NACHRICHTEN AUS DER CORONA-PANDEMIE (CDXXXVIII)

Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 19.572 Neuinfektionen gemeldet, 8054 Fälle mehr als am vergangenen Freitag. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 95,1 von 85,6 am Vortag. 116 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Die Zahl der freien Betten auf Intensivstationen, für die auch Personal vorhanden ist, nimmt weiter ab. Aktuell sinkt der Anteil spürbar von 14,3 auf 13,7 Prozent. 21.514 Betten sind belegt, das sind 113 mehr als am Vortag. Davon geht mehr als die Hälfte auf Covid-Patienten zurück. 1541 von ihnen müssen aktuell intensivmedizinisch betreut werden. Das sind 59 mehr als am Vortag. 846 dieser Patienten müssen zudem beatmet werden. Auch hier gibt es 30 Patienten mehr als am Vortag. Vor einer Woche mussten 767 Covid-Patienten beatmet werden. Das ist ein Anstieg von mehr als zehn Prozent. Intensivmediziner schlagen Alarm, weil mangels Pflegepersonals viele Intensivbetten nicht mehr betrieben werden könnten. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) teilt mit, es sei in der kommenden Zeit “mit einer spürbaren Einschränkung in der Versorgung der Bevölkerung zu rechnen”. Derzeit seien 22.207 Intensivbetten als betreibbar gemeldet, zu Jahresbeginn seien es 26.475 gewesen. Die vergangenen Monate hätten zu einer Verschlechterung der Stimmung und zu weiteren Kündigungen von Stammpflegekräften geführt, so die Divi.

Die neue Mutante der Corona-Variante Delta ist auch in Deutschland bereits gefunden worden. Das Virus namens AY.4.2 weise zwei zusätzliche Mutationen auf, teilte die WHO mit. Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtete auf Anfrage, dass die Subvariante von Delta seit der Woche vom 5. bis 11. Juli circa 280 Mal in Deutschland nachgewiesen worden sei. Es wird jedoch nur ein kleiner Teil der Corona-Proben auf Virenvarianten geprüft. Der Anteil von AY.4.2 an allen Gesamtgenomsequenzen habe seit jener Woche in der Stichprobe des RKI zwischen 0 und 0,5 Prozent gelegen. Die Verbreitung ist damit noch sehr gering.

Das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg hat nach 13 Corona-Infektionen binnen weniger Tage bei Mitarbeitern eine Tagesklinik und eine Station der Psychiatrie bis Ende Oktober geschlossen. Für die Psychiatrie sei außerdem ein Besuchsstopp verhängt worden, teilte das Klinikum mit. Die Ursache für den Ausbruch sei bisher nicht bekannt. Umfangreiche Testungen von Kontaktpersonen liefen noch. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt seien Quarantänemaßnahmen angeordnet worden. Wie es weiter hieß, werden derzeit im Bonhoeffer-Klinikum vier Patienten mit Covid-19 behandelt, davon zwei auf der Intensivstation.

