Die Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 10.976 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 344 neue Todesfälle verzeichnet. Am Dienstag vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 9609 Neuinfektionen und 297 neue Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner liegt laut RKI bundesweit bei 167,6. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 169,3 an, vor eine Woche lag sie bei 162,4. “Nach einem vorübergehenden Rückgang der Fallzahlen über Ostern hat sich der starke Anstieg der Fallzahlen zunächst fortgesetzt, seit Mitte April hat sich die Zunahme etwas abgeschwächt”, schreibt das RKI in seinem Lagebericht. Die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten steigt weiter kontinuierlich an. Laut dem aktuellen Stand des DIVI-Intensivregisters werden derzeit 5122 Infizierte (+69) intensivmedizinisch behandelt, so viele wie seit Mitte Januar nicht mehr. 2905 der Patienten müssen zudem invasiv beatmet werden (-31). Derzeit sind den Angaben des Registers zufolge noch 4035 Intensivbetten in den deutschen Kliniken frei, 59 Betten weniger als am Vortag. Das entspricht einem prozentualen Anteil von nur noch 15,1 Prozent. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag nach dem aktuellen RKI-Lagebericht bei 1,01 (Vortag: 1,08). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 101 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen. Die Bewegungen bei der Sieben-Tage-Inzidenz in den Bundesländern: Erneut weisen 11 von 16 Bundesländern steigende Inzidenzen auf. Neuer “Spitzenreiter” ist jetzt Sachsen, das mit einer Inzidenz von 232 mittlerweile Thüringen (227,4) überholt hat. Die niedrigste Sieben-Tage-Inzidenz verzeichnet weiterhin Schleswig-Holstein mit rund 72 – gleichzeitig das einzige Bundesland unter 100.
Die Hälfte der Deutschen weiß einer Umfrage zufolge spontan nicht, wo sich ihr Impfpass befindet. In einer vom Digitalverband Bitkom veröffentlichten Befragung konnten nur 48 Prozent auf Anhieb sagen, wo sie das gelbe Heftchen aufbewahren. 51 Prozent der Befragten wussten es nicht. Laut Umfrage haben 23 Prozent oder knapp ein Viertel der Deutschen ihren Impfpass schon einmal verloren. Der Verband der deutschen Hightech- und Telekommunikationswirtschaft wertete die Ergebnisse der von ihm in Auftrag gegebenen Befragung als Argument für die Einführung eines digitalen Impfzertifikats im Kampf gegen Corona. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, plädiert dafür, jüngere Menschen bei der Impf-Priorisierung stärker in den Blick zu nehmen und eventuell vorzuziehen. “Das ist unter epidemiologischen Gesichtspunkten eine vernünftige Überlegung”, sagt Reinhardt dem TV-Sender Phoenix. Die Bevölkerungsgruppe der über 60-Jährigen sei zu einem großen Teil geimpft, sagte er. “Wir sind nun an einem Punkt, wo wir uns überlegen müssen, gehen wir weiter rückwärts von oben kommend? Oder aber könnte man die Strategie fahren zu sagen: Wir impfen jetzt die Jungen, die zwar in der Regel nicht schwer erkranken, aber die natürlich viel unterwegs sind, in die Schulen und in die Kitas gehen sollen”, begründete Reinhardt seine Anregung. Bund und Länder streben bei den Corona-Impfungen in Deutschland spätestens im Juni ein Ende der Priorisierung mit einer offiziell festgelegten Reihenfolge an. Darüber bestand Einigkeit bei den Beratungen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel. “Das heißt nicht, dass dann jeder sofort geimpft werden kann. Aber dann kann sich jeder um einen Impftermin bemühen, und die werden dann nach Maßgabe der Versorgung auch gegeben”, sagte Merkel nach den Beratungen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte eine Freigabe der Impfungen für alle im Juni bereits in Aussicht gestellt. Nach der verzögerten Auslieferung der ersten Charge von gut 250.000 Dosen wird der Pharmakonzern Johnson & Johnson die für diese Woche für Deutschland vorgesehene zweite Charge seines Corona-Impfstoffs kürzen, berichtet der “Spiegel”. “Die zweite Lieferung wird