Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön
Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen
Folge 6
7. Etappe 03.05.2017 von Torres del Rio (131 EW) nach Logrono (124.000 EW)
Streckenlänge 21,0 km, Übernachtung Hostel Entresuelos 17,00 Euro, Bisherige Gesamtkilometer 171,0.
Und es geht wieder los, diesmal nach Logrono. In Torres del Rio wurde noch schnell ein Frühstück eingenommen, denn bis zum nächsten Ort, Viana, waren es 11 km. Vielleicht gab es unterwegs noch eine mobile Bar und tatsächlich auf halber Strecke und die Musik war schon von weitem zu hören. Der Jakobsweg verläuft von Torres del Rio zunächst über eine Hochebene, auf diesem Teilstück wechseln sich Schotterwege, Pfade und Betonwege ab, dabei ein ständiges und stetiges bergauf und bergab.

In Viana wird Mittagspause gemacht und wir treffen Bruce aus Australien, er sah ziemlich mitgenommen aus und hatte starke Schmerzen im Knie. Bruce kannte ich von der 1. Etappe, er war mein Bettnachbar in der Klosterherberge Roncesvalles. Man trifft sich immer wieder und freut sich entsprechend. Viana ist die letzte Stadt auf dem Jakobsweg in der Region Navarra, von hier ab geht es in die Region La Rioja mit ihrer Hauptstadt Logrono. Von der Stadtgrenze bis zum Zentrum sind es fast 4 km und wir müssen über die Brücke des Rio Ebro, dem längsten Fluss Spaniens. Am Fußweg hinunter zum Rio Ebro sitzt eine alte Frau, Maria heißt sie und drückt einem den schönen Stempel mit der Inschrift „Higos-agua y amor“ (Feigen-Wasser und Liebe) in den Pilgerpass.
Das ist ein Moment, der die eigenen Gedanken wieder beflügelt. Das Rentenalter habe ich erreicht, ein neuer Lebensabschnitt beginnt, bleibe ich gesund, tue ich was dafür, muss ich mich Ernährungsmäßig umstellen. Ich rauche noch, am liebsten würde ich aufhören, wie wird die Beziehung zu Stefanija ….Fragen über Fragen. Um es kurz zu machen, habe ich die Ernährung umgestellt, das Rauchen aufgegeben und wir, Stefanija und ich, das wisst ihr ja, haben geheiratet. Faszinierend anzusehen sind die Störche und ihre Gepflogenheiten, wie sie auf einem Bein stehen und wie sie klappern. So viele Störche wie ich in Logrono gesehen habe, habe ich noch nie gesehen. Auch schön anzusehen sind die Wegweiser der Jakobsmuschel, die in den Bürgersteigen eingelassen sind. Diesmal sind wir in einem Hostel mit einem Dreibettzimmer. Endlich mal ein Zimmer mit Bad nur für uns und richtige Handtücher….ein Genuß. Später bei der
Stadtbesichtigung treffe ich Bekannte aus dem Bergischen. Sie machen Urlaub…welch ein Zufall. Das war so ein herrlicher Tag mit einem unwahrscheinlich schönen Abend. Natürlich haben wir diesen mit einem leckeren Essen und einem schönen Ambiente in der Altstadt ausklingen lassen.
8. Etappe 04.05.2017 von Logrono (124.000 EW) nach Najera (8.144 EW)
Streckenlänge 31,0 km, Übernachtung, Auberge LA, Juderia (private Herberge) 10,00 Euro. Bisherige Gesamtkilometer 202,0.

