Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön
Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen
Folge 9
13. Etappe am 09.05.2017 von Tardajos (794EW) nach bis Castrojeriz (849EW)
Streckenlänge 29,0 km, Übernachtung Hotel Iacobus 20 Euro. Gesamtkilometer 337,0.
Und weiter geht’s, das übliche Ritual…aufstehen, packen, gehen. Geplant sind 29 Kilometer. Die Mädels befassen sich jeden Abend mit der kommenden Etappe, fragen uns… und dann ist gut. Manchmal, die längeren Etappen kommen noch, habe ich gemurrt und dies auch kundgetan. Aber wir hatten ein Ziel vor Augen und das war Santiago. Also liebe Mädels….alles gut.
Ich spürte einen Wandel in mir, die Rucksack-Einstellung passte, die Kilometer merkte ich nicht mehr und tagsüber hatte ich nicht mehr so viel Lust auf Rosato, Carajillo (Kaffee mit Brandy). Ging ich jetzt in eine andere Phase über? Wir waren jetzt zwei Wochen zusammen, euphorisiert und stimmungsvoll war der bisherige Weg. Ich ging jetzt öfter alleine und war für mich, ließ einfach meine Gedanken schweifen, mehr oder weniger das Leben Revue passieren lassen.
Bei Burgos beginnen die Tierras de Campos, die scheinbar unendlichen Getreidefelder der Meseta, der zentral spanischen Hochebene, hier beginnt sie…..die Meseta, es dominieren Flachheit und Eintönigkeit. Nordspanien ist ein Vogelparadies, das enorm häufige Auftreten von Störchen ist beeindruckend. Fasziniert hat mich der Ruf des Kuckucks, von morgens bis abends. Es ist ein einmaliges Naturerlebnis, die Schönheit der Natur, das Vogelgezwitscher, die Störche und der Kuckuck, die Weite, unendliche Weite der Felder und die Farbtupfer der Mohnblüten.
Kurz vor Castrojeriz machten wir noch mal Pause. Wie auf dem Bild zu sehen, ist es uns ganz gut ergangen. Der Wirt war ein guter Gastgeber, eine provisorische Bar….mehr eine Wellblechhütte mit karibischer Musik.
Die letzten 3 Kilometer bis zum Hotel haben wir dann auch noch geschafft. Ivo war auch im Hotel. Den Nachmittag haben wir auf der Hotelterrasse verbracht, etwas getrunken, Tagebuch geführt, Körperpflege betrieben.…jeder nach seinem Geschmack. Es braute sich etwas zusammen, ein Unwetter….nicht bei uns… aber am Himmel. Der Restaurantbereich stand nachher unter Wasser, das Wasser tropfte von der oberen Etage bis in die untere. Ich war in meinem Zimmer und habe das alles gar nicht mitbekommen. Alle Gäste, uns mit eingenommen, haben fleißig geholfen. Der Lohn der Geschichte…..ich brauchte mein Pilgermenü nicht zu zahlen. Man sieht, auf dem Weg ist alles möglich; wenn man verschläft, wird man belohnt.
14. Etappe am 10.05.2017 von Castrojeriz (849EW) nach Carrion de los Condes (2.150 EW)
Streckenlänge 47,0 km, Übernachtung Hostel Plaza Major 20 Euro. Gesamtkilometer 384,0.
Aufgestanden und mein erster Gedanke war….die Königsetappe…wie bei der Tour de France. Wir wollten zu einem bestimmten Zeitpunkt in Santiago sein und da musste eine Doppel-Etappe her…ganz einfach. Ivo hatte das gemacht, er ist die erste Etappe von Saint Jean Pied de Port über Roncesvalles nach Zubiri gelaufen, auch weit über 40 km. Warum sollten wir das nicht nicht machen, eingelaufen waren wir ja. Abgesehen davon war das eine spannende Sache…Körper und Geist in Einklang zu bringen. Ich habe an meine Marathonzeit von damals gedacht….an die Grenzen gehen.
