Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat 6729 Neuinfektionen und 217 weitere Todesfälle binnen eines Tages gemeldet. Das ist im Vergleich zu den vergangenen Tagen ein Rückgang. Allerdings übermitteln am Wochenende in der Regel nicht alle Gesundheitsämter ihre Daten an das RKI. Insgesamt stieg die Zahl der bestätigten Infektionen dem Institut zufolge auf 2.141.665 und die Zahl der Todesfälle auf 52.087. Die Sieben-Tage-Inzidenz verharrte mit 111,2 nahezu auf dem Niveau vom Sonntag. Laut Divi-Register werden in Deutschland derzeit 4628 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt, 2623 davon werden beatmet. Rund 4750 Intensivbetten sind in den deutschen Kliniken derzeit noch frei. Unter den Bundesländern ist Nordrhein-Westfalen mit 2611 Infektionen Spitzenreiter. Es folgen Bayern (2042), Niedersachsen (938) und Hessen (929). Die geringsten Zuwächse verzeichneten Bremen (39), das Saarland (50) und Mecklenburg-Vorpommern (113). Bezogen auf die Einwohnerzahl hat Thüringen wie schon am Vortag die meisten neuen Fälle (608) gemeldet. Brandenburg weist dagegen die höchste Zahl an aktiven Infektionen je 100.000 Einwohner auf. Mit Blick auf die Sieben-Tage-Inzidenz bleibt der Burgenlandkreis die am stärksten von der Pandemie betroffene Region Deutschlands. Dem neuesten Datenstand des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge weist der Landkreis in Sachsen-Anhalt einen Wert von 452,3 neu registrierten Fällen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche auf. Dahinter folgen der brandenburgische Landkreis Ostprignitz-Ruppin (388,4) und der Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt (378,0). Dabei ist zu beachten, dass es laut RKI in einigen Gesundheitsämtern Brandenburgs “zu einem Rückstau bei der Dateneingabe” gekommen sei. Die Rangliste der Super-Hotspots ist deshalb womöglich verzerrt. Einen Lichtblick gibt es an der niedersächsischen Nordsee: Der Landkreis Friesland liegt laut RKI bei 19,2 und weist somit den bundesweit niedrigsten Sieben-Tage-Inzidenzwert auf. Die hochansteckende Mutation des Corona-Virus ist in Flensburg nachgewiesen worden. Nach Angaben eines Sprechers trat ein Teil der Fälle in der Belegschaft eines Betriebes unter Leiharbeitern auf. Es gebe aber auch davon einige unabhängige Fälle in der Stadt im Norden Schleswig-Holsteins. Anfang dieser Woche war von rund 30 Verdachtsfällen mit der Variante aus Großbritannien berichtet worden. Nach einem Corona-Ausbruch mit der britischen Virus-Mutation in der Berliner Humboldt-Klinik stehen rund 1500 Ärzte, Pflegekräfte, Verwalter und Techniker unter Quarantäne. Außerdem werden mindestens 400 Patienten in dem Krankenhaus behandelt, die vorerst isoliert bleiben – insgesamt sind also fast 2000 Berliner betroffen. Beim Flugzeughersteller Airbus in Hamburg hat es einen Corona-Ausbruch gegeben. Insgesamt 21 Mitarbeiter seien positiv auf das Coronavirus getestet worden, sagte Martin Helfrich, Pressesprecher der Gesundheitsbehörde. Für rund 500 Mitarbeiter wurde Quarantäne angeordnet. Viele Senioren im Deutschland sehen sich derzeit auf dem Weg zu einer Corona-Impfung vor mehreren Hürden. Während Menschen über 80 Jahren in Alten- und Pflegeheimen von Impfteams aufgesucht werden, müssen sich Ältere, die zu Hause leben, selbst um eine Impfung kümmern. Die Terminvergabe ist in den Bundesländern sehr unterschiedlich geregelt. Mit der Anmeldung über ein Onlineportal sind Ältere oft überfordert, Telefonhotlines waren zum Start in mehreren Ländern überlastet. Zudem gibt es bislang noch nicht in allen Ländern die Möglichkeit, sich in einem Impfzentrum impfen zu lassen. Ein weiteres Problem bleibt für viele über 80-Jährige mit eingeschränkter Mobilität der Weg zum Impfzentrum. Auch eine mögliche Infektion bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln schreckt viele Ältere und ist dennoch für sie oftmals die einzige verfügbare Möglichkeit. Eine Kostenübernahme für eine Taxifahrt zum Impfzentrum und wieder nach Hause, wie etwa in Berlin, gibt es in den wenigsten Ländern. Impfungen zu Hause werden derzeit nicht angeboten. In Mecklenburg-Vorpommern gab es bereits erste Impfungen bei Hausärzten. Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, hält erste Schulöffnungen Anfang Februar für möglich. Mehrere Hundert Anhänger der “Querdenken”-Bewegung haben am Abend in der Münchner Innenstadt vor dem Gebäude des Verwaltungsgerichtshofs demonstriert. Die Polizei zählte nach Angaben eines Sprechers rund 300 Teilnehmer und war mit rund 500 Beamten im Einsatz. Mit Blick auf die Corona-Krise hat der Präsident des Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, mit drastischen Worten die Bildungspolitik in Deutschland kritisiert. “Wir haben doch jetzt alle gemerkt, dass schulpolitische Probleme jahrzehntelang bloß verschleppt und nicht gelöst wurden”, sagte Meidinger. “Wenn die Politik etwa das Problem des Lehrermangels vorher gelöst