Es geht weiter nach Najera. Der Weg führt durch die Einkaufsstraßen von Logrono, einem Park, unter der Autobahn hindurch und an einem Stausee vorbei. Dann treffen wir Marcelino, er verteilt Früchte, Wasser und sonstige Sachen an die Pilger. Ich habe leider kein Bild von ihm gemacht, er könnte auch zu Nikolaus seinen Auftritt haben, lange weiße Haare und der entsprechende Bart dazu. Ich treffe auch noch die Kolumbianer, das erste Mal habe ich sie in Saint-Jean-Pied-de-Port, dann an meinem Geburtstag.…. mit Ständchen und heute wieder gesehen.
Weiter geht’s an einem Abgrenzungszaun der Autobahn entlang. Hier haben Pilger selbstgebastelte Kreuze aus Holz und Gras in den Zaun geflochten. Natürlich habe ich auch gebastelt und ein Kreuz an den Zaun befestigt. Der Zaun ist ca. 1,5 km lang und überall die selbstgebastelten Kreuze, beeindruckend. Hier war ich dann wieder in meiner
Gedankenwelt, es sind einfache Momente, die einen dazu bringen, dass einen die Vergangenheit wieder einholt. Aber sind wir nicht deshalb auf dem Weg?
Trennung, Verlust, die Verantwortung, meine Kinder alleine großzuziehen. Dazu ein Beruf, der mich viele Jahre in Hotels und auf Reisen geführt hat. Ich war viel unterwegs, habe viele Menschen kennengelernt und unzählige Orte gesehen. Und doch gab es immer wieder diesen Zwiespalt zwischen meinem beruflichen Leben und meinem privaten Leben. Und jetzt bin ich auf dem Jakobsweg, ein Traum ist in Erfüllung gegangen.
Auf einer Anhöhe taucht ein Stier auf, das Markenzeichen der Gruppe Osborne. Hier rasten wir und Irene unterzieht eine Blasenbehandlung an den Füßen durch ihren Vater. Der Weg führt uns weiter durch Weinfelder mit roter Erde, diese rote Erde und die Wege gefallen mir sehr gut. In Navarette angekommen machen wir Mittagspause, besichtigen die Kirche und treffen, was für ein Zufall unsere Mitpilger, gemeinsam geht’s dann weiter. Aus Navarette hinaus geht’s weiter an der N‑120 entlang und durch Weinberge. Vor Najera konnte man noch mal richtig einkaufen (mobile Bar mit Spenden).
In Najera angekommen, suchen wir unsere Herberge, quartieren uns ein und dann das übliche Ritual der Körperpflege. Hirschtalg heißt mein Wundermittel, jeden Morgen, mittags und abends habe ich mir damit die Füße eingerieben. Das Resultat.…keine Probleme gehabt. Schade nur, auf einer der letzten Etappen habe ich die Creme wohl irgendwo liegen lassen. Am frühen Abend haben wir uns alle im Ort gesehen. Ich hatte keine Lust auf ein Pilgermenü und bin dann in eine andere Bar gegangen und habe Tapas gegessen und Wein getrunken. Manchmal braucht man auch etwas Zeit für sich, nichts gegen die Gruppe, aber mal alleine sein tut auch gut. In der Herberge angekommen lagen die anderen schon im Bett bzw. auf ihren Liegen. Wir waren alle ziemlich müde.…täglich wandern kann anstrengend sein.
Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.
Quellen: Es ist Zeit für den Jakobsweg, Outdoor Camino Francés. Die Informationen zur Geschichte des Jakobswegs und von Santiago de Compostela beruhen auf der offiziellen Website des Pilgerbüros in Santiago de Compostela, der Jakobsweg Zentrale “Dein Pilger Magazin”, der UNESCO, sowie ergänzender Fachliteratur wie Ausschnitte aus Längsschnittstudie zu Lebenssinn & Lebensbedeutungen bei Pilgern des Jakobsweges und bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
PS. Zum Schutz der Privatsphäre wurden die Namen geändert und die im Reisebericht verwendeten Bilder stammen überwiegend von mir bzw. vereinzelt von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Reise. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden die Gesichter einzelner abgebildeter Personen unkenntlich gemacht. Bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
Alle veröffentlichen Folgen finden Sie hier:


Schreibe einen Kommentar