Camino Francés 2017 – Folge 11 von 17

Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön

Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen


Folge 11

17. Etap­pe am 13.05.2017 von Calz­adil­la de los Her­ma­nil­los (146EW) nach bis Puen­te Vil­la­ren­te (349EW)

Stre­cken­län­ge 32,0 km, Über­nach­tung Auber­ge San Pau­leye, 12 Euro. Gesamt­ki­lo­me­ter 472,0.

Ire­ne ging es heu­te mor­gen bes­ser, zwar etwas geschwächt, aber sie woll­te unbe­dingt mit, ein­zi­ge Bedin­gung …ohne Ruck­sack. Um den Trans­port der Ruck­sä­cke bis zur nächs­ten Her­ber­ge zu gewähr­leis­ten, lie­gen For­mu­la­re bereit. Die­ses füllt man aus, trägt die nächs­te Her­ber­ge ein, legt fünf Euro in den Umschlag und schon wird der Ruck­sack bis zur ange­ge­be­nen Her­ber­ge trans­por­tiert. Das war im Übri­gen bei uns ein­ma­lig, unser Gepäck hat­ten wir immer am Mann bzw. der Frau. Über­haupt waren unse­re Ladys nicht unter­zu­krie­gen, die Bles­su­ren, Schmer­zen im Knie, Bla­sen an den Füßen und stän­dig Medi­ka­men­te (Vol­ta­ren) neh­men.… Alle Ach­tung und mein größ­ter Respekt. Das glei­che gilt natür­lich auch für Klaus, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl…..meckern gilt nicht. Ich bin von alle­dem ver­schont geblie­ben, zwei bzw. drei klei­ne­re Bla­sen, das war es dann auch. Ich hat­te es schon ein­mal erwähnt….“Hirschtalg“ mein Erfolgs­re­zept.

Heu­te Mor­gen haben wir in der Her­ber­ge gefrühstückt…warum? Wir hat­ten bis zum nächs­ten Ort, Reli­e­gos, kei­ne Mög­lich­keit eine Bar auf­zu­su­chen, es ging 18,5 km durch die Mese­ta, auf die­sem Teil­stück gibt es kei­ne Was­ser­stel­le und wenig Schat­ten. Tags zuvor haben wir uns in einem Super­markt mit ein paar Vor­rä­ten ein­ge­deckt: Bana­nen, Äpfel, Käse und Was­ser. Das Wet­ter war gemischt ide­al zum Wan­dern.

Ire­ne ging es wie­der bes­ser und lach­te bereits…..ein gutes Zei­chen.

Auf dem Cami­no Fran­ces fin­det man immer wie­der Grab­stei­ne, Gedenk­stei­ne oder klei­ne Kreu­ze ent­lang des Weges. Sie haben eine beson­de­re Bedeu­tung. Meist erin­nern sie an Pil­ge­rin­nen und Pil­ger, die auf dem Cami­no ver­stor­ben sind.

Ich ging wie­der so etwas für mich, die ers­ten Kilo­me­ter waren müh­sam und irgend­wie frag­te ich mich, war­um ich mir das über­haupt antue. Dabei muss­te ich an eine Zeit den­ken, in der ich vor einer ganz ähn­li­chen Fra­ge gestan­den habe: Wie geht es wei­ter, wenn man eigent­lich nicht mehr weiß, wohin?

Wir waren jetzt in Puen­te Vil­la­ren­te, kurz vor Leon. Unse­re Her­ber­ge war super, dort ange­kom­men, frag­te man uns nach der Wäsche, die Wasch­ma­schi­ne hät­te doch noch Platz. Die Mädels sam­mel­ten kur­zer­hand alles ein und schon wur­de gewa­schen.… unent­gelt­lich. Ivo war auch da.…die Run­de war also kom­plett und wir hat­ten neben einer guten Unter­hal­tung über den wei­te­ren Ver­lauf der Etap­pen gespro­chen.

An die­sem Nach­mit­tag habe ich mit Juli­as Hil­fe mei­nen Flug umge­bucht, eine Woche frü­her, mei­ne indi­vi­du­el­le Pla­nung war hin. Der Beweg­grund, mei­ne Pil­ger­grup­pe. Anstatt fünf­ein­halb Wochen, dann nur vier­ein­halb Wochen. Kur­zer­hand habe ich Stef­fi ange­ru­fen und ihr davon berich­tet, der Freu­de Aus­druck ihrer­seits am Telefon……einfach nur schön.