Kliniken in Nordrhein-Westfalen beobachten derzeit eine hohe Zahl an Kindern, die mit Atemwegserkrankungen in den Krankenhäusern behandelt werden. “Im ganzen Ruhrgebiet sind wir hier am Anschlag”, berichtet Dominik Schneider, der Direktor der Dortmunder Kinderklinik. Auch Kliniken in Münster, Düsseldorf, Duisburg und Köln beobachten eine frühe und starke Krankheitswelle. Diese habe mit den ersten Fällen an der Uniklinik in Köln bereits im August eingesetzt, sagt Jörg Dötsch, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln. Nach zwei Wochen Herbstferien geht am kommenden Montag in Hessen wieder die Schule los. Aus Sorge vor steigenden Corona-Zahlen kündigt das Kultusministerium zwei Präventionswochen mit mehr Tests und verschärfter Maskenpflicht an. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass Kinder eine Corona-Infektion aus dem Urlaub an der Schule weiterverbreiten. Vom 25. Oktober bis 5. November müssen die Schülerinnen und Schüler auch im Unterricht am Platz eine Maske tragen. Außerdem müssen alle nicht geimpften Kinder und Jugendlichen für die Teilnahme am Präsenzunterricht drei- statt zweimal pro Woche einen negativen Test nachweisen. Dieser Corona-Test kann weiterhin kostenfrei in der Schule gemacht werden. Vor dem Start der Herbstferien zeigt sich die Thüringer GEW-Vorsitzende Kathrin Vitzthum mit Blick auf die Zeit danach besorgt. “Wir sehen die Schulen nicht wirklich gut für die immer noch vorhandene Pandemie aufgestellt”, sagt Vitzthum. Das zeigen vor allem die deutlich gestiegenen Inzidenzen bei Kindern. Es sei zu wenig, dass es ein verbindliches Testangebot und keine richtige Testpflicht geben soll. “Infektionen erkennt man eben, wenn regelmäßig getestet wird”, so Vitzthum. Das Kabinett hatte am Dienstag beschlossen, dass nach den Ferien an allen Thüringer Schulen die Warnstufe zwei gelten soll. Damit wird es ein Testangebot zweimal wöchentlich für die Schüler geben, die nicht geimpft oder genesen sind. Wer sich nicht testen lässt, soll in separaten Lerngruppen und nicht im Klassenverband unterrichtet werden. Der Grundschulverband befürwortet angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen Schutzmaßnahmen auch in den kommenden Wochen. “Die Testung von Kindern und Schulpersonal muss bis auf Weiteres fortgeführt werden”, sagte der Verbandsvorsitzende Edgar Bohn den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Ein Ende der Maskenpflicht im Unterricht sei zwar aus pädagogischer Sicht sinnvoll an den Grundschulen, aber in der aktuellen Situation “nur dann vertretbar, wenn dies mit flankierenden Maßnahmen abgesichert wird”. Bohn fordert insbesondere den Einsatz von Raumluftanlagen.

Nach der Wiedereröffnung des Berliner Techno-Clubs Berghain Anfang Oktober sind weitere Corona-Infektionen bekannt geworden. Dem Gesundheitsamt des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg seien neue Fälle im “einstelligen Bereich” bekannt, sagte eine Behördensprecherin. Die Betroffenen lebten in Friedrichhain-Kreuzberg sowie zwei weiteren Berliner Bezirken. Nach Angaben der Sprecherin wurden bislang rund 3300 Menschen per Mail kontaktiert, und zwar mit Hilfe der Anwesenheitsliste. Die betroffenen Personen haben laut Bezirksamt am 10. Oktober das Berghain besucht. Bereits nach der ersten Clubnacht im Berghain Anfang Oktober war ein Corona-Ausbruch mit 19 Infektionen bekannt geworden. Es galt die 2-G-Regel, nach der die Gäste genesen oder geimpft sein müssen. Der Anteil der positiv getesteten Proben unter den in den Laboren durchgeführten PCR-Tests lag in der 41. Kalenderwoche (11.10 bis 17.10) bei 8,29 Prozent und steigt damit leicht an. In der KW 40 (4.10. bis 10.10.) waren es noch 6,55 Prozent. Die Zahl der Tests ist in KW41 im Vergleich zu KW40 deutlich gesunken. Von – nach aktuellen Daten – 949.024 auf 832.509. Die Tatsache, dass die Positivenquote anzieht im Vorwochenvergleich ist ein schlechtes Zeichen, da eine steigende Positivenquote bei sinkender Testzahl als Indiz für eine hohe Dunkelziffer unerkannter Coronafälle gilt. Nach der festgestellten Verunreinigung einer Testlösung sind alle Corona-Tests mit der Marke „Deepblue“ an den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns ausgesetzt worden. Wie eine Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) in Rostock sagte, gehen Fachleute dort Hinweisen aus einem privaten Labor nach. Dieses habe zwei verschiedene Bakterien-Arten in einem der Tests nachgewiesen, darunter das Darmbakterium e coli. Es würden zudem mehrere Stichproben unterschiedlicher Chargen des in Rede stehenden Tests untersucht. Mit den Ergebnissen der Laboruntersuchungen im Lagus sei am Freitag zu rechnen.

