Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön
Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen
Liebe Leserinnen und Leser vom Forum Wermelskirchen,
im Jahr 2017 habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt: Ich bin den Camino Francés, den bekanntesten Jakobsweg, gegangen. Diese Reise war weit mehr als eine Wanderung – sie war voller Begegnungen, Herausforderungen, schöner Landschaften und unvergesslichen Momente. Es ging auch darum ein Dankeschön zu sagen für den bisherigen Lebensweg, begleitet von Höhen und Tiefen.
Ich habe meine Erlebnisse in einem Reisebericht festgehalten und heute, also nach neun Jahren, möchte ich diese Erinnerungen mit Ihnen allen teilen. Also nicht stolpern, wenn Vergangenheit und Gegenwart etwas vermischt sind.
Oder weckt der Bericht bei manchen die Lust, selbst einmal den Jakobsweg zu gehen?
Dieser Bericht hat natürlich einen Namen:
Camino Francés 2017 – Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön.
Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und ein herzliches Buen Camino von einem Pilger aus Wermelskirchen.
Zum Schutz der Privatsphäre wurden die Namen geändert und die im Reisebericht verwendeten Bilder stammen überwiegend von mir bzw. vereinzelt von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Reise. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden die Gesichter einzelner abgebildeter Personen unkenntlich gemacht. Bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannte Quellen- und Urheberangaben verwendet.
Folge 1
Bevor ich Sie auf meine Reise im Jahr 2017 mitnehme, möchte ich Ihnen noch einige Informationen zum Jakobsweg und zum Camino Francés geben und danach werfen wir einen kurzen Blick auf die Geschichte dieses besonderen Weges.
Der Jakobsweg – mehr als nur Wandern, wer den Jakobsweg geht, wandert nicht einfach nur von A nach B. Er folgt einem Weg, den Menschen seit über tausend Jahren aus den unterschiedlichsten Gründen beschreiten. Manche gehen ihn aus religiöser Überzeugung, andere sind auf der Suche nach sich selbst. Wieder andere möchten ein Abenteuer erleben, neue Menschen kennenlernen oder einfach einmal Abstand vom Alltag gewinnen. Jeder hat seine eigenen Gründe, sich auf den Weg zu machen. Und vielleicht ist genau das eine der besonderen Eigenschaften des Jakobsweges: Viele Menschen gehen denselben Weg – aber jeder erlebt ihn auf seine ganz persönliche Art.
Und … keine Angst! Der Camino ist längst auch ein bedeutender Wirtschaftszweig geworden. Entlang des Weges gibt es eine große Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten, Pilgerherbergen, Hotels, Hostels und private Unterkünfte. Somit findet sich für nahezu jedes Budget eine passende Möglichkeit. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. In den Orten entlang des Weges gibt es zahlreiche gastronomische Einrichtungen. Darüber hinaus findet man in der Regel genügend Einkaufsmöglichkeiten, Banken, Apotheken und vieles mehr.
Und wer nun denkt, dass man unbedingt Spanisch sprechen oder gute Englischkenntnisse haben muss, kann beruhigt sein. Ich selbst spreche kein Spanisch und verfüge auch nur über begrenzte Englischkenntnisse. Trotzdem bin ich auf dem Camino gut zurechtgekommen – notfalls eben mit Händen und Füßen. Man findet meistens einen Weg, sich zu verständigen.
Santiago de Compostela und Historie
Für die meisten Pilgerinnen und Pilger ist Santiago das große Ziel ihrer Reise. Nach vielen Tagen oder Wochen auf dem Weg endet dort für viele eine ganz besondere Erfahrung.
Der Überlieferung nach wurde das Grab des Apostels Jakobus Anfang des 9. Jahrhunderts entdeckt. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich Santiago de Compostela neben Jerusalem und Rom zu einem der drei großen christlichen Pilgerziele des Mittelalters.
Aus allen Teilen Europas führten Pilgerwege in Richtung Santiago de Compostela. Einer der bekanntesten Wege ist heute der Camino Francés, der Französische Weg. Dieser Weg führt von den Pyrenäen quer durch Nordspanien bis nach Santiago de Compostela. Die Kathedrale wurde ab dem Jahr 1075 erbaut und ist im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und verändert worden.
