NACHRICHTEN AUS DER CORONA-PANDEMIE (CCCXVII)

Die Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) 1330 Neuinfektionen gemeldet. Vor einer Woche waren es noch 3187 Ansteckungen. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sinkt von gestern 13,2 auf 11,6. Das ist der niedrigste Wert seit dem 17. September, also seit exakt neun Monaten. Vor zwei Wochen lag die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 34,1. Kein Abwärtstrend ist dagegen bei den Sterbezahlen erkennbar: 105 weitere Todesfälle zählt das RKI, 11 mehr als letzte Woche. Insgesamt kamen die Deutschland 90.179 Menschen durch das Virus ums Leben. Die Lage auf deutschen Intensivstationen entspannt sich zusehends. Doch noch immer befindet sich eine vierstellige Zahl an Patienten in Behandlung. Wie aus dem aktuellen DIVI-Register hervorgeht, werden aktuell 1134 an Covid-19 Erkrankte behandelt. Das ist im Vergleich zum Vortag ein Rückgang um 76. Von den Betroffenen werden 784 invasiv beatmet (minus 41 im Vergleich zu Dienstag). Momentan gelten 16,8 Prozent der zur Verfügung stehenden Intensivbetten als frei. Das entspricht knapp 4400 Betten.

Die in Indien entdeckte Delta-Variante hat ihren Anteil an den Neuinfektionen in Deutschland binnen einer Woche deutlich gesteigert. Mit 6,2 Prozent in der Kalenderwoche 22 (31. Mai bis 6. Juni) bleibe sie aber weiter relativ selten, heißt es im jüngsten Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu den als besorgniserregend eingestuften Mutanten. In der Woche zuvor (KW 21) hatte der Anteil der Delta-Variante an den untersuchten Proben demnach noch bei 3,7 Prozent gelegen. Mit einem Anteil von gut 86 Prozent an den untersuchten Proben löste die Variante Alpha (B.1.1.7, entdeckt in Großbritannien) in der ersten Juniwoche bundesweit weiter den Großteil der Infektionen aus. Ihr Anteil sinkt allerdings langsam. Die weiteren besorgniserregenden Varianten Beta und Gamma spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle. Immunologen fordern die Politik auf, sich angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante insbesondere an den Schulen intensiv auf eine neue Welle im Herbst vorzubereiten. “Es ist fest davon auszugehen, dass spätestens im Herbst die Delta-Variante die dominierende Variante in Deutschland sein wird”, sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), Carsten Watzl, der Zeitung “Augsburger Allgemeinen”. “Wenn sehr viele Kinder nicht geimpft sind und die Delta-Variante im Herbst kommt, droht in den Schulen wieder ein stärkeres Ausbruchsgeschehen.” Man müsse sich daher schon jetzt an Konzepte wie Luftfilter machen, um nicht im Herbst wieder die Schulen zumachen zu müssen. Watzl verweist darauf, dass der Anstieg der Inzidenzzahlen in Großbritannien größtenteils auf Schulkinder zurückgehe, für die es zum Teil noch gar keine Impfstoffe gebe.

Die Virus-Lage in Deutschland entspannt sich weiter. Inzwischen weisen 6 der 16 Bundesländer eine Sieben-Tage-Inzidenz im einstelligen Bereich auf, wie aus dem aktuellen Datenstand des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. Das bundesweit niedrigste Fallaufkommen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche verzeichnet demnach Mecklenburg-Vorpommern. Hier liegt die Inzidenz bei 4,0 (Vortag: 4,3). Dahinter folgen Sachsen-Anhalt (Inzidenz: 5,1), Brandenburg (5,2), Schleswig-Holstein (6,0), Niedersachsen (6,4) und Sachsen (7,1). Die höchste Inzidenz haben Baden-Württemberg (16,7) und das Saarland (16,4). Die Zahl der Fälle in Brandenburg ist auf 108.605 gesunken. Das ist ein Rückgang um 17 im Vergleich zum Vortag. Wie das Gesundheitsministerium in Potsdam mitteilt, hängt das Minus mit einer Datenkorrektur zusammen. In einigen Land- und Stadtkreisen werden demnach zurzeit umfangreiche “Bereinigungen” durchgeführt, bei denen etwa doppelt gezählte Fälle zusammengeführt werden. Aus diesem Grund sei wiederholt unter anderem für den Kreis Oberspreewald-Lausitz eine negative Fallzahl berichtet worden. Dort sind es den Angaben zufolge binnen 24 Stunden 47 Infektionen weniger. “Da es sich um Infektionsfälle handelt, die länger zurückliegen, ist die 7-Tage-Inzidenz hiervon nicht beeinflusst”, heißt es vom Ministerium. Der Wert liegt für das Bundesland aktuell bei 6,0.