In Niedersachsen wird seit Jahresbeginn bereits in mehr als hundert Fällen wegen gefälschter Impfpässe ermittelt. Die Fallzahlen seien kontinuierlich und zuletzt sprunghaft angestiegen, teilt das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen mit. “Impfausweise sind relativ einfach zu fälschen, aus diesem Grund ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen”, sagt eine LKA-Sprecherin. Pro Ermittlungsfall könne es um eine größere Zahl von Fälschungen gehen. Zumeist werden die kriminellen Machenschaften bemerkt, wenn Personen versuchen, mit den gefälschten Pässen in einer Apotheke einen digitalen Impfnachweis zu erhalten. Ungeimpfte haben es seit kurzem im Alltag deutlich schwerer. So können Restaurants oder Theater den Zutritt nur für Geimpfte und Genesene (2G) erlauben. Seit dem 11. Oktober sind die Schnelltests in den Testzentren für die meisten Menschen darüber hinaus nicht mehr kostenlos. Der niedersächsische Verfassungsschutzpräsident Bernhard Witthaut warnt vor weiteren Gewalttaten aus dem Kreis der Corona-Leugner und sogenannten Querdenker.Im Gespräch mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung” sagt er: “Die Zeit der großen Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen scheint zwar vorbei zu sein. Aber gerade im Internet ist zu beobachten, wie Äußerungen immer radikaler werden.” Mittlerweile werde offen zum Umsturz aufgerufen. “Die fortschreitende Radikalisierung von Teilen der Bewegung birgt Gefahren”, betont der Verfassungsschutzpräsident. Aus dem irregeleiteten Weltbild heraus könnten sich auch künftig Menschen berufen fühlen, zu extremen Mitteln zu greifen. Witthaut verweist auf die tödliche Attacke auf einen Tankstellen-Mitarbeiter in Idar-Oberstein. In Bremen schlägt und tritt ein Maskenverweigerer einen 67-jährigen Mitarbeiter einer Tankstelle nach einem Streit. Wie die Polizei in der Hansestadt mitteilt, muss das Opfer danach ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden. Der 21-jährige mutmaßliche Täter entfernt sich, kehrt jedoch kurz darauf in die Tankstelle zurück und stellt sich dort der Polizei. Nach Angaben der Beamten betankt der junge Mann an der Tankstelle im Bremer Stadtteil Gröpelingen sein Auto und betritt dann ohne Maske den Verkaufsraum. Als ihn der Mitarbeiter auf die Maskenpflicht hinweist, kommt es zum Streit.

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland könnten nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) in der kommenden Zeit dynamisch anwachsen. “Es ist damit zu rechnen, dass sich im weiteren Verlauf des Herbstes und Winters der Anstieg der Fallzahlen noch beschleunigen wird”, schreibt das Institut in seinem neuen Wochenbericht zur Pandemie. Hingewiesen wird darin auch auf einen deutlichen Anstieg bei den übermittelten Ausbrüchen in medizinischen Einrichtungen sowie in Alten- und Pflegeheimen. Erstmals seit der Woche vom 3. bis 9. Mai sei die Sieben-Tage-Inzidenz bei Menschen über 90 Jahre vergangene Woche wieder auf über 50 gestiegen, hieß es. “Insbesondere bei jetzt deutlich steigenden Fallzahlen sollte unabhängig vom Impf-, Genesenen- oder Teststatus das grundsätzliche Infektionsrisiko und der eigene Beitrag zur Verbreitung von Sars-Cov2 reduziert werden”, appellierte das RKI. Der Hamburger Senat will heute eine neue Corona-Eindämmungsverordnung