Von Klopfkäfern, Presslufthämmern, Düsenjägern und Maschinengewehren

VON YVONNE SCHWANKE

Hatte heute mein erstes MRT (Magnetresonanztumographie der Halswirbelsäule) und musste feststellen, dass ich eine viiiiel zu rege Phantasie habe, um in äusserst engen Räumen festgehalten zu werden.

Mein Kopf wird fixiert (mit einem Dings, das mich an die Sicherungs-Vorrichtung des Hannibal Lecter aus dem Schweigen der Lämmer erinnert) und ich werde gefragt: -“Ist das ihre erste MRT?” -“Äh, ja. Deswegen bin ich auch, ähem, etwas nervös…Sind die Geräusche sehr laut? Ich bin da nämlich seehr empfindlich.” -“Nee, also leise ist der nicht, aber so schlimm wird’s nicht. Zudecken?” -“Äh ja, so ohne Hose wird’s schon was kalt auf Dauer. Wie lange werd’ ich denn hier drin sein?” -“20 Minuten”. 

Ich bekomme Ohrenschützer auf die Ohren (nee, Frau Schwanke, die können nicht direkt aufliegen, das geht mit der Vorrichtung nicht….. ?!?!?!?!?) und einen Notaus-Stick in die Hand gedrückt und werde ins Loch geschoben. 

Ich habe mir geschworen, NICHT zu blinzeln. AUF GAR KEINEN FALL!

Aber der Neugierigkeitskobold auf meiner Schulter hoppst nervig herum, also öffne ich GAAAANZ kurz die Augen…..und bereue es sofort, weil es so aussieht, als würde mir der Himmel auf den Kopf fallen. Panik klopft an. 

Sofort fallen mir Filme wie “The Raven” ein, in dem Menschen lebendig begraben werden, oder die CSI Las Vegas-Folge, in der Nick eingebuddelt in einem Sarg unter der Erde liegt……….Uaaaaaaaahhhhhh! LASST MICH RAAAAAAUUUUS!!

Doch dann die Erkenntnis: Baby, es ist alles Gedankendisziplin. Bleib ruhig!

Ich schaffe es tatsächlich, mich so weit runterzufahren, dass ich innerhalb von zwei Minuten fast einschlafe; bis mir auffällt: “Oh, besser nicht… du darfst dich ja nicht bewegen…”

In dem Moment, in dem mein Hirn endlich wieder unter Kontrolle zu sein scheint, ertönt die Stimme aus dem OFF: “Frau Schwanke, die nächste Untersuchung dauert zweieinhalb Minuten. Nicht schlucken, nicht bewegen.” “O.k.”, denke ich schläfrig,”mach du mal!”

Und dann bricht die Hölle los, erst ein durchgeknallter Klopfkäfer und dann ein Presslufthammer, die durch meinen Schädel toben. Die nächsten Durchgänge bringen noch einen schlecht gelifteten Techno-Beat, einen Düsenjäger und ein ungeputztes Maschinengewehr mit sich…

Irgendwo rühren sich in mir uralte Ängste, aber ich habe mich einfach dazu entschieden, mich völlig in mich selbst zurückzuziehen und all das zu ignorieren. Und, ey, leck mich am Arsch! Ich habs tatsächlich geschafft! Sie holt mich aus dem Ding und ich bin davon überzeugt; ein Zen-Mönch ist NIX gegen mich. Jawoll! 

Geistesgegenwart-, kraft und -kontrolle sind meine neuen zweiten Vornamen. Nichts, wirklich NICHTS kann mich aus der Ruhe bringen! 

Und dann stellt die nette MRT-Dame mir folgende freundliche Frage:”War das Ihre erste MRT?” 

AAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!

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