nicht den ursprünglich prognostizierten Umfang haben”, zitiert das Magazin das Bundesgesundheitsministerium. Eigentlich sollten in diesen Tagen 444.000 Dosen eintreffen, heißt es in dem Bericht. Insgesamt sind laut RKI inzwischen 19.486.698 Menschen (23,4 Prozent) mindestens einmal geimpft, 5.960.243 vollständig (7,2 Prozent). Die meisten Erstgeimpften gibt es im Saarland (25,9 Prozent) und Bremen (25,6 Prozent), die meisten Zweitgeimpften in Thüringen (9,7) und Berlin (8,7). Das Impftempo ist trotz der Einbeziehung von Hausärzten etwas ins Stocken geraten. Am vergangenen Samstag wurden 343.000 Impfdosen verabreicht, am Sonntag 267.000. Dass die Zahl der verimpften Dosen am Wochenende niedriger ist als unter der Woche ist nicht ungewöhnlich. Die meisten Hausarztpraxen sind geschlossen. Doch im Vergleich zum bisherigen Höchsstand Mitte April von mehr als 770.000 eingesetzten Impfdosen an einem Tag geht der Trend bei der durchschnittlichen Impfleistung pro Tag seither wieder nach unten.
Die Absage des Münchner Oktoberfestes wird immer wahrscheinlicher. Oberbürgermeister Dieter Reiter hat sich erneut sehr skeptisch dazu geäußert, dass die Wiesn stattfinden kann. Er sagte der “Bild”-Zeitung, dass er eigentlich im vorigen Jahr fest davon ausgegangen sei, dass es 2021 das Oktoberfest wieder geben wird. “Die Hoffnung wird von Woche zu Woche schwächer, wenn man ehrlich ist”, schränkt Reiter jetzt ein. Schon 2020 war das Oktoberfest wegen der Corona-Krise ausgefallen. Der 1. Mai naht – traditionell finden dann in ganz Deutschland große Demonstrationen statt. Unter Corona-Bedingungen stellt sich nun die Frage, ob diese stattfinden können. Für Berlin, wo am 1. Mai wohl normalerweise am meisten los ist, scheint die Entscheidung getroffen zu sein: Die “Welt” berichtet, die Berliner Polizei werde die Demo laufen lassen. Man werde jedoch auf die Einhaltung der Infektionsschutzregeln achten. Sei das nicht der Fall, sei man gezwungen, die Demonstration aufzulösen, heißt es unter Berufung auf Sicherheitskreise. Beim Bundesverfassungsgericht sind mittlerweile mehr als 65 Verfahren wegen der sogenannten Corona-Notbremse des Bundes anhängig. Eine genaue Angabe über die aktuelle Zahl der Eingänge sei nicht möglich, weil ständig neue hinzukommen könnten, teilt ein Sprecher mit, ohne Angaben darüber zu machen, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sein könnte. Unklar ist zudem, ob Kläger zunächst Verwaltungsgerichte anrufen und sich dann durch die Instanzen klagen müssen. Zwei Kunden haben sich in Herford (Nordrhein-Westfalen) kurz vor Beginn der Ausgangssperre geweigert, einen Supermarkt zu verlassen – und eine Schlägerei verursacht. Der Mitarbeiter des Markts hatte die 17 und 33 Jahre alten Männer zuvor aufgefordert, zur Kasse zu gehen, da er wegen der aktuellen Corona-Regelung um 21.30 Uhr schließen werde. Die beiden kamen der Aufforderung jedoch auch nach weiterem Drängen des 26-Jährigen nicht nach, beschimpften ihn und schlugen schließlich zu. Das Opfer wehrte sich erfolgreich. Der 33-jährige Angreifer kam mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus, der Supermarkt-Mitarbeiter musste vor Ort medizinisch versorgt werden. Auf die Künstleraktion #allesdichtmachen hat der Berliner Infektiologe und Pneumologe Norbert Suttorp eine Replik parat: #einfachmalneschichtmachen. Der Hashtag trendet seit dem Wochenende auf Twitter – und hat nichts anderes im Sinn, als auf die Lage der Intensivstationen aufmerksam zu machen. “Ich fand das eine gute Antwort”, sagt Suttorp, der an der Berliner Charité arbeitet, im ntv-Interview. Die Belastung auf den Intensivstationen sei enorm. “Es sind noch Patienten aus der zweiten Welle da, da kommt schon die nächste angerollt. Es gibt keine Pause. Früher, mit ein oder zwei ECMO-Geräten auf der Intensiv, war man ganz aufgeregt – im Sinne von ‘Hoffentlich kriegen wir das hin’. Und jetzt läuft das Sechs- bis Siebenfache. Von 18 Patienten sind 13 an einer ECMO. Das zeigt ja auch, wie ausgereizt das System ist.”