veröffentlichen. Sie sieht unter anderem eine Ausweitung des sogenannten 2G-Optionsmodells auf den Handel und körpernahe Dienstleistungen vor, wie im Anschluss an die letzte Senatssitzung mitgeteilt wird. Einzelhändler und beispielsweise Friseure könne sich damit entscheiden, nach 2G nur noch Geimpfte und Genesene zu bedienen – dann entfallen Masken- und Abstandspflicht. Ausgenommen vom Optionsmodell werden Angebote des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Drogerien oder Apotheken. Dort sollen auch Ungeimpfte weiter einkaufen können. Die neue Verordnung wird am Samstag in Kraft treten und soll für vier Wochen gelten. Angesichts wieder steigender Infektionszahlen hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer von der CDU vor einem verfrühten Ende der Corona-Schutzvorkehrungen gewarnt. “Wer zu schnell in die Normalität möchte, verhindert sie möglicherweise”, sagte er am Rande der Jahrestagung der Regierungschefs der Länder in Königswinter bei Bonn. Es brauche ein gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern auch in den kommenden Monaten. “Ein Flickenteppich in Deutschland wäre schlecht.” Die Bundesländer wollen auf einen rechtssicheren Rahmen dringen, um Corona-Schutzmaßnahmen auch über den Herbst und Winter hinweg aufrechterhalten zu können. In einer Beschlussvorlage (Stand: 20. Oktober) auf die sich die Staatskanzleichefs geeinigt haben, wird der Bund aufgefordert, das sicherzustellen. Die Ministerpräsidenten kamen zu einem zweitägigen Treffen auf Schloss Drachenburg im nordrhein-westfälischen Königswinter zusammen. Das Papier zur epidemischen Lage soll morgen beraten werden und könnte dann auch noch in veränderter Fassung beschlossen werden. In der Vorlage erinnern die Ministerpräsidenten an ihren Beschluss vom 10. August, wonach die eingeübten Corona-Schutzstandards in Innenräumen – wie die sogenannte 3G-Regel, Maske, Abstand, Lüften – auch in den Herbst- und Wintermonaten grundsätzlich erforderlich seien. Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek fordert die Verlängerung der epidemischen Lage durch den Bundestag. Sonst “könnte das Infektionsschutzgesetz nicht mehr ohne weiteres angewendet werden”, sagte der CSU-Politiker der “Augsburger Allgemeinen”. Testnachweis- und Maskenpflicht hätten dann keine ausdrückliche Rechtsgrundlage mehr. “Das müssen wir unbedingt vermeiden – denn mit Blick auf möglicherweise steigende Infektionszahlen im Winter werden wir weiter Schutzmaßnahmen brauchen.” Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder warnt vor einem Auslaufen der epidemischen Lage auf Bundesebene. Wenn dies passiere, “gibt es de facto keine Rechtsgrundlage mehr – egal für was. Weder für das Testen in der Schule, noch für Masken, noch für ganz normale Ideen wie 3G plus, oder 2G oder 3G”, sagt er im Bayerischen Rundfunk. In diesem Moment sei dann “nicht einfach ‘Freedom Day’, sondern dann gibt es gar keine Möglichkeit mehr. Ein Stück weit ist die Gesellschaft dann auch wehrlos.” Dann müsste jeder einzelne für seinen Schutz sorgen. Söder sagt, man müsse nicht schon jetzt, vier Wochen im Voraus eine Prognose treffen. Die Zahlen steigen deutlich an und die Lage werde schwieriger. Er betonte, dass man eine “saubere, vernünftige Rechtsgrundlage” brauche um nicht wehrlos zu sein, wenn die Zahlen im Winter wieder stiegen.

