Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
was denken Sie? Dass die gesundheitlichen Auswirkungen des neuartigen Corona-Virus‘ meist milde sind? Vielleicht finden Sie dann, dass wirtschaftliche und soziale Sicherheit wichtiger sind als der Schutz jener Menschen, die das Glück eines milden Verlaufs nicht hatten? Denn darum geht es bei einer Corona-Infektion: nicht nur um einige Wenige, nicht nur um geringe Wahrscheinlichkeiten. Es geht um jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns, um Sie, um mich, unsere Freunde und Familien, einfach um uns alle. Wer hat im Fall des Falles Glück, wer nicht?
Vielleicht vertreten Sie also diese Ansichten. Ich befürworte Meinungsvielfalt und demokratische Prozesse. Ich befürworte insbesondere den Schutz von unser aller Leben und Gesundheit. Denn bestimmte Dinge sind unumstritten: Menschen können an COVID-19 sterben. Menschen jeden Alters und jeder körperlichen Konstitution. Wer von uns das Virus überträgt, ist von außen nicht zu sehen und von innen nicht zu spüren. Wer Glück haben wird und wer nicht, ist offen. Wir können uns also nur durch Vorsichtsmaßnahmen schützen. Dafür haben die Blaulichtorganisationen und der Rheinisch-Bergische Kreis in einer großen Kampagne in diesem Herbst geworben.
Niemand setzt doch freiwillig das eigene Leben oder das Leben seiner Liebsten aufs Spiel. Oder doch?
Fehlt uns allen womöglich schlicht die Vorstellungskraft, dass wir genau das bei jedem Begrüßungskuss, bei jeder Umarmung, bei jeder Unterhaltung ohne Abstand tun? Wenn man sich mit diesem Gedanken beschäftigt, bedeutet das kein Spiel mit Verlustängsten. Das Gegenteil ist der Fall. Ich möchte Ihnen ganz deutlich machen, dass Ängste vor Corona-Infektionen überflüssig sind – solange Sie selbst sich verantwortungsvoll verhalten. Deshalb bitte ich Sie: Halten Sie sich an die Hygieneregeln und halten Sie Abstand! Das ist in der Adventszeit nicht einfach und über Weihnachten sicherlich die größte Herausforderung, der wir uns bislang zu stellen hatten. Aber die hohen Infektionszahlen sprechen für sich: Es geht darum, dass die Menschen, die wir an Weihnachten treffen, auch an Ostern noch bei uns sind. Finden Sie diesen Gedanken übertrieben? Das ist er nicht. Denn die hohen Todeszahlen sprechen auch für sich.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, schon durch unseren Wohnort, den Rheinisch-Bergischen Kreis, sind wir eine Solidargemeinschaft. Wir gehen in denselben Geschäften einkaufen, essen in denselben Restaurants, engagieren uns in denselben Vereinen. Das gemeinsame Ziel von uns allen ist es doch nicht, in einer gesellschaftlichen Debatte Recht zu behalten. Unser aller Ziel ist es doch, in absehbarer Zeit einmal zur Normalität zurückzukehren, zur Normalität, wie wir sie kennen. Also lassen Sie uns weiter durchhalten, auch und gerade an Weihnachten! Jeder Mensch und jedes Leben sind es wert, gerettet zu werden!
Glück bedeutet übrigens nicht nur Zufall. Den Zufall, von COVID-19 oder schweren Folgen verschont zu bleiben. Glück heißt auch, Zufriedenheit und Erfüllung zu erfahren, durch eine Familie, deren Mitglieder sich gegenseitig schützen. Solche Mitmenschen zu haben, ist buchstäblich ein Segen. Ich wünsche uns allen diesen Segen, über die Weihnachtsfeiertage und darüber hinaus.
Bleiben Sie gesund und zuversichtlich!
Ihr Landrat Stephan Santelmann