Das Ziel der Pilger ist das Grab des Apostels Jakobus unter dem Hauptaltar. Santiago gehört seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Im Inneren der Kathedrale, am Altar befindet sich die Silberbüste des Apostels Jakobus. Über eine Treppe, hinter dem Altar gelangt man hinter die Figur, sodass man die Jakobusfigur von hinten umarmen und küssen kann. Ein besonderer Moment in der Kathedrale von Santiago de Compostela ist der Botafumeiro, das riesige Weihrauchfass. An einem langen Seilsystem wird es von mehreren Helfern in Bewegung gesetzt und schwingt anschließend hoch und dicht über den Köpfen der Pilger durch das Querschiff der Kathedrale. Das Weihrauchfass beschreibt immer größere Bögen und erfüllt dabei die Kathedrale mit Weihrauch. Die dicken Weihrauch-Schwaden sollen früher dazu gedient haben, die heftigen Körpergerüche der Pilger, die auch die Nächte wachend und betend in der Kathedrale verbrachten, zu überdecken.
Pilgerweg
Die meistbegangene Route wird als Camino Francés (1993 Eintrag UNESCO Weltkulturerbe) bezeichnet: Sie beginnt im Ort St. Jean Pied de- Port mit der Überquerung der Pyrenäen. Es folgt der Jakobsweg nach Pamplona und die nächste größere Stadt auf dem Pilgerweg ist Logrono und durchquert das berühmte Weingebiet der Rioja. Der darauffolgende Ort ist Burgos und muss als nächste Stadt durchquert werden. Anschließend folgt die Meseta, die kastilische Hochebene mit endlosen Weizenfeldern. Dieser Abschnitt wird als physisch und psychisch herausfordernd beschrieben und dauert etwa eine Woche. Danach wird man von der Stadt Léon empfangen und anschließend folgen etwa 50 km Expressstraße von Léon nach Astorga, ein ganz langweiliges Stück. Dann wieder in die Landschaft eintauchen und die wunderschönen Bergmotive nach Cruz de Ferro genießen. Hier wartet ein großer Steinhaufen auf den Pilger, der einen von zu Hause mitgebrachten Stein, symbolisch für seine Sünden, ablegen kann. Weiter geht’s durch klimatisch mildere Regionen, durch Wein- und Obstgärten. Und es geht hoch zum Cebreiro, der Aufstieg die steilste Wegstrecke. Von hier aus sind es noch etwa sechs Tage nach Santiago. Der Rest des Weges geht durch die wunderschöne Landschaft Galiciens, bis man in Monte Gozo die Türme der Kathedrale von Santiago erstmals erblickt.
Jakobsmuschel

Die Jakobsmuschel begleitet die Pilger seit Jahrhunderten auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela. Sie ist das Symbol des Apostels Jakobus und wurde zum Erkennungszeichen der Pilger, sie weist zusammen mit den gelben Pfeilen den Weg. Ihre vielen Linien laufen an einem gemeinsamen Punkt zusammen – ähnlich wie die verschiedenen Jakobswege, die schließlich in Santiago zusammentreffen. Die Jakobsmuschel war und ist zugleich Erinnerung und Beweis der vollzogenen Pilgerreise. Heute findet man sie meistens an den Rucksäcken.
Seit dem 13. Jahrhundert wurden die Pilger mit einer Urkunde (heute: La Compostela) beglaubigt.

Zusätzlich trägt jeder Pilger einen Pilgerausweis mit sich, den er in Klöster und Herbergen abstempeln lassen kann. Dieser Ausweis fungiert als Andenken und gleichzeitig als Beweis, ein Pilger zu sein, damit man in den dafür vorgesehenen Herbergen schlafen darf.
Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.
Quellen: Die Informationen zur Geschichte des Jakobswegs und von Santiago de Compostela beruhen auf der offiziellen. Website des Pilgerbüros in Santiago de Compostela, der Jakobsweg Zentrale, “Dein Pilger Magazin”, der UNESCO, sowie ergänzender Fachliteratur wie Ausschnitte aus Längsschnittstudie zu Lebenssinn & Lebensbedeutungen bei Pilgern des Jakobsweges. Es ist Zeit für den Jakobsweg, Outdoor Camino Francés. Bebilderung: privat
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