Die neue nordrhein-westfälische Corona-Schutzverordnung hebt die Maskenpflicht im Freien ab Montag kommender Woche weitgehend auf. In der am Mittwochabend veröffentlichten Verordnung heißt es, dass man in Regionen mit niedriger Sieben-Tage-Inzidenz – unter 35 Infektionen auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche – im Freien nur noch bei bestimmten Gelegenheiten eine Maske tragen muss, zum Beispiel in Warteschlangen. Die besagte Inzidenzstufe 1 gilt für die allermeisten Regionen in NRW. In der Verordnung wird betont, dass die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen von der neuen Regelung unberührt bleibt. Im Saarland müssen Schülerinnen und Schüler ab heute keine Maske mehr im Unterricht tragen. Das hat die saarländische Landesregierung angesichts gesunkener Fallzahlen beschlossen. Im Schulgebäude und auf dem Schulweg im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bleibt es aber weiterhin bei der Pflicht zum Tragen einer Maske. Das Bildungsministerium betont, wer im Schulunterricht weiter eine Maske nutzen möchte, könne das natürlich tun. Was entfalle, sei die Verpflichtung dazu. Auf dem Außengelände von Schulen gibt es bereits seit dem 11. Juni keine Maskenpflicht mehr. Die Verkehrsminister der Länder haben sich dafür ausgesprochen, trotz der stark gesunkenen Corona-Inzidenzwerte die Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beizubehalten. In einer Videokonferenz sprach sich die Ministerrunde für eine bundeseinheitliche Regelung aus. “Das verbindliche Tragen einer medizinischen Maske ist ein wesentlicher Grund dafür, den ÖPNV bei Beachtung der Corona-Regeln nutzen zu können”, sagte die Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, die Bremer Senatorin Maike Schaefer von den Grünen. Die Länder seien übereinstimmend der Auffassung gewesen, dass für das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste und deren Vertrauen in den ÖPNV sowie zum Schutz vor Infektionen weiterhin die Notwendigkeit zum Tragen medizinischer Masken bestehe. Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer von der CSU sagte, Bayern unterstützte die Zielsetzung des Beschlusses, setze aber weiter auf FFP-2-Masken.

“Sie müssen neu lernen, wie Leben geht”, so lautet das erschütternde Fazit von Dr. Thomas Buck zu einigen seiner jungen Patienten. Der Kinder- und Jugendarzt erklärt, warum viele Minderjährige große Probleme mit dem zurückkehrenden Alltag haben und welche Symptome gehäuft auftreten. Zahlreiche Eltern haben sich in der dritten Welle wegen geschlossener Kitas und Schulen krankschreiben lassen. Aktuelle Zahlen der größten deutschen Krankenkassen zeigen, dass zwischen Januar und Mai dieses Jahres mehr als 1,5 Millionen Kinderkrankentage von Eltern genommen wurden, weil die Einrichtungen nicht oder nur eingeschränkt in Betrieb waren. Mehr als 600.000 Mal wurde pandemiebedingtes Kinderkrankengeld in dieser Zeit beantragt, wie der AOK-Bundesverband, die Techniker Krankenkasse (TK), die Barmer und die DAK-Gesundheit mitteilen. Den Daten der Kassen zufolge nutzten Eltern das Angebot besonders stark im Februar. Die Zahlen sanken dann in den Folgemonaten mit zunehmender Öffnung des Schul- und Kitabetriebs immer weiter. Laut Barmer nahmen Eltern im Schnitt zwei bis drei Kinderkrankentage im Monat.

