Verpeilt

VON WOLFGANG HORN

Im Kreis haben wir eine täglich um 120 schwankende 7-Tage-Inzidenz. Das ist noch sehr weit davon entfernt, wieder zur Tagesordnung übergehen zu können mit der Chance, Covid-19-Infektionen zurückzuverfolgen und die Pandemie einigermaßen im Griff zu behalten, ohne daß das Gesundheitssystem in Gefahr gerät. 

In Hildburghausen, am Südrand von Thüringen, hingegen beträgt der Inzidenzwert 602. Mithin das Fünffache der hiesigen Inzidenz. Und dennoch haben dort Hunderte von Menschen aus Südthüringen öffentlich gegen die Kontaktbeschränkungen protestiert, ohne Abstandsregeln einzuhalten, ohne Mundschutz, ohne die Erlaubnis, die eigene Wohnung ohne triftigen Grund verlassen zu können. Allesamt Maßnahmen, zugegeben drastische, die dazu führen sollen, die gewaltige Infektionswelle zu brechen und die Menschen in der Region besser zu schützen. Mehr noch: Lauthals wurde von der Menge das Lied “Oh, wie ist das schön” intoniert. Das ist nicht Ausdruck von Freiheit. Das ist zynisch-selbstgerechte Verantwortungslosigkeit.

Und jetzt braucht der Landrat, Thomas Müller (CDU), Polizeischutz. Offenbar, weil ein kleiner Teil der dortigen Bevölkerung offenbar verpeilt ist, den Ernst der Lage noch nicht begriffen hat und nunmehr den Landrat beleidigt und bedroht. Natürlich in den sogenannten sozialen Medien. Weil er die Proteste der Verpeilten als “unverantwortlich” und andere Menschen gefährdend kritisiert hatte. 

Der Landkreis hat bundesweit den höchsten Inzidenzwert und das erfordert rigide Maßnahmen zur Eindämmung. Das ist eigentlich nicht schwer zu verstehen, wenn man guten Willens ist. Welcher egomanische Ungeist ist in die Menschen gefahren, die nicht nur andere, schwächere und verletzbare Mitbürger gefährden, gegen alle Regeln und Auflagen, und dann noch Kritiker beleidigen und bedrohen? Asoziales, ichbezogenes, empathiebefreites Verhalten feiert Urständ, als habe es Aufklärung, Nächstenliebe oder Solidarität, Mitgefühl noch nie gegeben. Ein kleiner Teil der Gesellschaft übt sich in schamloser Selbstgerechtigkeit. Ihr seid nicht das Volk.

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