VON WALtER SCHUBERT
Seit 37 Jahren habe ich den Motorradführerschein und über 30 Jahre gab es ein Motorrad. Von ganz kleinen 4,5 PS in einer Honda Dax bis hin zu großen BMW-Modellen. Ich hatte Glück – meine Frau ist mitgefahren und so haben wir viele Urlaube mit dem Motorrad gemacht. Wir haben alle Möglichkeiten ausprobiert. Anreise direkt mit dem Motorrad, manchmal mit einem Anhänger oder früher auch mit dem Autoreisezug. Wir sind auch einmal nach Madeira geflogen und haben uns vor Ort eine Maschine gemietet. Wir waren alleine unterwegs, mal in Gruppen und manchmal haben wir auch an organisierten Touren teilgenommen. Ein paar Jahre waren wir auch Mitglied in einem Motorradclub. Das Motorrad wurde für den Arbeitsweg genutzt und am Wochenende gab es Touren durchs Bergische, alleine oder mit Freunden. Kurz gesagt: Es gibt umfangreiche Erfahrungen rund um das Thema Motorrad. Es gibt herrliche Erinnerungen, wunderbare Erlebnisse und es gibt die Erfahrung, dass sich auch in diesem Bereich einiges geändert hat.
Erst einmal hat sich Anzahl der Motorräder massiv erhöht. Heute ist es schnell passiert, dass man an einer roten Ampel von 10 oder mehr Motorradfahrern umringt ist. Oder bei einer Pause in einem Straßencafé stellt man fest, dass eine endlose Schlange von Motorrädern durch den Ort knattert. An den bekannten und beliebten Treffpunkten gibt es bei gutem Wetter kaum noch einen Parkplatz und durch die riesige Anzahl an Fahrzeugen kippt auch langsam die Akzeptanz. Während wir auf unseren Touren und bei den Urlaubsfahrten eigentlich immer freundlich aufgenommen wurden und gern gesehene Gäste waren, wird es nun anders. Es liegt an der Anzahl, der damit verbundenen Lärmbelästigung und auch an der Fahrweise einiger Motorradfahrer. Auch in diesem Bereich gilt das „ICH“. Zuerst komm’ ich, dann komm’ ich nochmal, dann kommt eine Weile nichts und dann komm’ ich noch einmal. Geschwindigkeitsbegrenzungen, Überholverbote, Straßenmarkierungen, Rücksicht und Vorsicht – alles nicht gültig für eine kleine, aber zunehmende Minderheit. Ja, ihr Idioten habt es geschafft, ein wunderbares Hobby kaputt zu machen! Dazu kommt noch die erfolgreiche Lobbyarbeit der Industrie, die mit immer stärkeren und lauteren Fahrzeugen den Markt verändert. Wie oft stehen die Polizisten bei Kontrollen als arme Deppen da, wenn der überlaute Krawallauspuff eine EG-Betriebserlaubnis hat? Und der Gesetzgeber? Auch der steht hilflos daneben, zeigt auf Brüssel, zuckt die Schultern und es passiert nichts.
So und jetzt ist Schluss. Ich möchte nicht mehr dazu gehören. Möchte nicht mehr mit diesen Idioten in einen Topf geworfen werden. „Ich will mir nicht von ein paar Bekloppten mein Hobby kaputt machen lassen“, sagte ein Freund. Eine Weile habe ich mich gewehrt, hatte gehofft, es käme eine Einsicht, hatte gehofft der Gesetzgeber würde seinen Pflichten nachkommen und es gäbe eine spürbare Änderung. Leider umsonst. Es wird schlimmer und ich will nicht mehr dabei sein. Es bleiben schöne Erinnerungen und eigentlich mag ich den Ausspruch „Früher war alles besser“ nicht. Für diesen Bereich passt der Spruch – das habe ich selbst erlebt.
Einige Tage später …. Ungefähr zwei Wochen stand mein Motorrad im Internet zum Verkauf. Nun ist es weg, habe dem neuen Besitzer noch allerhand Zubehör mit auf den Weg gegeben – weg mit dem ganzen Kram. Es ist wie eine Befreiung. Ich muss mich nicht mehr darum kümmern, keine Pflege, keine Wartung, muss keine Termine und Vorgaben rund um dieses Fahrzeug einhalten, muss nicht mehr dafür sorgen, dass es anspringt, spare Geld, weil Bücher, Zeitschriften, Zubehör oder Bekleidung nicht mehr benötigt werden. Und ich muss nicht mehr fahren! Das klingt zunächst bekloppt, aber jeder kennt diesen Zwang: „Das Wetter ist schön und eigentlich müsste ich doch jetzt …“ Alles weg und im Moment fühlt es sich richtig gut an.

Das oben geschriebene kann ich zu fast 100% teilen. Auch ich bin ca. 35 Jahre mit verschiedenen Motorrädern unterwegs gewesen. Von der 50er Zündapp über Yamaha, Honda, MotoGuzzi, alte Triumph, Ducati und Harley Davidson habe ich so ziemlich alles was Spaß macht gefahren. Viele Touren u.a. nach Österreich, Italien, Frankreich und Spanien waren, auf Grund der teilweise anfälligen Technik, immer auch Abenteuerreisen. Vor vier Jahren habe ich dann dem letzten Moped Lebewohl gesagt. Die Gründe sind die gleichen die Walter Schubert angeführt hat. Am Wochenende konnte ich im bergischen nicht mehr stressfrei unterwegs sein. Die Massen an Bikern machten ein gefahrloses fahren nur noch morgen zwischen 7:00 und 10:00 möglich. Danach bevölkerten Pulks von Motorrädern die Strassen, davon einige Maschinen, deren PS Zahl das Fahrvermögen der Besitzer augenscheinlich deutlich überfordert. Mittlerweile habe ich mich aus dem Wahnsinn endgültig verabschiedet, und bin mit meiner Vespa völlig zufrieden.
Ich fahre noch sehr gerne Moped…und das ist auch gut so…
Als Mitglied des lokalen Arbeitskreises kann auch ich jede Zeile nachempfinden. Dass Menschen wie Sie hier diese Entscheidung jetzt treffen ( müssen ), ist – und ich sage das mit ganzem Herzen – bedauerlich. Was machen wir hier im Zusammenleben falsch, wenn Egoismen wie maximaler Sound und maximale Geschwindigkeit bei so vielen Motorradfahrern im Vordergrund stehen ? Motorräder können leise gebaut – und gefahren werden. No problem ! Aber bitte lasst uns auch die Polizei nicht als Allheilmittel sehen. Wie blöd muss sich ein Polizist vorkommen der 9 Bikes wg. unnötigen Lärms kontrolliert und 8 davon dann ihren Persilschein aus der Tasche ziehen. Die jetzige Bundesratsinitiative ist eine gute Sache – und der Medienaufschrei ‘kein Motorradfahrer darf Sonntags noch fahren’ ist durch keine einzige Zeile gerechtfertigt. Es muss einfach was passieren …