hätte, dann wäre es aktuell einfacher, Risikopersonen unter den Lehrkräften zu ersetzen oder den Unterricht aufrechtzuerhalten, wenn Lehrer in Quarantäne müssen.” Die Bildungspolitik sei von “gescheiterten Reformen, Fehlern und einem katastrophalen Krisenmanagement” geprägt wie wenige andere Bereiche. Der Bildungsföderalismus sei derzeit überfordert “und zu keinen schnellen, einheitlichen Entscheidungen fähig”, sagte Meidinger. Dem französischen Regierungsberater Jean-Francois Delfraissy zufolge zeigen die Corona-Impfstoffe eine geringere Wirksamkeit gegen die zuerst in Südafrika nachgewiesene Variante des Virus. Die Ankunft der neuen Varianten habe die Lage dramatisch verändert, sagt er: Sie seien das Äquivalent einer ganz neuen Pandemie. Vermutlich müsse Frankreich einen neuen Lockdown verhängen. Die coronabedingte Ausgangssperre hat in den Niederlanden zu Protesten und Krawallen geführt. In der Kleinstadt Urk nördlich von Amsterdam hatten Dutzende Menschen am späten Samstagabend gegen die Sperrstunde protestiert. Sie hätten Steine und Feuerwerkskörper auf Polizisten geworfen und Polizeiautos demoliert. Jugendliche steckten nach Polizeiangaben ein Corona-Testzentrum des Gesundheitsamtes in Brand. Zwei Personen wurden festgenommen und Dutzende Geldstrafen verhängt. Landesweit hat die Polizei nach eigenen Angaben in der ersten Nacht der Sperrstunde mehr als 3600 Geldstrafen verhängt und 25 Personen festgenommen. Auch in Stein im Süden des Landes gab es Zusammenstöße mit der Polizei, als die Beamten eine illegale Party mit etwa 100 Besuchern beenden wollten. Verstöße gegen die Sperrstunde von 21 bis 4.30 Uhr werden mit Geldbußen von je 95 Euro bestraft. Nach dem Auftreten einer Corona-Mutation in Norwegen macht Schweden die Grenzen für Reisende aus dem Nachbarland dicht. Mit einer Hundestaffel und einem Hubschrauber ist die Polizei in London gegen eine illegale Party mit 300 Gästen vorgegangen. Die Beamten seien bei der Feier auf Widerstand gestoßen und hätten eine Tür aufbrechen müssen, teilte die Polizei mit. Noch an Ort und Stelle seien 78 Teilnehmern Strafen in Höhe von je 200 Pfund (rund 225 Euro) wegen Verstoßes gegen die Corona-Regeln aufgebrummt worden. Dutzende Gäste seien über Zäune geflohen. “Die Beamten waren wieder einmal gezwungen, ihre eigene Gesundheit zu gefährden, um es mit einer großen Gruppe unglaublich egoistischer Menschen aufzunehmen, die auf engstem Raum zusammengepfercht waren”, sagte ein Polizeisprecher. Auch am vorigen Wochenende hatte die Polizei in London Partys mit Hunderten Teilnehmern aufgelöst. Die Pandemie droht die soziale Ungleichheit in mehreren Ländern gleichzeitig zu verschärfen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Hilfsorganisation Oxfam, für den unter anderem 295 Wirtschaftswissenschaftler aus 79 Ländern befragt wurden. 87 Prozent der befragten Wissenschaftler erwarten Oxfam zufolge, dass die Einkommensungleichheit in ihrem Land als Folge der Pandemie zunehmen oder stark zunehmen wird. Mehr als die Hälfte ist der Ansicht, dass die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich zunehmen wird und mehr als zwei Drittel gehen davon aus, dass die Ungleichheit zwischen Weißen und BIPoC (Black, Indigenous, People of Color) zunehmen wird. In Neuseeland haben die Behörden erstmals seit Monaten wieder eine Corona-Infektion verzeichnet. Betroffen ist eine 56-Jährige, die am 30. Dezember von einer Auslandsreise zurückgekehrt ist. 15 engere Kontaktpersonen sind identifiziert und kontaktiert worden. Israel stellt ab Montag für eine Woche fast alle Passagierflüge ein. Damit solle die Ausbreitung der neuen Virus-Varianten bekämpft werden. Hunderte ultraorthoxe Israelis haben sich Konfrontationen mit Polizisten geliefert, die Corona-Regeln durchsetzen wollte. Die Polizisten waren von den frühen Morgenstunden an im Einsatz, um die regelwidrige Öffnung strengreligiöser Bildungseinrichtungen zu verhindern. Ein einflussreicher Rabbiner hatte zuvor dazu aufgerufen, die Schulen im ultraorthodoxen Sektor trotz eines allgemeinen Verbots zu öffnen. In der Hafenstadt Aschdod sowie in Jerusalem kam es zu teilweise heftigen Konfrontationen mit der Polizei. Im strengreligiösen Viertel Mea Schearim in Jerusalem wurden Sicherheitskräfte als “Nazis” beschimpft. Auch in Bnei Brak bei Tel Aviv blockierten strengreligiöse Einwohner Straßen und bewarfen Polizisten mit Steinen. Nach Polizeiangaben wurden bei Zusammenstößen mehrere Polizisten verletzt und mindestens 15 Demonstranten festgenommen. In den USA haben sich seit Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr fast 25 Millionen Menschen mit dem Sars-CoV-2-Virus angesteckt. Die Zahl der bisher registrierten Toten im Zusammenhang mit dem Virus stieg auf knapp 417.500. Die Zahl der Toten binnen 24 Stunden erreichte am Samstag demnach 3332.
NACHRICHTEN AUS DER CORONA-PANDEMIE (CLXXVII)
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