VON WOLFGANG HORN
Geht’s noch? So fragt der Journalist Walter Schulz in einem Facebook-Kommentar angesichts der vielen Ungereimtheiten in der Gladbacher Kreisverwaltung. Dem kann man sich nur anschließen: Geht’s noch?
Der Landrat ist wieder gesund, arbeitet aber im Homeoffice. Der Kreisdirektor Werdel ist in Urlaub, gewiß wohlverdient. Wer aber leitet jetzt die Verwaltung? Oder braucht die Verwaltung eigentlich keine Spitze, keinen Chef, niemanden auf dem Landratssessel?
Stephan Brockmeier schreibt heute im Kölner Stadtanzeiger, daß die Vorsitzenden der sieben Fraktionen und Gruppierungen für eine “Befriedung” im Kreishaus sorgen wollen. Sie haben sich am Montag in einer Videokonferenz zusammengefunden und beschlossen, einen gründlichen Blick in die Verwaltungsakten werfen zu wollen. Sie machen aber aus ihren Absichten ein Geheimnis. Grünen-Chefin Ursula Ehren: „Wir wollen nicht den Fehler der Kreisverwaltung nachmachen, alles vorher über die Presse auszubreiten.“ Der Fraktionschef der Freien Wähler, Conrad, sagt der Zeitung, dass bei der Videokonferenz das Wort vom „Untersuchungsausschuss“ gefallen sei. Conrad: „Einen Untersuchungsausschuss gibt es auf kommunaler Ebene aber nicht, wohl aber das Recht auf Akteneinsicht.“
Es gebe reichlichen Klärungsbedarf, fährt Stephan Brockmeier fort. “Im Wesentlichen gibt es zwei widerstreitende Erzählungen: Santelmann, der ‘Alptraum-Chef’, der seine Leute zur Verzweiflung treibt, oder Santelmann, der allenfalls übermotivierte Veränderer, der vom alteingesessenen Apparat gemobbt wird”.
Stoff genug für die Fraktionschefs im Kreistag. Aber sehr viel Zeit haben sie nicht. Die Causa “Landrat” will geklärt sein. Alsbald. Darauf haben die Bürgerinnen und Bürger ein Anrecht wie auch die Mitarbeiterinnen in der Verwaltung.
Zudem: Die im Kreistag dominierende Partei, die CDU, hätte schon vor geraumer beginnen müssen, Licht in das Kreishauswirrwar zu bringen und aufzuräumen. War sie es doch, die Santelmann ins Amt gehievt hatte.