Ein Viertel der sehr schwer an Covid-19 Erkrankten entwickelt später eine posttraumatische Belastungsstörung. Das ergab eine Studie der Universität Duisburg-Essen, für die von April 2020 bis März 2021 mehr als 30.000 Menschen untersucht wurden, wie anlässlich des Deutschen Kongresses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie mitgeteilt wurde. Demnach stieg bei diesen Menschen, die auf der Intensivstation behandelt wurden, im Schnitt am hundertsten Tag nach ihrer Entlassung die Traumasymptomatik an.

Das Robert-Koch-Institut, der Virologe Christian Drosten und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach werden in sozialen Netzwerken am häufigsten von Impfgegnern diskreditiert und angefeindet. Das geht aus einer Studie des Deutschland-Ablegers des Londoner Thinktanks Institute for Strategic Dialogue hervor. Ausgewertet wurden 400.000 Posts der impfskeptischen Szenen in sozialen Netzwerkern. Lauterbach warnt davor, die Impfgegner im Netz zu bagatellisieren. “Es sind keine Spinner, die zu vernachlässigen sind – der Einfluss von ihnen ist enorm”, sagt der Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert auch mit Blick auf mögliche Folgeimpfungen eine weitere Finanzierung der regionalen Impfzentren durch den Bund. Voraussichtlich ab Herbst stünden Auffrischungsimpfungen für die 900.000 Pflegeheimbewohner an, so Vorstand Eugen Brysch. Die aufsuchenden Impfungen in den 12.000 Pflegeeinrichtungen könnten aber nur mit den mobilen Teams der Impfzentren realisiert werden. “Das gilt auch für Impfaktionen in Corona-Hotspots. Zudem hat nicht jeder einen Hausarzt, um einen Impftermin zu vereinbaren”, so Brysch. Jetzt müsse ein Konzept für den Fortgang der Impfkampagne erarbeitet werden. In dieser Woche wird laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Schwelle überschritten, dass mehr als 50 Prozent der Bevölkerung eine Erstimpfung erhalten haben. Wenn die Lieferungen der Hersteller so wie bisher geplant anhalten, könne man allen Personen, die sich impfen lassen wollen, bis Ende Juli/Anfang August ein Impfangebot machen. Wichtig sei derzeit aber auch die Zweitimpfung, weil nur dann der volle Schutz etwa gegen Virus-Varianten bestehe, so der CDU-Politiker. Ab September werde der Impfbedarf abnehmen. Die Kassenärzte kritisieren, dass der Impfstoff in Deutschland immer noch nicht den Bedarf deckt. “Grundsätzlich ist es positiv zu bewerten, dass die Priorisierungen weggefallen sind. Dazu passt aber nicht, dass Impfstoffe immer noch zu knapp sind”, sagt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). “Mit Sorge und Verärgerung betrachte ich vor allem die jüngst angekündigte Reduzierung der Impfstofflieferungen von Biontech für das dritte Quartal. Hier war etwas anderes versprochen worden”, kritisiert Gassen. Weiter sagt er: “Zugleich gibt die Politik jetzt auch noch vollmundige Impfversprechen an Kinder und Jugendliche.” Die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger seien so verständlicherweise riesengroß. Der Apothekerverband Nordrhein lehnt die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn ab, die Vergütung der Apotheker für die Ausstellung der digitalen Impfpässe zu senken. “Uns erreichen zahlreiche Beschwerden unserer Mitglieder. Sie sind entsetzt, dass nach noch nicht einmal drei Tagen Honorarkürzungen angekündigt werden”, sagt Verbandschef Thomas Preis der “Rheinischen Post”. Spahn will die Vergütung von derzeit 18 Euro auf voraussichtlich sechs Euro je Zertifikat zum 1. Juli senken. Wenn es dazu komme, würden viele Apotheken das Angebot einstellen, warnt Verbandschef Preis: “Viele Kollegen wollen den Service ab Juli einstellen, weil es finanziell nicht mehr tragbar ist.” Der Bund ist nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereit, die Länder bei den Impfzentren auch über Ende September hinaus finanziell zu unterstützen. Zuvor müssten die Länder aber ein klares Konzept vorlegen. Wann das Nachimpfen für Ältere beginne, sei noch nicht klar. Die Gesundheitsminister der Länder planen nach Worten des bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek von der CSU “Impfzentren 2.0”. In zwei Wochen soll ein Konzept vorgelegt werden, wie Impfzentren über die bisher geplante Schließung Ende September weiter geöffnet bleiben können, sagt Holetschek. Dabei geht es auch um die Frage, ab wann Nachimpfungen etwa bei Älteren nötig werden. Ein Streitpunkt zwischen Bund und Ländern ist derzeit noch die Finanzierung der Zentren. Der Impfstoffhersteller Biontech wird im Juli für Deutschland deutlich weniger Impfstoff liefern als noch im Juni. Die wöchentlichen Lieferungen reduzieren sich von wöchentlich knapp 5,7 Millionen Dosen Ende Juni auf 3,2 Millionen in der ersten Juli-Woche, wie aus Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht. Für die zweite Juli-Woche werden sogar nur drei Millionen Dosen vorhergesagt. Das Bundesgesundheitsministerium verwies drauf, dass Biontech Lieferungen auf das zweite Quartal vorgezogen habe, um mehr Impfungen im Juni zu ermöglichen. Das Tempo, in dem in Deutschland geimpft wird, stagniert: Die tägliche Impfleistung, also die Anzahl der binnen eines Tages verabreichten Impfdosen, hat sich im Vergleich zum Niveau der Vorwoche sogar leicht verringert. Im Laufe des gestrigen Dienstags wurden laut RKI-Impfquoten-Monitoring 945.674 Impfdosen verabreicht. Am Dienstag vergangener Woche waren es – inklusive Nachmeldungen – 1,019 Millionen Impfdosen. Gestern entfielen insgesamt 593.315 Dosen auf Zweit- oder Komplettimpfungen. 40,707 Millionen Menschen sind aktuell mindestens einmal geimpft. Komplett geimpft sind laut Robert-Koch-Institut aktuell rund 22,968 Millionen Menschen. Das entspricht einer Impfquote von 27,6 Prozent (Vortag: 26,8). Die Quote der mindestens einmal Geimpften steigt von 48,7 auf 48,9 Prozent. In fünf Bundesländern liegt dieser Anteil sogar bei über 50 Prozent: Bremen (54,7 Prozent), Saarland (52,5), Schleswig-Holstein (52,1), Nordrhein-Westfalen (51,5) und Mecklenburg-Vorpommern (50,3).

