Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön
Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen
Folge 5
5. Etappe 01.05.2017 von Puente den la Reina (2.807 EW) nach Estella (13.668 EW)
Streckenlänge 23,0 km, Übernachtung Hostel Oeineda 10,00 Euro, Bisherige Gesamtkilometer 120,0.
Heute Morgen ging es wieder ganz früh los, wir waren nicht die ersten, Klaus unser Pacemaker war schon weg. Heute wollen wir nach Estella, Estella bedeutet die „Schöne“. Wir lassen uns überraschen. Der Rucksack….mein Ordnungssystem hat Federn gelassen. Durch das ständige Umpacken war mir die Ordnung egal, alles rein und fertig. Unsere Klamotten, wir haben sie am Vorabend reingeholt, waren einigermaßen trocken. Was noch feucht war, wurde außen am Rucksack befestigt. Und mit den Ersatzklamotten oder auch der zweiten Garnitur ging es dann los. So einen Rucksack habe ich festgestellt, ist sehr praktisch, universell und auch als Wäschetrockner zu gebrauchen, vorausgesetzt die Sonne scheint.

Der Weg führte über die historische Brücke zunächst eben, dann auf Feldwegen und nach 2,5 km steil bergauf. Am frühen Morgen und so ein Anstieg, meine Güte, aber da muss man durch, endlich nach 4,5 km erreichen wir den nächsten Ort und dann frühstücken. Wir haben uns jeden Morgen auf das Frühstück gefreut, frei nach dem Motto….nach getaner Arbeit, schließlich waren wir schon einige Kilometer gelaufen.
Beeindruckt sind wir von der Landschaft, die Farben, das Licht, die lehmige rote Erde und das satte Grün, herrlich anzusehen. Die Dörfer liegen nicht weit auseinander, im Stundenrhythmus, man fühlt sich zurückversetzt in mittelalterliche Zeiten. Sanfte Hügel mit
Getreide- und Weinanbau und ein ständiges, aber leichtes Auf und Ab. Wir sind beflügelt und könnten die ganze Welt umarmen. Wir sind schon ein gutes Team, einer achtet auf den anderen, gute Gespräche…einfach locker drauf. Die Gespräche gingen mehr in die Alltags Richtung, meine Leute erzählten über sich, das Tagesgeschäft und halt belanglose Dinge. Auch ich war einfach noch nicht so weit, meinen bisherigen Lebensweg offenzulegen. Ich schätze es mal so ein.…..wir genießen den Weg und saugen die Natur und die Landschaften auf, die Glückshormone sind ständig in uns.
Kurz vor Estella haben wir ein Tänzchen hingelegt. Uns kam einer entgegen, was das war, keine Ahnung, einer mit Rastalocken,Gitarre und Hund. Ich habe ihn gefragt, ob er für uns spielen würde. Dann hat er losgelegt…..phantastisch und hat sich fünf Euro verdient.
In Estella angekommen, treffen wir Britta und Hans. Wie abgesprochen sind sie im gleichen Hostel wie wir, ein Mehrbettzimmer mit 12 Schlafplätzen und alles ist belegt. Dann wieder duschen, waschen, Körperpflege, ruhen. Am frühen Abend sind wir dann in der Stadt, am Plaza Mayor haben wir ein Restaurant gefunden und dort zu Abend gegessen. Abends lassen wir den Tag Revue passieren und jeder erzählt von sich , der eine mehr, der andere weniger.

6. Etappe 02.05.2017 von Estella (13.668 EW) nach Torres del Rio (131 EW)
Streckenlänge 30,0 km, Übernachtung Casa Mariella 10,00 Euro. Bisherige Gesamtkilometer 150,0.
Recht bis schlecht geschlafen und ein Schnarcher tat sein Übriges. Alle zusammen sind wir sehr früh , sagen wir mal notgedrungen aufgestanden und losgegangen. Im Übrigen kannte ich meine Steffi (meine heutige Ehefrau) erst 6 Monate, kennengelernt haben wir uns am 23.11.2016, also eine ganz frische Beziehung. Wir standen täglich im telefonischen und mit Whatsapp in Kontakt. Geheiratet haben wir am 20.02.2020! Auch hier glaube ich, dass der Jakobsweg dazu beigetragen hat, zwei Menschen haben sich zusammengefunden, die sehr, sehr glücklich sind.
Nicht unweit von Estella ist das Klosterweingut Irache. Dort gibt es den Fuente de Vino, den Weinbrunnen. Und wirklich, einmal drücken wir am Zapfhahn und es kommt ein kräftiger Schluck Wein. Daneben ist ein Wasserhahn, auf dem Schild steht; das Wasser soll den Pilger erfrischen und den Wein ihn beleben. Also, ganz schnell haben wir uns Becher besorgt und schon ganz früh am Morgen Wein und Wasser getrunken. Das war sehr belebend und das auf nüchternen Magen.
Dann ging’s über einen Campingplatz und Freizeitort durch ein wunderschönes Waldgebiet nach Azoqueta wo gefrühstückt wurde. Anschließend, etwa 12 km weiter nach Los Arcos und dort haben wir dann zu Mittag gegessen. Breit und flach sind die Schotterwege, links und rechts Weinreben im Wechsel mit Getreidefeldern und am Wegesrand Frühjahrsblüher, es dominiert der rote Mohn. Auch schön anzusehen die roten Farbtupfer der Mohnblumen in den Getreidefeldern. Ich bin fasziniert von der Weite und Schönheit der Landschaft, es ist ein Genuss, dies alles aufzusaugen und die Bilder zu verinnerlichen.
Das Wetter war an diesem Tag sehr gemischt, die Regenjacke war Pflicht. Überhaupt war das Wetter in den ersten Tagen sehr wechselhaft, an und für sich ideales Wanderwetter. Mit dem Rucksack hatte ich Frieden geschlossen. In den Tagen zuvor hatte ich die verschiedensten Einstellmöglichkeiten ausprobiert. Jetzt ging es viel leichter und es wurde besser, das Gewicht vom Rucksack spürte ich nicht mehr so arg.
In Torres del Rio suchen wir unsere Herberge, ein Gemisch aus Herberge, Tante Emma Laden und Bar. Wir sind dann nach einer kleinen Mahlzeit noch in eine Bar gegangen und haben einen Absacker getrunken, dann noch ein paar Tapas gegessen und Fußball geschaut. Ein Pilger hat schließlich immer Hunger. Wer arbeitet (wandert) muss essen, der Kalorienverbrauch ist schon enorm.
Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.
Quellen: Es ist Zeit für den Jakobsweg, Outdoor Camino Francés. Die Informationen zur Geschichte des Jakobswegs und von Santiago de Compostela beruhen auf der offiziellen Website des Pilgerbüros in Santiago de Compostela, der Jakobsweg Zentrale “Dein Pilger Magazin”, der UNESCO, sowie ergänzender Fachliteratur wie Ausschnitte aus Längsschnittstudie zu Lebenssinn & Lebensbedeutungen bei Pilgern des Jakobsweges und bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
PS. Zum Schutz der Privatsphäre wurden die Namen geändert und die im Reisebericht verwendeten Bilder stammen überwiegend von mir bzw. vereinzelt von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Reise. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden die Gesichter einzelner abgebildeter Personen unkenntlich gemacht. Bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
Alle veröffentlichen Folgen finden Sie hier:


Schreibe einen Kommentar