Das Abend­essen bzw. Pil­ger­me­nü haben wir auch in der Her­ber­ge ein­ge­nom­men. Ein­fach nur toll mit allen ande­ren Pil­gern am Tisch zu sit­zen und zu kom­mu­ni­zie­ren. Klaus und ich haben uns anschlie­ßend noch eine Fla­sche Wein gegönnt und den Resta­bend mit Klö­nen ver­bracht.

18. Etap­pe am 14.05.2017 von Puen­te Villarente(349EW) nach Vil­l­a­d­an­gos del Para­mo (1.096 EW)

Stre­cken­län­ge 32,0 km, Über­nach­tung Hos­tel Libert­ad, 22,50 Euro. Gesamt­ki­lo­me­ter 504,0.

Ich habe ges­tern von mei­ner Umbu­chung gespro­chen, dem möch­te ich zum bes­se­ren Ver­ständ­nis etwas bei­fü­gen. Geplant hat­te ich 33 Etap­pen, aus denen jetzt 28 Etap­pen wur­den. Der Grund bestand dar­in, dass Julia nur eine bestimm­te Zeit zur Ver­fü­gung hat­te und wir dann jeden Tag etwas „dran­ge­han­gen“ haben, also ich bin täg­lich mehr als geplant gelau­fen. Ich hät­te auch sagen kön­nen: Ok, geht allei­ne wei­ter und ich stre­cke mei­ne rest­li­chen Etap­pen. Das woll­te ich aber nicht. Mei­ne Eupho­rie und Wahr­neh­mun­gen wur­den dadurch nicht beein­träch­tigt.

So und jetzt zur 18. Etap­pe. Das Weg­stück bis Leon ist rasch erzählt, es ist das glanz­lo­ses­te Stück auf dem Jakobs­weg. Bis Leon geht es nur durch Gewer­be­ge­bie­te ent­lang der Auto­bahn bzw. N‑601 in die Stadt hin­ein. Alles wirk­te sehr trostlos….so wie im Herbst…dachte ich mir. Auch nach Leon, der Stadt her­aus, geht es ent­lang der N‑120. Wenn man bis­her nur durch die Stil­le gelau­fen ist und jetzt nur am Stra­ßen­rand der viel befah­re­nen N‑120, grau­sam, ein Kul­tur­schock. Auch gibt es schö­ne Anbli­cke, ich den­ke da an mei­ne Stör­che, über­all sind die Nes­ter gebaut auf Kir­chen, Tür­me und sogar Mas­ten.

Leon selbst haben wir uns ein wenig ange­schaut, Klaus und Ire­ne waren in der Kathe­dra­le, Julia und ich haben uns das Trei­ben auf dem Vor­platz ange­schaut. Vor der Kathe­dra­le haben wir für Klaus Bru­der ein Geburts­tags­vi­deo auf­ge­nom­men. Es war schon bewe­gend, wie Klaus gespro­chen und wel­che lie­ben Wor­te er gewählt hat. Ich glau­be, das hat ihn auch die nächs­ten Tage sehr beschäf­tigt. Wie gesagt, die Etap­pe war recht glanz­los, man hät­te auch Autos zäh­len kön­nen. Aber das gehört auch zum Cami­no.

Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.

Quel­len: Es ist Zeit für den Jakobs­weg, Out­door Cami­no Fran­cés. Die Infor­ma­tio­nen zur Geschich­te des Jakobs­wegs und von Sant­ia­go de Com­pos­te­la beru­hen auf der offi­zi­el­len Web­site des Pil­ger­bü­ros in Sant­ia­go de Com­pos­te­la, der Jakobs­weg Zen­tra­le “Dein Pil­ger Maga­zin”, der UNESCO, sowie ergän­zen­der Fach­li­te­ra­tur wie Aus­schnit­te aus Längs­schnitt­stu­die zu Lebens­sinn & Lebens­be­deu­tun­gen bei Pil­gern des Jakobs­we­ges und bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.

PS. Zum Schutz der Pri­vat­sphä­re wur­den die Namen geän­dert und die im Rei­se­be­richt ver­wen­de­ten Bil­der stam­men über­wie­gend von mir bzw. ver­ein­zelt von Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern der Rei­se. Zum Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te wur­den die Gesich­ter ein­zel­ner abge­bil­de­ter Per­so­nen unkennt­lich gemacht. Bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.


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