Der Ökonom Joseph Stiglitz appelliert an die künftige Bundesregierung, sich als erstes für die Freigabe der Corona-Impfstoffpatente einzusetzen. Dies sei im Kampf gegen die Pandemie dringend nötig, um ärmeren Ländern Zugang zu Vakzinen zu verschaffen. “Leben zu retten, ist wichtiger als der Profit der Pharma-Industrie”, sagt Stiglitz der “Süddeutschen Zeitung”. Monopolartige Strukturen in der Pharmabranche verhinderten bisher, dass allen Ländern ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe. Stiglitz macht ein Missmanagement im Kampf gegen die Pandemie aus: “Wir haben nicht alles getan, was wir hätten tun können.” Reiche Länder sieht Stiglitz aus humanitären Gründen in der Pflicht, ärmeren Ländern zu helfen. Die Biontech/Pfizer-Impfung senkt laut einer Studie das Risiko einer Infektion mit der Delta-Variante des Corona-Virus bei Jugendlichen um 90 Prozent. Sie schütze zudem zu 93 Prozent vor einer Erkrankung mit Symptomen bei dieser Virus-Variante, wie eine Sprecherin der israelischen Krankenkasse Clalit bestätigte. Gemeinsam mit Forschern von der Harvard-Universität (USA) habe man Daten von 94.354 zweifach geimpften Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren ausgewertet, hieß es in einer Mitteilung. Diese seien mit Daten einer entsprechenden Anzahl ungeimpfter Jugendlicher verglichen worden. Die Ergebnisse sind im “New England Journal of Medicine” veröffentlicht worden. Gegen Covid-19 impfende Mediziner werden in der Pandemie laut der Berliner Ärztekammer zunehmend massiv angefeindet und mit Gewalt bis hin zum Mord bedroht. “Auch Angriffe auf impfende Gesundheitsfachkräfte gehören in immer mehr ärztlichen Praxen zum Alltag”, teilte die Berufsvertretung mit. Kammerpräsident Peter Bobbert sprach von einer “neuen Qualität von Hass, die zunehmend organisiert und konzertiert scheint”. Als mögliche Quelle der Aggressionen wurden Falschmeldungen in sozialen Medien genannt. Klinische Daten von Biontech zeigen, dass eine Booster-Impfung den Schutz vor Covid-19 wiederherstellt – sie erreicht in einer Studie 95,6 Prozent Wirksamkeit gegen Sars-Cov2. In der Studie mit mehr als 10.000 Teilnehmern, die zuvor alle zwei Dosen des Impfstoffs erhalten hatten, traten in der Gruppe, die die Booster-Impfung erhielt 5 Infektionsfälle auf, während in der Gruppe, die keine dritte Impfung erhielt, 109 Infektionen auftraten. Bei der deutschen Impfquote gibt es kleinere Bewegungen: Die einfache Impfquote, also der Anteil der mindestens einmal Geimpften, steigt von 68,9 auf 69,0 Prozent. Mittlerweile haben laut RKI rund 57,379 Millionen Menschen in Deutschland mindestens eine Impfspritze erhalten. Die harte Impfquote der Komplettgeimpften steigt ebenfalls um 0,1 Prozentpunkte von 65,9 auf 66,0 Prozent. Damit sind knapp zwei Drittel der Deutschen komplett geimpft. In absoluten Zahlen sind das laut offiziellem Impfquoten-Monitoring insgesamt 54,896 Millionen Menschen. Die wichtigste Bewegung betrifft allerdings die Auffrischungsimpfungen: Die Booster-Bemühungen nehmen Fahrt auf, die deutsche Impfkampagne erreicht hier mit 69.532 verabreichten Drittimpfungen einen neuen Höchststand. Damit erhielten am gestrigen Tag deutlich mehr Menschen ihre dritte Impfung, als sich Menschen erstmals impfen ließen (44.836). Die höchste einfache und harte Impfquote weist nach wie vor Bremen auf. Dort haben 80,6 Prozent der Menschen mindestens eine Impfung erhalten, bereits 77,4 Prozent der Bevölkerung hat den vollständigen Impfschutz. Sachsen bildet nach wie vor bei beiden Impfquoten (einfach: 58,6 Prozent, vollständig: 56,2 Prozent) das Schlusslicht. Sachsen fällt damit auf lange Sicht selbst hinter Thüringen (vorletzter Platz) immer deutlicher zurück. In der Altersgruppe der 12–17-Jährigen liegt dagegen Schleswig-Holstein deutlich vorn. Als einziges Bundesland ist hier bereits mehr als die Hälfte der Jugendlichen vollständig geimpft (53 Prozent). Auch hier liegt Sachsen am anderen Ende der Tabelle. Nur 24,1 Prozent dieser Altersgruppen besitzen den vollen Impfschutz.