In Frankreich übersteigt die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen nach offiziellen Angaben zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr die Marke von 6000. Präsident Emmanuel Macron kündigt eine schrittweise Öffnung von Restaurants und Bars an. Die genauen Schritte hingen von der Virusausbreitung in den jeweiligen Regionen ab. Macron spricht von einem gestaffelten Vorgehen. Bei starker Ausbreitung sei eine Wiederöffnung Ende Mai oder im Juni wohl noch nicht möglich. Bars und Restaurants sind im Land seit Ende Oktober geschlossen. Angesichts hoher Corona-Fallzahlen kündigt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan einen mehr als zweiwöchigen Lockdown an. Vom 29. April bis 17. Mai müssen demnach alle Betriebe schließen, die keine Ausnahmegenehmigung haben. Reisen zwischen Städten sind nur mit Genehmigung möglich. Die Fallzahlen sind vor allem in der Millionenmetropole Istanbul extrem hoch. Das Gesundheitsministerium teilte mit, die Sieben-Tage-Inzidenz liege dort bei rund 850 Fällen pro 100.000 Einwohner. Auch die westtürkische Provinz Canakkale ist stark betroffen. In vielen Regionen Italiens haben Bars und Restaurants ihre Außenbereiche wieder geöffnet. Drei Viertel der italienischen Regionen gelten nun als “gelbe Zonen”, in denen weniger strenge Beschränkungen gelten. Neben der Außengastronomie dürfen auch Kinos, Theater und Konzerthallen wieder öffnen. Die Zahl der Besucher ist allerdings auf die Hälfte beschränkt. Die Regierung von Ministerpräsident Mario Draghi hatte in der vergangenen Woche einen Fahrplan für schrittweise Lockerungen der Corona-Maßnahmen beschlossen. Nach einem Rückgang der Neuinfektionen und Fortschritten bei der Impfkampagne sei seine Regierung bereit, ein “kalkuliertes Risiko” einzugehen, sagt er. Nach rund vier Monaten hartem Corona-Lockdown dürfen sich die Menschen in Schottland und Wales seit Montag über weitreichende Lockerungen freuen. Pubs, Cafés und Restaurants dürfen nach den Plänen der Regionalregierungen in beiden britischen Landesteilen wieder öffnen. Während in Wales – wie auch bereits seit Mitte des Monats in England – zunächst nur die Außengastronomie wieder ihren Betrieb aufnehmen darf, dürfen die Schotten bis 20 Uhr auch schon wieder in den Innenräumen von Restaurants essen und trinken. Alkohol darf allerdings nur draußen ausgeschenkt werden.
