Camino Francés 2017 – Folge 16 von 17

Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön

Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen


Folge 16

27. Etap­pe am 23.05.2017 von Mel­i­de (7.488 EW) nach A Brea (20 EW)

Stre­cken­län­ge 31,0 km; Über­nach­tung Auber­ge Pen­si­on Men­son 17,00 Euro Gesamt­ki­lo­me­ter 791,0:

Trotz sei­ner leich­ten Begeh­bar­keit und der Viel­zahl der Her­ber­gen, selbst in den kleins­ten Dör­fern war der Pil­ger­weg kein Selbst­läu­fer. Das stän­di­ge Auf und Ab hat doch ziem­lich gezehrt und ging an die Kräf­te. Ich habe das vor­her nicht so gespürt, ich den­ke, es hat­te damit zu tun, dass das Ende nah­te. Unse­re Trup­pe war gut gelaunt und wir freu­ten uns auf das Ziel. Ire­ne, Klaus und Julia hat­ten sich mitt­ler­wei­le an die Schmer­zen gewöhnt, täg­lich Schmerztabletten….nicht ein­fach. Da habe ich noch Glück gehabt, bis­her alles gut über­stan­den.

Mal geht es über Asphalt, mal über brei­te Wege durch Euka­lyp­tus­wäl­der, mal kreuzt der Weg die Natio­nal­stra­ße. Oft sieht man die typi­schen läng­li­chen Land­wirt­schafts Spei­cher (hor­re­os), die nach wie vor genutzt wer­den.

Heu­te kom­me ich zum ers­ten Mal in mei­nem Leben durch einen Euka­lyp­tus­wald. Es sind meist nur glat­te Stäm­me, die hoch hin­aus­wach­sen. Der Wald­bo­den ist braun von den abge­fal­le­nen Blät­tern.

Heu­te bin ich viel mit Klaus gegan­gen, habe mit­tags einen Salat geges­sen und uns gut unter­hal­ten. Die Mädels waren schon vor und haben eine Unter­kunft orga­ni­siert. Das Wet­ter war „sen­sa­tio­nell“, Son­nen­schein pur. Die Pen­si­on hat­te eine schö­ne Ter­ras­se und eine Lie­ge­wie­se. Es ist der letz­te Tag oder auch Abend vor Sant­ia­go. Mei­ne Gedan­ken eilen vor­aus. Was wer­de ich mor­gen emp­fin­den? Kei­ne Ahnung…wer weiss was noch alles kommt.

28. Etap­pe am 24.05.2017 von A Brea (20 EW) nach Sant­ia­go de Com­pos­te­la (96.000EW)

Stre­cken­län­ge 25,0 km, Über­nach­tung Hotel Pico Sacro 33,00 Euro. Gesamt­ki­lo­me­ter 816,0.

Ein hei­ßer Tag stand uns bevor und natür­lich Sant­ia­go de Com­pos­te­la, die letz­te Etappe…der pure Wahn­sinn.

Wenn ich dar­über nach­den­ke, dass das gro­ße Ziel heu­te erreicht wird, emp­fin­de ich gro­ße Dank­bar­keit, ich den­ke, ohne die schwe­ren Zei­ten wür­de ich die schö­nen Momen­te viel­leicht nicht mit der­sel­ben Dank­bar­keit erle­ben.

Und viel­leicht war der Cami­no des­halb auch mehr als eine Rei­se.

Viel­leicht woll­te ich ein Stück mei­nes eige­nen Lebens­we­ges noch ein­mal gehen-dies­mal bewuss­ter.

Der Weg führt durch Wei­ler und Dör­fer und immer wie­der durch Euka­lyp­tus­wäl­der. Heu­te wer­de ich das gro­ße Ziel errei­chen und als Pil­ger in Sant­ia­go de Com­pos­te­la ein­zie­hen. Ich bin kein Wan­de­rer, ich bin Pil­ger. Der Weg nach Sant­ia­go führt uns durch eine Hoch­ebe­ne nach Mon­te do Gozo. Dort gibt es einen Aus­sichts­punkt und von da aus sehen wir erst­mals die Stadt und wei­ter hin­ten zum ers­ten Mal die Tür­me der Kathe­dra­le.

Was für ein Glücks­ge­fühl, bald ist es voll­bracht, die Freu­de ist groß und Erleich­te­rung macht sich breit.

Kurz vor Sant­ia­go machen Klaus und ich noch eine Rast und genie­ßen unser Mit­tags­me­nü. Die Mädels waren schon vor­ge­gan­gen und such­ten unser Hotel auf.

In Sant­ia­go ange­kom­men geht es direkt in die Alt­stadt zum Praza do Obra­doira, dem wun­der­schö­nen Platz vor der Kathe­dra­le. Und in der Kathe­dra­le mach­ten wir dem hei­li­gen Jaco­bus unse­re Auf­war­tung.

Mei­ne Gefüh­le drin­gen nicht so rich­tig durch und hal­ten sich in Gren­zen, eine Über­schweng­lich­keit konn­te ich nicht bei mir fest­stel­len. Erst am frü­hen Abend ver­spür­te ich so etwas wie Freu­de und Erleich­te­rung. Getrun­ken haben wir anständig….bis tief in die Nacht hin­ein. Ivo hat­te noch zwei Kärnt­ner Bur­schen mit­ge­bracht und wir haben alle­samt einen wun­der­schö­nen Abend und viel Spaß gehabt.

In den Stra­ßen Sant­ia­gos fin­det man unzäh­li­ge Knei­pen, Restau­rants, Geschäf­te und sehr vie­le Andenken­lä­den. Tag und Nacht wird die Alt­stadt durch das Spiel ver­schie­dens­ter Musi­kan­ten und Künst­ler belebt. Sant­ia­go ist neben Madrid und Bar­ce­lo­na eine der teu­ers­ten Städ­te Spa­ni­ens über­haupt.

Buen Cami­no und dann bis mor­gen in Sant­ia­go, der Tag danach.

Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.

Quel­len: Es ist Zeit für den Jakobs­weg, Out­door Cami­no Fran­cés. Die Infor­ma­tio­nen zur Geschich­te des Jakobs­wegs und von Sant­ia­go de Com­pos­te­la beru­hen auf der offi­zi­el­len Web­site des Pil­ger­bü­ros in Sant­ia­go de Com­pos­te­la, der Jakobs­weg Zen­tra­le “Dein Pil­ger Maga­zin”, der UNESCO, sowie ergän­zen­der Fach­li­te­ra­tur wie Aus­schnit­te aus Längs­schnitt­stu­die zu Lebens­sinn & Lebens­be­deu­tun­gen bei Pil­gern des Jakobs­we­ges und bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.

PS. Zum Schutz der Pri­vat­sphä­re wur­den die Namen geän­dert und die im Rei­se­be­richt ver­wen­de­ten Bil­der stam­men über­wie­gend von mir bzw. ver­ein­zelt von Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern der Rei­se. Zum Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te wur­den die Gesich­ter ein­zel­ner abge­bil­de­ter Per­so­nen unkennt­lich gemacht. Bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.


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