Die Hersteller von Atemschutzmasken rechnen für die kommenden Wochen mit einem Einbruch der Nachfrage, gehen aber weiterhin von einem erhöhten Bedarf aus, wie “Handelsblatt”-Umfrage unter den führenden Maskenproduzenten ergibt. Die Hoffnung der Unternehmen auf stabile Geschäfte ruht demnach auch auf dem erhöhten Hygienebewusstsein der Menschen.

Seit dem Start der kostenlosen Bürgertests in Deutschland hat der Bund dafür rund 1,7 Milliarden Euro ausgegeben. Das geht aus Zahlen des Bundesamts für Soziale Sicherung und des Gesundheitsministeriums hervor. Damit bewegen sich die Ausgaben in der zuvor angenommenen Größenordnung. Erwartet hatte die Regierung im Februar auf vier Monate gerechnet zwischen 1,7 und 2,6 Milliarden Euro. Allein von Mitte Mai bis Mitte Juni wurden laut den neuen Angaben 1,2 Milliarden Euro für Corona-Tests ausgegeben, darin sind etwa PCR-Tests für Kontaktpersonen enthalten.

Die Lebenssituation junger Menschen in Europa hat sich durch die Pandemie offenbar deutlich verschlechtert. Laut der in Berlin vorgestellten fünften TUI-Jugendstudie “Junges Europa” veränderte sich das Leben für 52 Prozent der unter 26-Jährigen in der Krise zum Schlechteren. In Deutschland stimmten dieser Aussage 46 Prozent der Befragten zu, in Griechenland waren es sogar 65 Prozent. In den vergangenen Monaten verloren demnach vier von zehn jungen Europäern zwischen 16 und 26 Jahren ihren Job oder erlitten finanzielle Einbußen. In Deutschland gaben 29 Prozent der Befragten an, von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen gewesen zu sein. Der Studie zufolge beschreibt fast jeder zweite der unter 26-Jährigen seinen derzeitigen Gefühlszustand als “müde”, “unsicher”, “genervt” oder “gestresst”. Die Befragten fühlten sich in allen Lebensbereichen stark belastet. Am schwierigsten fänden junge Menschen jedoch die Beschränkungen im öffentlichen und sozialen Leben. Die Europäische Kommission erwartet, dass der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson seine Lieferziele an die EU für das zweite Quartal nicht einhalten kann. Grund dafür ist eine Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, wonach 17 Millionen Dosen des Vakzins aus Sicherheitsgründen nicht in der EU verwendet werden dürfen, nachdem es in einem US-Werk zu Fällen von Kontaminationen kam. Der US-Konzern dürfte daher sein Lieferziel von 55 Millionen Dosen bis Ende Juni nicht erreichen, sagt ein Kommissionssprecher. Bislang seien lediglich rund zwölf Millionen Dosen ausgeliefert worden. J&J bekräftigte nur, die von der EU insgesamt bestellten 200 Millionen Dosen ausliefern zu wollen. Die Delta-Variante treibt die Zahl der Neuinfektionen in Großbritannien weiter deutlich in die Höhe. Die Behörden melden heute 9055 neue Fälle – das waren etwa 1380 mehr als am Vortag und der höchste Tageswert seit Februar. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die noch Anfang Mai unter 20 lag, stieg mittlerweile wieder auf deutlich mehr als 70 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Wie schnell sich das Virus derzeit ausbreitet, zeigt die Gesamtzahl der Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage: 55.216 Fälle zwischen dem 10. und 16. Juni bedeuten ein Plus von fast einem Drittel im Vergleich zur Vorwoche. Experten gehen zudem von einer Dunkelziffer in etwa gleicher Höhe aus. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen nahm im Wochenvergleich sogar um 40 Prozent zu. Ungarn hebt am 24. Juni die wegen der Pandemie eingeführten Kontrollen an den Binnengrenzen des Schengen-Raums wieder auf. Dies erklärte der ungarische Außenminister Peter Szijjarto in der Botschaft seines Landes in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Voraussetzung dafür sei, dass es in Hinblick auf die Pandemie bis dahin “keine unerwartete Wendung” gibt, fügte er hinzu. Ungarn hatte am 1. September des Vorjahres eine sogenannte Grenzsperre eingeführt. Ausländer dürfen seitdem nicht ins Land, jedoch gibt es viele Ausnahmen, so etwa für Geschäftsreisende und Pendler. Touristische Reisen sind allerdings noch nicht möglich. Insofern ist nicht klar, was die Aufhebung der Kontrollen an den Schengen-Binnengrenzen für potenzielle Urlauber bedeutet. Seit mehreren Wochen erlaubt Ungarn, dass Menschen ins Land kommen, die in einem der Länder gegen Corona geimpft wurden, mit denen es eine Vereinbarung zur wechselseitigen Anerkennung der jeweiligen Impfnachweise getroffen hat. Das sind die Slowakei und Slowenien, nicht aber Deutschland und Österreich. Frankreich lockert in dieser Woche weitere Corona-Maßnahmen. Das Tragen von Masken im Freien ist ab morgen nur noch bei Menschenansammlungen verpflichtend, wie Premierminister Jean Castex verkündete. Die nächtliche Ausgangssperre ab 23 Uhr entfällt demnach ab Sonntag. Eigentlich sollte die Regelung noch bis Ende des Monats gelten. Castex sagte, die Situation habe sich schneller verbessert als erwartet. In keinem Département auf dem Festland gebe es eine besorgniserregende Entwicklung. Auch in den Überseegebieten verbessere sich die Lage. Zuletzt lag die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Menschen innerhalb einer Woche bei etwa 40. Mit den sinkenden Corona-Zahlen war in den vergangenen Wochen immer wieder ein Ende der Maskenpflicht im Freien diskutiert worden, einige Gebiete preschten vor. Castex betonte nun, dass eine Pflicht weiterhin gelte, wenn es eng werde oder viele Menschen aufeinander träfen – etwa in Warteschlangen oder im Stadion. Das Ende der Ausgangssperre kommt in Frankreich pünktlich zur Fête de la Musique am 21. Juni. Angesichts der anhaltenden Krise in Russland ordnet Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin eine Impfpflicht für Beschäftigte des Dienstleistungssektors an. “Wir müssen einfach alles tun, um so schnell wie möglich Massenimpfungen durchzuführen und diese schreckliche Krankheit zu stoppen”, teilt Sobjanin mit. Er verwies auf einen “dramatischen” Anstieg der Neuinfektionen. Die branchenbezogene Impfpflicht in Moskau ist die erste in Russland. Präsident Wladimir Putin hat seine Landsleute zwar aufgefordert, sich impfen zu lassen, lehnt jedoch eine Pflicht dazu ab. Für Beschäftigte in englischen Pflegeheimen soll es Berichten zufolge bald eine Impfpflicht geben. Das Personal solle einen Zeitraum von 16 Wochen bekommen, um sich impfen zu lassen oder ansonsten die eigene Anstellung verlieren, wie unter anderem der “Guardian” und die “Times” unter Berufung auf Regierungsquellen berichten. Möglicherweise könnte die Impfpflicht später auch auf medizinisches Personal im englischen Gesundheitsdienst ausgeweitet werden. Gesundheit ist in Großbritannien Ländersache. Dem “Times”-Bericht zufolge sollen rund zehn Prozent der medizinischen Beschäftigten und sogar 16 Prozent des Personals in Pflegeheimen noch nicht gegen Corona geimpft sein, obwohl die Gruppen gleich zu Beginn der mittlerweile weit fortgeschrittenen Impfkampagne immunisiert wurden.

