versammlungen unter freiem Himmel solle mit der neuen Corona-Verordnung am Samstag in Kraft treten und auch für die unangemeldeten Corona-Proteste gelten, die als Spaziergänge bekannt geworden sind, kündigt eine Regierungssprecherin an. In vielen Orten sei die FFP2-Maskenpflicht schon per Allgemeinverfügung vorgegeben worden. Die landesweite Regelung solle nun für mehr Klarheit und eine noch größere Verbreitung sorgen.
Die EU-Kommissarin für internationale Partnerschaften, Jutta Urpilainen, äußert die Hoffnung, im Kampf gegen die Pandemie auch ohne Impfpflicht eine hohe Impfquote zu erreichen. “Ich denke und hoffe, dass immer mehr Menschen bereit sind, sich impfen zu lassen, damit es nicht nötig ist, zu einer Pflichtimpfung überzugehen, sagt sie der Funke Mediengruppe. ”Wir müssen die gesamte Weltbevölkerung impfen, um die Pandemie zu beenden“, betont Urpilainen. Wegen eines deutlichen Rückgangs der täglichen Corona-Fälle will der britische Landesteil Wales seine Einschränkungen wieder lockern. Die Maßnahmen hätten geholfen, durch den ”Omikron-Sturm“ zu kommen, sagt der walisische Regierungschef Mark Drakeford mit Blick auf die besonders ansteckende Variante des Virus in Cardiff. Von diesem Samstag an können bei Outdoor-Events wie Sportveranstaltungen nun statt 50 wieder 500 Zuschauer dabei sein, vom 21. Januar an sollen dann draußen auch wieder voll besetzte Ränge erlaubt sein. Ende des Monats dürfen Nachtclubs und die Gastronomie normal öffnen, müssen allerdings weiterhin Impf- oder Testnachweise kontrollieren. Der niederländischeMinisterpräsident Mark Rutte kündigt trotz rekordhoher Infektionszahlen eine Lockerung der Corona-Beschränkungen an. Von Samstag an dürften Geschäfte jenseits des Grundbedarfs sowie Friseursalons und Kosmetikstudios erstmals wieder seit Mitte Dezember öffnen – allerdings unter strengen Auflagen und nur bis 17.00 Uhr. Bars, Restaurants und Museen würden bis mindestens 25. Januar geschlossen bleiben. Trotz des Lockdowns öffnen Unternehmer in der niederländischen Kleinstadt Valkenburg ihre Gaststätten und Geschäfte. Die Unternehmer protestieren mit dieser Aktion gegen die harten Corona-Maßnahmen. Bürgermeister Daan Prevoo stuft den Protest als Demonstration ein. ”Demonstrieren ist ein Grundrecht“, sagt er dem TV-Sender WNL. Daher werde die Polizei nicht eingreifen. Der Widerstand gegen den Lockdown nimmt auch daher zu, weil in manchen Nachbarländern das öffentliche Leben trotz der Maßnahmen weitgehend normal verläuft. In Italien steigt die Zahl der registrierten Neuinfektionen auf 186.253 nach 184.615 am Donnerstag. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle erhöht sich auf 360 von zuvor 316. Italien verzeichnet damit etwa doppelt so viele tägliche Neuinfektionen wie Deutschland, während die Einwohnerzahl mit knapp 60 Millionen rund ein Viertel niedriger ist als in der Bundesrepublik. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Italien steigt weiter an. Stand Donnerstag verzeichneten die Behörden in den zurückliegenden sieben Tagen landesweit durchschnittlich 1988 Corona-Infektionen je 100.000 Einwohner, wie das Oberste Gesundheitsinstitut ISS unter Berufung auf Daten des Gesundheitsministeriums mitteilt. Eine Woche zuvor lag der Wert noch bei 1669 Fällen. Seit Weihnachten zeigt der Trend, dass immer mehr Covid-19-Patienten Betten in den Krankenhäusern belegen. Für die Intensivstationen gibt das ISS den italienweiten Anteil mit 17,5 Prozent an. Damit liegt der Wert aber noch unter der Alarm-Schwelle von 30 Prozent. Die Fallzahlen befinden sich derzeit auf Rekordniveau. Am Donnerstagabend meldeten die Behörden rund 184.600 Neuinfektionen und 316 Tote mit dem Virus binnen eines Tages. In Großbritannienverzeichnen die Behörden 99.652 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Damit sinkt die Summe der Neuinfektionen der jeweils zurückliegenden sieben Tage um 29,5 Prozent. 270 Menschen starben, die innerhalb der vergangenen 28 Tage positiv auf das Virus getestet worden waren. Die Summe der Todesfälle der zurückliegenden sieben Tage steigt nach den grassierenden Neuinfektionen der vergangenen Wochen um 67 Prozent. In Polen führt der Streit um die staatliche Corona-Politik zu einem offenen Eklat im medizinischen Beratergremium der Regierung. Aus Protest gegen den zunehmenden Einfluss von Impfgegnern verlassen 13 von 17 Mitgliedern den Medizinischen Rat. Die Experten begründen dies in einem Schreiben an Ministerpräsident Mateusz Morawiecki mit einem ”mangelnden Einfluss“ ihrer Empfehlungen. ”Gleichzeitig haben wir beobachtet, dass es eine wachsende Toleranz für Gruppen gibt, die die Bedrohung durch Covid-19 und die Bedeutung von Impfungen im Kampf gegen die Pandemie verneinen.