Die Corona-Pandemie intensiviert sich auf globalem Niveau weiter. Die Zahl der gemeldeten Infektionen pro Woche steigt seit neun Wochen, die der gemeldeten Todesfälle seit sechs Wochen, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte. “Um die Dimension aufzuzeigen: Es gab vergangene Woche fast genauso viele Fälle wie in den ersten fünf Monaten der Pandemie zusammen”, sagte Tedros. Besonders in Indien sei die Lage “mehr als herzzerreißend”. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt angesichts der in Indien aufgetauchten Corona-Variante B.1.617 vor voreiligen Schlüssen. Die Organisation beobachtet die Virusvariante, hat sie aber noch nicht als besorgniserregend eingestuft, wie eine WHO-Sprecherin mitteilte. Bislang sei nicht klar, in welchem Ausmaß die Variante für den rapiden Anstieg der Fälle in Indien mitverantwortlich ist. Es gebe viele Faktoren, die dazu beigetragen haben könnten. So hätten in jüngster Zeit Feste und Veranstaltungen mit vielen Teilnehmern stattgefunden. Zudem verbreite sich B.1.617 neben anderen ansteckenderen Varianten wie der zuerst in Großbritannien nachgewiesenen Variante B.1.1.7. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dürfte nach eigenen Angaben in den kommenden Tagen über eine Notfallzulassung für die zwei wichtigsten Impfstoffe aus China entscheiden. Bis Ende dieser Woche werde ein Votum über das Mittel von Sinopharm und in der kommenden Woche dann über das von Sinovac Biotech erwartet, sagt die zuständige WHO-Vertreterin Mariangela Batista Galvao Simao. Beide Stoffe sind in China millionenfach im Einsatz und nach Lateinamerika, Afrika und Asien exportiert worden. Indien meldet 323.144 Neuinfektionen und damit den sechsten Tag in Folge mehr als 300.000 neue Fälle binnen 24 Stunden. Allerdings verzeichnen die Gesundheitsbehörden damit einen leichten Rückgang zum Vortag, als mit 352.991 Neuinfektionen den fünften Tag in Folge ein weltweiter Höchstwert erreicht wurde. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich um 2771 auf 197.894. Experten befürchten aber, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegen dürfte. Denn zahlreiche Krankenhäuser sind durch die massive zweite Corona-Welle überfüllt und müssen Covid-19-Patienten abweisen, weil es an freien Betten und Sauerstoff zur Behandlung mangelt. Deutschland, die USA und weitere Länder haben Hilfe angekündigt. Im Kampf gegen eine immer schneller wachsende Corona-Welle ruft Indien die Armee zu Hilfe. Generalstabschef Bipin Rawat kündigt die Entsendung von militärischem Personal im Ruhestand in die Kliniken an. Zudem würden Sauerstoffvorräte aus den Armeereserven freigegeben. Es werde “Himmel und Erde” in Bewegung gesetzt, twittert Gesundheitsminister Harsh Vardhan. Zuvor gaben die Behörden den fünften Tag in Folge einen Höchststand bei den Neuinfektionen bekannt. Mehrere Staaten kündigten Hilfe an, darunter auch Deutschland. Pakistan setzt die Armee in 16 Großstädten ein, um bei der Durchsetzung von Beschränkungen wie Maskenpflicht und Ladenschlusszeiten zu helfen. Dabei würden die zivilen Einrichtungen weiter die Führung übernehmen, gibt ein Militärsprecher bekannt. Die pakistanische Regierung verzichtet trotz einer dritten Coronavirus-Welle auf Lockdowns aus Rücksicht auf die vielen Tagelöhner im Land. Ministerpräsident Imran Khan warnte vergangene Woche vor Zuständen wie in Indien, sollte die Bevölkerung sich nicht an die anderen Auflagen wie die Maskenpflicht halten. Die USA wollen einem Medienbericht zufolge in den kommenden Monaten bis zu 60 Millionen Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs mit anderen Ländern teilen. Zuvor müsse die Prüfung des Mittels in den USA abgeschlossen werden, meldet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf das US-Präsidialamt.
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