Nach Einschätzung der UN-Entwicklungsorganisation UNDP bremsen Deutschland und andere Länder die Bekämpfung der Pandemie, indem sie eine Freigabe von Patenten für Impfstoffe blockieren. “Rechte an geistigem Eigentum sind ein Hindernis für eine beschleunigte Verbreitung und Produktion von Impfstoffen”, sagt UNDP-Chef Achim Steiner. Es gebe bei Vorstößen wie jenem zur Patent-Freigabe zwar immer Bedenken, doch “Risiko ist kein Grund, jetzt nicht zu handeln”. Die Freigabe von Patenten müsse als eine von mehreren Maßnahmen in Betracht gezogen werden, um der eklatanten Ungleichheit beim Verteilen der Vakzine zu begegnen. Olympia-Gastgeber Japan will trotz der andauernden Pandemie bei den Sommerspielen eine begrenzte Zahl an heimischen Zuschauern in den Wettkampfstätten zulassen. Wie die japanische Tageszeitung “Mainichi Shimbun” berichtet, erwägt die Regierung eine Obergrenze von 10.000 Zuschauern. Eine offizielle Entscheidung solle bei einem Treffen der Regierung mit der Stadtverwaltung von Tokio, dem Organisationskomitee und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) getroffen werden. Das Treffen werde voraussichtlich am kommenden Montag stattfinden. Am Tag zuvor soll der Corona-Notstand für Tokio sowie weitere Präfekturen angesichts gesunkener Infektionszahlen beendet werden. Zuschauer aus dem Ausland sind bei Olympia in Tokio bereits ausgeschlossen worden. Die thailändische Regierung will das Land trotz des noch laufenden Kampfs gegen die dritte Welle in vier Monaten wieder vollständig für Besucher aus dem Ausland öffnen. Ziel sei es, die Grenzen in 120 Tagen wieder komplett zu öffnen, sagte Regierungschef Prayut Chan-O-Cha in einer Fernsehansprache. Urlaubsorte, die “bereit” seien, sollten bereits vorher wieder öffnen können. Prayut räumte ein, der Schritt sei angesichts der Pandemie “mit einigen Risiken” verbunden. Angesichts der wirtschaftlichen Lage der Tourismusindustrie und der dort Beschäftigten sei es jedoch “an der Zeit, dieses kalkulierte Risiko einzugehen”. Das Land könne nicht warten, bis die gesamte Bevölkerung vollständig geimpft oder “die Welt frei von dem Virus” sei. Das Coronavirus ist einer neuen Studie zufolge bereits im Dezember 2019 in den USA aufgetreten und damit Wochen vor der ersten bestätigten Infektion im Januar 2020. Die ersten Fälle gab es in den US-Bundesstaaten Illinois und Massachusetts, wie aus einer in der Fachzeitschrift “Clinical Infectious Diseases” veröffentlichten Studie der US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) hervorgeht. Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschaftler 24.000 Blutproben, die zwischen dem 2. Januar und dem 18. März 2020 freiwilligen Probanden entnommen wurden. Bei neun von ihnen wurden Antikörper gegen den Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen, die erst zwei Wochen nach einer Infektion auftreten. Die US-Regierung hat weitere 200 Millionen Dosen Impfstoff des US-Unternehmens Moderna bestellt. Damit steigt das Gesamtvolumen der US-Bestellungen bei Moderna auf 500 Millionen Impfdosen. 