Camino Francés 2017 – Folge 7 von 17

Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön

Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen


Folge 7

9. Etap­pe am 05.05.2017 von Najera (8.144 EW) nach Gra­jon (275 EW)

Stre­cken­län­ge 29,0 km, Über­nach­tung Casa Rural (pri­va­te Her­ber­ge) 17,00 Euro. Bis­he­ri­ge Gesamt­ki­lo­me­ter 231,0.

Ein neu­er Tag und es geht wei­ter, der Weg ist breit, links und rechts schein­bar end­lo­se Getrei­de­fel­der, bis zum Hori­zont, unend­lich schön. Ist das hier schon die Mese­ta, nein, die Hoch­ebe­ne von Rio­ja Alta. Ein Vier­tel des Gesamt­wer­tes habe ich geschafft, Wahn­sinn 8 Tage hin­ter­ein­an­der zu lau­fen, mit Gepäck und ohne gro­ße Pro­ble­me. Gott sei Dank, die Füße hal­ten, kei­ne Bla­sen, kein Mus­kel­ka­ter, es läuft wie geschmiert.

Statt Wein wird hier Getrei­de ange­baut, es beginnt die Tier­ra de Cam­pos, die Korn­kam­mer Spa­ni­ens. Wie wird es in der Mese­ta sein, ähn­lich oder anders….Ich bin sehr gespannt. Auf ein­mal sind wir in Cirue­na, eine rie­si­ge Wohn­sied­lung, ein Golf­platz und vie­les unbe­wohnt. Es scheint eine Feri­en­sied­lung zu sein.

Heu­te habe ich ein sym­pa­thi­sches Schwei­zer Geschwis­ter­paar getrof­fen, in den nächs­ten bei­den Tagen sind wir pha­sen­wei­se zusam­men gegan­gen. Die bei­den machen den Weg, weil sie vor zwei Jah­ren ihre Eltern ver­lo­ren haben. Schick­sa­le und Beweg­grün­de, manch­mal ist das alles sehr tra­gisch. Aber man spricht drü­ber und das tut gut. Und hier tref­fen wir Julia. Das ist der Tag, an dem sie dann bei uns ver­blie­ben ist. Und Julia war so etwas wie unser Navi­ga­tor, sie hat die Tages­etap­pen und auch die Her­ber­gen fest­ge­legt. Julia, ich habe mich manch­mal äußer­lich und inner­lich auf­ge­regt wegen der Etap­pen­län­ge.…. aber du hast das super gemacht…..DANKESCHÖN.

Das Wet­ter ist heu­te sehr gemischt, Haupt­sa­che kein Regen. Mit­tags sind wir in San­ta Dom­in­go de la Calzada ein­ge­kehrt. Wir haben alle unse­ren ers­ten Pul­po geges­sen. Wir waren alle zufrie­den, die Tel­ler waren jeden­falls leer. Nicht nur die Tel­ler, auch die Fla­schen.

Nach der Mit­tags­pau­se ging’s dann wei­ter leicht berg­auf nach Gra­non. Ein sehr klei­ner Ort mit weni­gen Her­ber­gen, die Bar, eine Kom­bi­na­ti­on aus Tan­te Emma Laden und Restau­rant war über­füllt und laut. Uns hat es kei­nen Spaß gemacht. Kur­zer­hand haben wir ein­ge­kauft und haben in unse­rer pri­va­ten Her­ber­ge selbst gekocht. Anschlie­ßend sind wir noch in eine Dorf­knei­pe gegan­gen, haben uns an die The­ke gesetzt, ein, zwei oder drei Bier­chen getrun­ken und Erd­nüs­se geges­sen. Die­se haben wir vom Wirt als Zuga­be bekom­men und üblich ist es, dass man die Scha­len auf den Boden schmeißt, gesagt, getan. Und zum Schluss noch ein Lie­bes­be­weis (bit­te genau hin­schau­en) an unse­re liebs­ten zu Hau­se.

10. Etap­pe am 06.05.2017 von Gra­jon (275 EW) nach Vil­lafran­ca Mon­tes de Oca (3.115 EW)

Stre­cken­län­ge 29,0 km, Über­nach­tung Hotel und Her­ber­ge zugleich San Anto­nio Abad 10,00, Bis­he­ri­ge Gesamt­ki­lo­me­ter 260,0.

Heu­te Mor­gen war es sehr frisch und vor allem win­dig, Gegen­wind, der es in sich hat­te. Kurz hin­ter Gra­non errei­chen wir die nächs­te Regi­on, Kastilien/Leon.