Angesichts steigender Corona-Neuinfektionszahlen verschärft Estland die Gangart gegenüber Ungeimpften. Ab dem 25. Oktober gilt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens die 2G-Regel. Gastronomische Betriebe, Freizeit-, Kultur-, Unterhaltungs- und Sportstätten sind dann nur noch für Geimpfte und Genesene zugänglich. Zugleich wird die Maskenpflicht verstärkt: Einzelhändler und Dienstleister müssen sicherstellen, dass ihre Geschäftsräume nur noch mit Schutzmaske betreten werden. Das Bedecken von Mund und Nase mit einem Schal oder einem Tuch sei dabei nicht mehr zulässig. In dem Baltenstaat mit 1,2 Millionen Einwohnern sind gut 55 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen Corona geimpft. Die schwedischen Gesundheitsbehörden verlängern die Aussetzung des Covid-19-Impfstoff von Moderna bei jüngeren Menschen über den 1. Dezember hinaus. Wer bis 30 Jahre alt ist und sich impfen lassen will, soll stattdessen den Impfstoff von Biontech und Pfizer angeboten bekommen. Grund für die Aussetzung von Moderna sind selten auftretende Nebenwirkungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. So traten nach einer Moderna-Impfung verstärkt Myokarditis und Perikarditis – Herzmuskelentzündungen und Herzbeutelentzündungen – in der Altersgruppe auf. In Italien ist die Zahl der Krankschreibungen seit der Einführung des obligatorischen Corona-Gesundheitspasses stark angestiegen. Wie die Sozialversicherung mitteilte, wurden am vergangenen Freitag 94.113 Krankschreibungen von Ärzten ausgestellt – das entspricht einem Anstieg von über einem Viertel im Vergleich zur Vorwoche. Am Montag lag die Zahl der Krankschreibungen rund ein Fünftel höher. Seit vergangenem Freitag darf in Italien nur zur Arbeit erscheinen, wer den sogenannten Grünen Pass vorzeigen kann. Der meist digitale Pass bescheinigt, dass der Besitzer geimpft oder genesen ist oder negativ getestet wurde. Die Pflicht zum Vorzeigen am Arbeitsplatz hat auch zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der Corona-Schnelltests geführt. Angesichts dramatisch steigender Corona-Infektionszahlen gilt in Lettland seit heute wieder der Lockdown. Bis zum 15. November sind nur noch Geschäfte für den täglichen Bedarf geöffnet, auch Kinos, Theater und Konzerthallen bleiben geschlossen, Restaurants dürfen nur noch Gerichte zum Mitnehmen anbieten. Die meisten Arbeitnehmer müssen wieder im Homeoffice arbeiten, die meisten Schulen wechseln wieder in den Distanzunterricht. Von 20.00 Uhr bis 05.00 Uhr gilt zudem eine Ausgangssperre. Die EU-Behörde ECDC weist für Lettland aktuell die höchsten Infektionsraten in Europa aus. Die Gesundheitsbehörde in Riga vermeldete heute 2935 positive Tests binnen eines Tages. Damit wurden in den letzten 14 Tagen nach offiziellen Angaben rund 1463 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert – dies ist ein Rekordwert seit Beginn der Pandemie in dem Land. Angesichts immer neuer Höchststände bei den Corona-Zahlen in Russland sollen in der Hauptstadt Moskau Geschäfte und viele Freizeiteinrichtungen eine Woche lang schließen. Geöffnet bleiben sollen vom 28. Oktober bis 7. November aber Apotheken und Supermärkte, wie Bürgermeister Sergej Sobjanin in seinem Blog schrieb. Einkaufszentren, Kinos und Fitnessclubs bleiben demnach zu. Für diese Zeit gelten landesweit von Präsident Wladimir Putin verordnete arbeitsfreie Tage, um eine weitere