Kriegsverbrecher Paul Blobel wuchs in Remscheid auf

Den Beitrag von Lothar Kaiser entnehmen wir dem Waterbölles, dem kommunalpolitischen Forum für Remscheid

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat gestern in der Ukraine an Verbrechen der SS im Zweiten Weltkrieg erinnert und ein intensiveres Gedenken an die vergessenen Gräueltaten im Osten Europas angemahnt. Zu diesen gehört auch das Massaker von Babyn Jar, bei dem vor 80 Jahren innerhalb von zwei Tagen in einer Schlucht bei Kiew 33.771 Juden ermordet wurden. 

Christina Nagel, ARD-Studio Moskau, dazu gestern in der ARD: „Ein Holocaust durch Kugeln – perfide getarnt als Umsiedlung. Ein monströs-effizient geplantes Verbrechen, von dem in Deutschland nur wenige wissen. Einer von vielen blinden Flecken in der öffentlichen deutschen Erinnerungskultur.“ Zu den SS-Offizieren, die an diesem Massenerschießungen maßgeblich beteiligt war, gehört nach Wikipedia Paul Blobel (* 13. August 1894 in Potsdam; † 7. Juni 1951 in Landsberg am Lech). Er war der Anführer des Sonderkommandos 1005, das diese Morde verübte. 1948 wurde er im Einsatzgruppen-Prozess in Nürnberg zum Tode durch den Strang verurteilt und 1951 hingerichtet. Paul Blobel wuchs in Remscheid auf.

Hier besuchte er die Schule und machte bis 1912 eine Lehre als Maurer und Zimmermann. Von 1912 bis 1913 studierte er Architektur an der Kgl. Preußischen Baugewerkschule zu Barmen/Elberfeld und arbeitete bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 als Zimmermann. Bis 1919 war Blobel arbeitslos und lebte wieder in Remscheid. Von dort setzte sein Architekturstudium an der nunmehr Staatlichen Baugewerkschule fort und schloss es im August 1920 ab. 1924 machte er sich als Architekt in Solingen selbstständig. 

Am 1. Dezember 1931 trat Blobel in die NSDAP (Mitgliedsnummer 844.662) ein, im Januar 1932 auch in die SS (SS-Nr. 29.100). Im Juni 1935 trat er in den SS-Sicherheitsdienst (SD) ein und machte dort schnell Karriere bis zum SD-Abschnittsführer von Düsseldorf. Im Rahmen der Novemberpogrome 1938 koordinierte er die Sicherstellung der Materialien aus zerstörten Synagogen in Solingen, Wuppertal und Remscheid.Im Juni 1941 wurde Blobel als SS-Standartenführer zum Führer eines Sonderkommandos, das im Operationsgebiet der Heeresgruppe Süd hinter der Front eingesetzt war und bis Januar 1942 ca. 60.000 Menschen ermordete.

Vor den Nürnberger Richtern brachte Blobel später vor, das Sonderkommando habe unter seiner Führung nicht 60.000, sondern maximal 10.000 bis 15.000 Menschen erschossen. Zudem sei die „Hinrichtung von Agenten, Partisanen, Saboteuren, von der Spionage und Sabotage verdächtigen Elementen und solcher Personen, die das Deutsche Heer schädigten“, von der Haager Konvention gedeckt. Das Gericht folgte seinen Ausführungen nicht, sondern sprach ihn in allen drei Anklagepunkten schuldig.

Beitragsfoto: Paul Blobel © US Army Signal Corps(available from National Archives, Gemeinfrei

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