Früh aufgestanden und dann los. Und was für einen Moment, nach etwa 3 Kilometern führt der Pilgerweg in breiten Schleifen über 100 Höhenmeter bis zum Bergplateau Moseltares hinauf. Ein wunderschöner Blick über die Meseta und die Weite der Felder Landschaft, beeindruckend und der schönste Blick, den ich bisher gesehen habe.
Es geht anschließend bergab, breite Lehmwege und Klumpen voller Lehm an den Schuhen bis zum nächsten Ort Itero de la Vega. Auf dem Weg dorthin war Julia so vertieft mit ihrem Reiseführer, dass sie in eine Wasserlache getreten ist, Latschen, Strümpfe….alles nass. Das Schmunzeln konnten wir uns nicht verkneifen…..Julia war stinksauer und hat nur noch… und das auf bayrisch….geflucht. Weiter ging es nach Fromista, etwa 4 Kilometer einen Kanal entlang. Dieser war früher als Transportweg geplant, heute dient er als Bewässerungsanlage für weite Teile der Tierra de Campos. Beeindruckend auch wieder das Vogelgezwitscher, der Ruf des Kuckucks und der Störche.
Nachdem wir den Kanal verlassen hatten, machten wir Mittagspause in Fromista. Hier muss ich sagen, dass es eine Bar ist, die uns gar nicht gefallen hat, unfreundliche Bedienung und schlechtes Essen. Na ja, ein Reinfall muss sein, abhaken und weiter. Ein bisschen Regen, nicht viel, begleitet uns dann weiter. Die Kondition und die Stimmung waren bei allen hervorragend, wir mussten schließlich nach Carrión de los Condes.
In Villarmentero, einem Ort vor Carrion de los Condes, machten Klaus und ich in einer Bar gleichzeitig auch Restaurant nochmal Rast. Die Mädels wollten nicht und gingen weiter. Wir Beide haben dort etwas gegessen und was getrunken, ich wohlgemerkt keinen Alkohol. Nach einer Stunde sind wir dann weiter. Aus dem Restaurant heraus begrüßte uns Ivo aus dem ersten Stock, er hat in dem Restaurant Quartier gemacht. Aus dem Ort heraus wandern wir die Pilger Autobahn (N 120) entlang, sie geht ca. 5 Kilometer geradeaus bis nach Carrión de los Condes.
Dort angekommen haben wir unsere Unterkunft gesucht, ein Vierbettzimmer mit WC, Dusche und frische Handtücher….ein Genuss. Nach der Dusche, Körperpflege und Tagebuch schreiben ging’s dann ins Restaurant. Klaus und das standesgemäß bestellte eine Flasche Cava und bedankte sich und uns für diese hervorragende Tagesleistung….47,0 Kilometer.
Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.
Quellen: Es ist Zeit für den Jakobsweg, Outdoor Camino Francés. Die Informationen zur Geschichte des Jakobswegs und von Santiago de Compostela beruhen auf der offiziellen Website des Pilgerbüros in Santiago de Compostela, der Jakobsweg Zentrale “Dein Pilger Magazin”, der UNESCO, sowie ergänzender Fachliteratur wie Ausschnitte aus Längsschnittstudie zu Lebenssinn & Lebensbedeutungen bei Pilgern des Jakobsweges und bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
PS. Zum Schutz der Privatsphäre wurden die Namen geändert und die im Reisebericht verwendeten Bilder stammen überwiegend von mir bzw. vereinzelt von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Reise. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden die Gesichter einzelner abgebildeter Personen unkenntlich gemacht. Bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
Alle veröffentlichen Folgen finden Sie hier:
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Camino Francés 2017 – Folge 1 von 17
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Camino Francés 2017 – Folge 2 von 17
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Camino Francés 2017 – Folge 3 von 17
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Camino Francés 2017 – Folge 4 von 17
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Camino Francés 2017 – Folge 5 von 17
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Camino Francés 2017 – Folge 6 von 17
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Camino Francés 2017 – Folge 7 von 17
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Camino Francés 2017 – Folge 8 von 17
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Camino Francés 2017 – Folge 9 von 17


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