schnelle Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Seit Wochen spitzt sich die Lage in Russland zu. Die Statistik wies heute mit 1036 Corona-Toten innerhalb eines Tages einen neuen Höchststand aus. Zudem gab es mehr als 36.300 Neuinfektionen – so viel wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Die dritte Pandemie-Welle in Polen gewinnt an Fahrt. Bis Anfang September verzeichnet der deutsche Nachbar kaum ernsthafte Zahlen von Neuinfektionen, dann beginnen die Zahlen langsam zu steigen. Spätestens seit einer guten Woche nehmen sie rapide zu. Am heutigen Tag melden die Behörden 5592 Neuinfektionen. Das ist ein deutlicher Sprung nach oben. Der aktuelle Sieben-Tages-Trend liegt nur bei 3227. Auch die Zahlen der Todesfälle nehmen zu. Polen verzeichnete über den Sommer täglich nur einstellige Todesfallzahlen, an einigen Tagen verstarb sogar niemand. Ganz aktuell werden 46 Todesfälle gemeldet. Der Sieben-Tage-Trend liegt bereits bei 38. In der Ukraine sind Infektions- und Todeszahlen so hoch wie noch nie. In den vergangenen 24 Stunden werden 22.415 Neuinfektionen festgestellt, teilt das Gesundheitsministerium mit. Es habe 546 Todesfälle gegeben. Der bislang höchste Stand stammt vom 19. Oktober mit 538 Todesfällen, bei den Infektionen vom 3. April mit 20.341. In den vergangenen Wochen hat sich die Corona-Lage in der Ukraine stetig verschlechtert.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat laut eigener Aussage eine neue Mutante der Corona-Variante Delta im Blick. Das Virus namens AY4.2 weise zwei zusätzliche Mutationen auf, teilte die WHO mit. Kürzlich hatten Experten von einer – noch geringen – Ausbreitung der Mutante in Großbritannien berichtet. Auch Russland verzeichnete erste Fälle, wie ein Vertreter der Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadsor laut Agentur Interfax sagte. Neben den britischen Fällen hat es auch Nachweise von AY4.2 in den USA und in Dänemark gegeben. Erstmals ist die Mutante der BBC zufolge im Juli von Experten entdeckt worden, seitdem hat ihr Anteil an den Corona-Fällen langsam zugenommen. Forscher gehen allerdings bislang nicht davon aus, dass die Mutante deutlich ansteckender sein könnte als die bisherige Delta-Variante. In den ersten 16 Monaten der Corona-Pandemie könnten nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 115.000 Pflegekräfte weltweit an Covid-19 gestorben sein. Die Organisation führt das unter anderem auf schlechte Ausstattung vor allem zu Beginn der Pandemie und mangelnde Verteilung der Impfstoffe in ärmeren Ländern zurück. In Afrika seien nur zehn Prozent der Pflegekräfte gegen das Coronavirus geimpft worden, in den meisten reichen Ländern seien es 80 Prozent. Die neuseeländische Staatschefin, Jacinda Ardern, will die strengen Lockdownmaßnahmen erst dann beenden, wenn das Land das gesetzte Impfziel von 90 Prozent erreicht hat. Wie sie auf einer Pressekonferenz erklärt, wird Neuseeland erst dann beispielsweise große Veranstaltungen für Geimpfte wieder zulassen können. “Vollständig Geimpfte werden in der Lage sein, sich wieder mit Familie und Freunden zu treffen, in Bars und Restaurants zu gehen und mit größerer Sicherheit und Zuversicht die Dinge zu tun, die sie lieben”, so Ardern. Rund 68 Prozent der Menschen sind bisher vollständig geimpft, 86 Prozent haben mindestens eine Dosis erhalten.

Beitragsfoto © Thirdman (Pexels)

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