“ Die Opposition wirft der nationalkonservativen PiS-Regierung schon länger vor, angesichts einer vergleichsweise geringen Impfquote drastische Maßnahmen zu vermeiden, um Impfgegner in den eigenen Reihen nicht zu verprellen. So fehlt beispielsweise weiterhin eine rechtliche Grundlage dafür, dass Betreiber von Restaurants, Hotels und Geschäften den Impfstatus ihrer Kunden abfragen können. Die Bundesregierung stuft das Nachbarland Österreich wegen hoher Corona-Infektionszahlen von Sonntag an erneut als Hochrisikogebiet ein. Ausgenommen davon sind die Gemeinden Mittelberg und Jungholz sowie das Rißtal im Gemeindebiet von Vomp sowie Eben am Achensee. Das teilt das Robert-Koch-Institut mit. Damit werden dann alle neun Nachbarländer Deutschlands auf der Risikoliste stehen. Dänemark, Polen, Tschechien, die Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande sind schon seit längerem als Hochrisikogebiete ausgewiesen. Neben Österreich kommen mehr als 30 andere Länder auf die Liste, viele davon in Afrika und in der Karibik. Die französische Nationalversammlung stimmt in zweiter Lesung für die Einführung eines neuen Corona-Impfpasses. Er soll den bisher geltenden Gesundheitspass ersetzen und entspricht der deutschen 2G-Regel. Künftig ist auch in Frankreich der Nachweis einer Corona-Impfung oder einer Genesung per QR-Code notwendig, um Einkaufszentren, Cafés, Restaurants oder kulturelle Veranstaltungen besuchen zu können. Ein negativer Test reicht dann nicht mehr aus. Nach einem massiven Lehrerstreik verspricht die französische Regierung FFP2-Masken für Vorschullehrer und mehr Aushilfspersonal. Fünf Millionen FFP2-Masken zum Schutz vor dem Coronavirus sollten demnächst ausgegeben werden, kündigt Bildungsminister Jean-Michel Blanquer nach einem dreieinhalbstündigen Treffen mit Premierminister Jean Castex und Vertretern der Lehrergewerkschaften an. Die Betroffenen begrüßten die Ankündigungen. ”Wir haben also nicht umsonst gestreikt”, sagt die Gewerkschaftsvertreterin Guislaine David. Die FFP2-Masken sollen in erster Linie an Lehrer in den Vorschulen ausgegeben werden, wo Kinder zwischen drei und fünf Jahren keine Masken tragen müssen.
Weltweit haben sich bislang rund 320,15 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. Das ergibt eine Reuters-Erhebung auf Basis offizieller Daten. Über 5,87 Millionen Menschen starben mit oder an dem Virus, das erstmals im Dezember 2019 im chinesischen Wuhan nachgewiesen wurde. Die meisten Infektions- und Totenzahlen weisen die USA auf. Bei den Ansteckungen folgen Indien und Brasilien. Brasilien beginnt mit der Impfung von Kindern – trotz Drohungen von Staatschef Jair Bolsonaro. Der achtjährige indigene Junge Davi Seremramiwe Xavante erhielt bei einer Zeremonie in einem Krankenhaus in São Paulo in Anwesenheit von Gouverneur João Doria die erste Spritze. Die Gesundheitsbehörde Anvisa hatte vor einem Monat grünes Licht für die Impfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren erteilt. Ungeachtet eines rasanten Anstiegs von Infektionsfällen in Indien sind Tausende Hindus am Freitag zum Ganges gepilgert, um an dem Pilgerfest Gangasar Mela teilzunehmen und ein rituelles Bad in dem Fluss zu nehmen. Trotz der Omikron-Welle hatte ein Gericht in Kolkata ein Verbot des Festes vor wenigen Tagen abgelehnt. Die meisten Pilger trugen keine Masken. Insgesamt wurden am Freitag bis zu drei Millionen Pilger erwartet. Seit dem Morgengrauen gebe es ein “Meer von Menschen”, schildert ein Regierungsbeamter. Chinas überaus strenge Corona-Maßnahmen sind bekannt. Recherchen von RTL und Stern zeigen nun: Mindestens seit November 2021 betreibt die Volksrepublik spezielle Containerlager, in denen Infizierte festgehalten werden. Die Staatsführung schweigt, indes gibt es Berichte über zu wenig Essen. Rund 500.000 Israelis über 60 Jahre haben bereits die vierte Impfung gegen das Coronavirus erhalten. “Israels bahnbrechende Impfkampagne hat einen weiteren Meilenstein erreicht”, sagt Ministerpräsident Naftali laut einer Mitteilung seines Büros. Israel verabreicht seit zwei Wochen vierte Impfungen. Derzeit erhalten Menschen mit Immunschwäche, Menschen ab 60 Jahren und medizinisches sowie Pflegepersonal für Senioren den zweiten Booster. Aktuell gelten nach Angaben des Gesundheitsministeriums noch rund 62 Prozent der 9,4 Millionen Israelis als vollständig geimpft. Die Zahl der täglich registrierten Neuinfektionen steigt rasant an: Am Donnerstagabend wurden 48.311 Fälle gemeldet.
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