217 Millionen von ihnen wurden bereits in den USA ausgeliefert. Der zusätzlich bestellte Impfstoff könne für Erstimpfungen unter anderem bei Kindern eingesetzt werden, aber auch als Auffrischimpfung, “sollte dies notwendig werden, um die Pandemie weiterhin zu besiegen”, erklärte Moderna-Chef Stéphane Bancel. In den USA werden derzeit neben dem Moderna-Impfstoff auch die Vakzine von Biontech und von Johnson & Johnson eingesetzt. Die meisten Impfungen gab es bislang mit dem Biontech-Impfstoff. Eine bisher vor allem in Lateinamerika auftretende Virus-Variante steht nun unter besonderer Beobachtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Aufgrund ihrer Mutationen könnte die Virus-Version mit dem Namen Lambda möglicherweise ansteckender sein oder vom menschlichen Immunsystem schlechter bekämpft werden, berichtet die Genfer UN-Behörde. Belastbare Studien und gesicherte Erkenntnisse dazu lägen jedoch noch nicht vor. Die Variante wurde erstmals im August 2020 in Peru identifiziert. Corona-Varianten werden von der WHO in zwei Kategorien einteilt: Varianten unter Beobachtung (“variants of interest”), die zu gehäuften Fällen führen oder in mehreren Ländern auftreten. Dazu gehört Lambda. Eine Stufe höher stehen die besorgniserregenden Varianten (“variants of concern”). Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar oder führen zu schwereren Erkrankungen. Darunter fällt etwa die Delta-Variante. Die Zahl der neuen Fälle in China ist sehr überschaubar: Die Behörden meldeten zuletzt nur 21 Neuinfektionen. Doch 15 davon geben Anlass zur Sorge: Sie wurden in der industriell geprägten Provinz Guangdong registriert. Wie der britische “Guardian” berichtet, gelten seit einigen Wochen in der Region strenge Maßnahmen, um einen Virus-Ausbruch unter Kontrolle zu bringen, der mit der ansteckenderen Delta-Variante im Zusammenhang stehen soll. Inzwischen gebe es 150 Delta-Fälle. Die Betroffenen lebten hauptsächlich in der Millionenmetropole Guangzhou. Durch den dortigen Lockdown werde aktuell auch der Hafen beeinträchtigt. Auch der Handel im nahegelegenen Shenzhen sei durch das Virus gestört. Die beiden Häfen gehören zu den größten der Welt. Als Folge hätten sich bereits die Frachtkosten erhöht, berichtet die Zeitung. Zusammen mit weiteren Faktoren – etwa notorisch knappen Schiffscontainern – könnten die Geschehnisse in Südchina nun die globalen Lieferketten erheblich beeinträchtigen, schlussfolgert der “Guardian”. In Indien sind binnen 24 Stunden 62.224 neue Ansteckungen mit dem Erreger Sars-CoV-2 festgestellt worden. Wie das Gesundheitsministerium mitteilt, stieg die Zahl der Toten im gleichen Zeitraum um 2542 auf nunmehr knapp 380.000. Damit hält der positive Trend in dem südasiatischen Land der offiziellen Statistik zufolge an. In der schlimmsten Phase der zweiten Welle gab es Anfang Mai mehr als 400.000 Neuinfektionen pro Tag.

Beitragsfoto © Griffin Wooldridge (Pexels)

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