Eine Bijbel kehrt zurück nach Lüttringhausen

Peter Auwerda möchte ins Gefängnis

Remscheid | Am vergangenen Freitag und Samstag hatte die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V. Besuch von Peter Auwerda und seiner Familie aus Aruba in der südlichen Karibik. Peter Auwerda ist Nachkomme von Karel Reusen, der in der NS-Zeit als holländischer Widerstandskämpfer im Zuchthaus RS-Lüttringhausen inhaftiert war.

Vor der Justizvollzugsanstalt (JVA) Remscheid-Lüttringhausen steht Peter Auwerda mit seiner Familie. Er möchte ins Gefängnis. Für diesen Besuch hat er den weiten Weg von der Insel Aruba in der südlichen Karibik nach Remscheid auf sich genommen.

Sein Großvater Karel Reusen war hier 1942–1945 von den Nazis inhaftiert. Er war in Holland als Widerständler verhaftet worden, weil er 1941 Glückwunschkarten für die ins Exil geflohene niederländische Königin Wilhelmina verteilt hatte.

Die deutsche Polizei hatte ihn schwer mißhandelt und zum Tode verurteilt. Begnadigt zu lebenslänglicher Haft wurde er 1942 nach Remscheid transportiert und bis zur Befreiung durch die Amerikaner am 15.4.1945 festgehalten. Seine Bijbel hatte man dem tiefgläubigen Mann gelassen. Sie gab ihm Trost und Kraft, vier Jahre in einem deutschen Gefängnis zu verbringen. Befreit, kehrte er schwerkrank in die Niederlande zurück. Eines seiner Kinder wanderte nach Aruba aus.

Bei ihren Recherchen zum Zuchthaus Lüttringhausen stieß Frau Blesius von der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V. (GuB) auf Informationen, die sie letztlich zu Peter Auwerda nach Aruba führten. Der Kontakt konnte hergestellt werden und mit dem vorläufigen Abklingen der Pandemie wurde es für den Enkel möglich, mit seiner Familie nach Remscheid zu reisen. Im Gepäck war die Bibel seines Großvaters, die auch ein Abschiedswort des damaligen Gefängnispfarrers und die Unterschriften aller befreiten Mithäftlinge enthält.

Peter Auwerda möchte, daß diese Bibel heute für Frieden und Freiheit steht und daß seine Familie durch die Ermöglichung des Besuchs in der JVA sieht, daß ein Wandel zu einer völkerverbindenden Freundschaft über die Generationen hinaus auch in Deutschland stattgefunden hat.

Am 15.7.42 wurde Karl Reusen nach Remscheid überführt. Fast auf den Tag genau 79 Jahre später, am 16.7.2021, war es soweit: Peter Auwerda und seine Familie besuchten in Begleitung von Mitgliedern der GuB Pferdestall die JVA. Sie konnten die Kirche und eine alte Zelle besichtigen. An der ‘Mahn-und Gedenkplatte für die Inhaftierten der NS-Zeit’, 1982 endlich an der Außenmauer der JVA angebracht, wurde gemeinsam eine würdige Zeremonie der Erinnerung an die schweren Jahre von Karel Reusen und seinen Mitgefangenen abgehalten. 

Am Samstag besuchte die Familie auch den alten Pferdestall auf dem Gelände der Remscheider Polizei: hier waren 1933 – 45 tausende Menschen, darunter Juden, Roma und Widerstandskämpfer vorübergehend inhaftiert.

Die GuB Pferdestall dankt Peter Auwerda ausdrücklich für seinen Besuch und hofft auf weitere Kontakte zu Nachkommen von damals durch die Nationalsozialisten inhaftierten Menschen in Remscheid.

Alles Fotos: © blg

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

    • Peter-Hans Auwerda
    • 22.07.21, 21:05 Uhr

    From the bottom of my Heart I am eternally Grateful for the warm welcome my family received in Remscheid Lüttringhausen from Mrs. Andrea und Mr. Marc Blesius, Mr. Hans Heinz Schumacher, Mr. Klaus Blumberg, Mr. Nick Schmeisser all representing the Gedenk- Und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V., accompanied by the volunteer Tracey Tay (later joined by Arzum Arslan and Marie Münstermann) and journalist Peter Klohs who wrote a very beautiful article about my visit. And a huge thank you to Mrs. Katja Grafweg for giving us all a tour of the building where my greatgrandfather Karel Reusen spent three years of his life as prisoner. His Faith and Trust in God helped him to survive those years and to return home to his wife and three daughters in May 1945 who were living in The Hague, in The Netherlands

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