Hier durch­wan­dern wir die wei­ten Ebe­nen und Land­schaf­ten der Mese­ta. Es wird geschrie­ben, der Weg ver­langt den Pil­gern eiser­ne Wil­lens­stär­ke ab…..lassen wir uns mal über­ra­schen. Ich bin nach wie vor noch sehr eupho­ri­siert und moti­viert. Die Ruhe habe ich noch nicht gefun­den, viel­leicht ist es noch zu früh. Man sagt, der Weg ist in drei Etap­pen unter­teilt: phy­sisch, emo­tio­nal und spi­ri­tu­ell. Ich befin­de mich, so glau­be ich in der phy­si­schen Pha­se.

Aus der gan­zen Welt kom­men die Men­schen und wol­len zum Grab des hei­li­gen Jako­bus. Ich habe Pil­ger getrof­fen aus Korea, Süd­afri­ka, Nord- und Süd­ame­ri­ka und aus ganz Euro­pa. Mit ein wenig Eng­lisch kann man sich mit fast allen unter­hal­ten, zum Teil mit Hän­den und Füßen. Egal aus wel­chen Grün­den und Moti­ven, der Weg lässt inne­hal­ten, berührt und rüt­telt wach.

Wie schon erwähnt, war es heu­te sehr win­dig und ich habe die Etap­pe bis Bel­o­ra­do als ziem­lich hart emp­fun­den. In Bel­o­ra­do haben wir Mit­tags­pau­se gemacht. Am Pla­za Mayor haben wir in der Son­ne geses­sen, zu Mit­tag geges­sen und Rosa­to getrun­ken.

Von Böl­ler­schüs­sen wur­den wir über­rascht. Auf ein­mal war ein Kriegs Gewirr auf dem Pla­za Mayor…..ein Vete­ra­nen­tref­fen mit his­to­ri­schen Uni­for­men vie­ler Län­der, Fahr­zeu­ge und sons­ti­gen Uten­si­li­en aus dem 2. Welt­krieg. Beein­dru­ckend und zugleich Angst­ein­flö­ßend, so mei­ne Gedan­ken und hof­fent­lich nie wie­der Krieg. Und es ist gut, dass es sol­che Tref­fen gibt, um das Schlim­me und Ver­hee­ren­de immer als Mah­nung in Erin­ne­rung zu hal­ten. Ivo aus Kärn­ten war auch am Platz und hat sich zu uns gesellt. Ein net­ter Kerl und wir tref­fen uns in regel­mä­ßi­gen Abstän­den wie­der. Die Mädels, Klaus und ich sind in jedem Fall froh, so einen tol­len Bur­schen und net­ten Zeit­ge­nos­sen bei uns zu haben. Das passt ein­fach sehr gut. Immer wenn wir ihn sehen, ist die Freu­de groß…..Ivo schön, dass wir uns begeg­net sind.

Dann geht’s wei­ter nach Vil­lafran­ca del Bier­zo. Wir sind froh eine schö­ne Her­ber­ge gefun­den zu haben, ein Hotel­kom­plex mit Herberge….nicht schlecht. Klaus und ich mel­den uns zum Essen an und geneh­mi­gen uns das Pil­ger­me­nü. Die Mädels woll­ten für sich sein und blie­ben im Zim­mer. Es war ein har­ter Tag heu­te und die Ruhe haben wir uns alle ver­dient.

Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.

Quel­len: Es ist Zeit für den Jakobs­weg, Out­door Cami­no Fran­cés. Die Infor­ma­tio­nen zur Geschich­te des Jakobs­wegs und von Sant­ia­go de Com­pos­te­la beru­hen auf der offi­zi­el­len Web­site des Pil­ger­bü­ros in Sant­ia­go de Com­pos­te­la, der Jakobs­weg Zen­tra­le “Dein Pil­ger Maga­zin”, der UNESCO, sowie ergän­zen­der Fach­li­te­ra­tur wie Aus­schnit­te aus Längs­schnitt­stu­die zu Lebens­sinn & Lebens­be­deu­tun­gen bei Pil­gern des Jakobs­we­ges und bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.

PS. Zum Schutz der Pri­vat­sphä­re wur­den die Namen geän­dert und die im Rei­se­be­richt ver­wen­de­ten Bil­der stam­men über­wie­gend von mir bzw. ver­ein­zelt von Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern der Rei­se. Zum Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te wur­den die Gesich­ter ein­zel­ner abge­bil­de­ter Per­so­nen unkennt­lich gemacht. Bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.


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