VON WOLFGANG HORN
“Wer schreibt, der bleibt“, so ein altes Sprichwort. Aus den mannigfaltigen Bedeutungsaspekten, für die diese Redewendung steht, beispielsweise ist der Schreiber beim Kartenspielen gemeint, der als Einziger einen Zugang zur unkontrollierten Korrektur der Punktekonten hat, oder die Menschen, die an eine Biographie denken und davon träumen, ihr eigenes Leben in einem Buch wiederzufinden, aus all diesen unterschiedlichen Sinnmomenten sei hier der Ämter- oder Behördengesichtswinkel herausgesucht, die Welt der Verwaltung, nach dem und der jemand bleibt, der schreibt. Jemand also, der schreibt, so lautet die Fama, viel schreibt, arbeite auch viel. Selbst dann, wenn der Sinn des Schreibens verborgen bleibt und unergründlich. Es kommt auf die Menge an, auf die Zeit, die mit Schreiben verbracht wird, die ein großes Quantum an Arbeit vortäuscht. Auf den Inhalt, den Sinn, die Bedeutung des Geschriebenen eher nicht. Wie gesagt, Verwaltungssprech.
Womöglich ist es in der Sphäre der Politik, der lokalen Politik ähnlich, jedenfalls in einem kleinen Ausschnitt derselben. Andreas Müßener, Chef der Zukunftsfraktion im hiesigen Stadtrat spricht zwar nie bis selten im Rat oder in den Ausschüssen, dafür schreibt er umso mehr. Nun hat er erneut zu Feder gegriffen und einen schmucklos-dürren öffentlichen Brief an die Bürgermeisterin und die Medien gerichtet. Als E-Mail. Unter Verzicht auf alle bei Briefen eigentlich üblichen Formen und auch Schnörkel. Wie gesagt: schmucklos. Aber geschrieben. Hier das Geschriebene:
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
zur Zeit werden in Reihe zugesagte Volksfeste in NRW wieder abgesagt.
29.07. “Bottrop- Herbstkirmes erneut abgesagt” (Corona-Auflagen können nicht umgesetzt werden)
05.08. “Aegidius- und Martinus-Kirmes 2021 abgesagt” (steigende Infektionszahlen)
06.08.”Größte Kirmes im Sauerland abgesagt” (Zu hohe Kosten durch Kontrollen)
Beantworten Sie mir bitte hierzu folgende Fragen:1. Wird die Kirmes im September stattfinden?
2. Wie viele Besucher sind auf der Kirmes in Wermelskirchen insgesamt zugelassen?
3. Mit welchen Auflagen müssen die Besucher rechnen?
4. Steht hierzu ein Konzept zur Umsetzung der Corona-Auflagen?
5. Wie hoch sind die Plankosten- sowie Umsetzungskosten der Corona-Auflagen im Vergleich zu den Einnahmen der Stadt?
6. Ist es generell sinnvoll inmitten einer Pandemie vor dem wichtigen Herbst-Zeitraum ein Volksfest stattfinden zu lassen?
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Müßener (Fraktionsvorsitzender Zukunft Wermelskirchen)
Wer schreibt, der bleibt. Andreas Müßener und seine Fraktionsmannen sind kommunalpolitisch aktiv. Quod erat demonstrandum. Was durch die schiere Menge offener Briefe als bewiesen gelten kann, oder?
Funktioniert die alte Leier der AfD-Anheftung nicht mehr, sucht man sich eine Verunglimpfungsmasche, dass ich schweige in den Gremien. Auch diese Kampagne ist ja längst durch Fakten obsolet geworden und verpufft.