Camino Francés 2017 – Folge 13 von 17

Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön

Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen


Folge 13

21. Etap­pe am 17.05.2017 von Fon­ce­ba­don (13 EW) nach Pon­fer­ra­da (66.447EW)

Stre­cken­län­ge 27,0 km, Über­nach­tung Hos­tel Guja­na, 16,00 Euro…..super. Gesamt­ki­lo­me­ter 598,0.

Heu­te Mor­gen reg­net es und das bestän­dig, es ist das ers­te Mal, dass wir bei Regen los­lau­fen. Aber was soll es, die Regen­kla­mot­ten an und dann los….wir sind ja nicht aus Zucker. Die fri­sche Kraft beflü­gelt uns, den Auf­stieg zum 1.504 Meter hohen Cruz de Fer­ro in Angriff zu neh­men, jenem Eisen­kreuz, das auf einem meter­ho­hen Baum­stamm steckt, umge­ben von Wäl­dern und Gebirgs­ku­lis­sen der atem­be­rau­ben­den Berg­land­schaft des Mon­tes de León, wel­che wir heu­te durch­wan­dern.

Am Cruz de Fer­ro legen Pil­ger am Kreuz­stamm seit alten Zei­ten einen Stein nie­der. Dies sym­bo­li­siert die Abla­ge von Sün­den, Sor­gen und der Last per­sön­li­cher Din­ge. Auch ich hat­te in mei­nem Ruck­sack einen Stein von zu Hau­se mit­ge­bracht und am Kreuz abge­legt. Für mich war die­ser Ort der sym­bol­träch­tigs­te Punkt des gesam­ten Jakobs­we­ges. Inne­hal­ten, ein Gebet spre­chen und das Able­gen der Stei­ne als sym­bo­li­sches Zei­chen der inne­ren per­sön­li­chen Las­ten.

Das Wet­ter wur­de bes­ser und der Regen hör­te auf, all­mäh­lich kam die Son­ne raus. Am nächs­ten Ort ange­kom­men, wur­den zuerst die nas­sen Kla­mot­ten auf­ge­hängt und anschlie­ßend gut gefrüh­stückt.

In Pon­fer­ra­da such­ten wir zunächst unse­re Unter­kunft, Ivo war auch schon da und begrüß­te uns. Unser Hos­tel war ein­sa­me Spit­zen­klas­se, wirk­lich top und auf einem hohen Niveau. Ivo wohn­te gegen­über von uns…standesgemäß im bes­ten Hotel der Stadt. Am Nach­mit­tag stand eine Stadt­be­sich­ti­gung an und natür­lich die Besich­ti­gung der Temp­ler­burg, die vom 12./13. Jh. von den Temp­lern erbaut wur­de.

22. Etap­pe am 18.05.2017von Pon­fer­ra­da(66.447EW) nach Trab­a­de­lo (366 EW)

Stre­cken­län­ge 37,0 km, Über­nach­tung Alber­gue Cami­no y Ley­eb­da, 10,00 Euro. Gesamt­ki­lo­me­ter 635,0.

Über­schwäng­lich sind wir heu­te mor­gen los­ge­lau­fen, der gest­ri­ge Tag und das Hos­tel waren ein­fach super. In der mor­gend­li­chen Eupho­rie haben wir uns das ers­te Mal ver­lau­fen. So ist das halt, die Schil­der nicht beach­tet und schon ist es pas­siert. Einen Vor­teil hat­te das gan­ze …Julia hat einen Ban­ko­mat gefun­den.

Aus der Stadt her­aus fan­den wir dann doch sehr schnell und der Weg ging in eine wun­der­vol­le Land­schaft über. Leh­mi­ge, leicht gewell­te und tro­cke­ne Wege führ­ten uns durch Wein­ber­ge und klei­ne Wäl­der.

Heu­te bin ich wie­der viel allei­ne und in Gedan­ken ver­sun­ken gewan­dert. Die Erin­ne­run­gen, man denkt über vie­les nach, Fami­lie, Kin­der, Beruf, Altes und Neu­es, die gewon­ne­nen Ein­drü­cke, Begeg­nun­gen, Land­schaf­ten, unse­re Gruppe….es sind vie­le Din­ge, die einen so bewe­gen.

Vie­les hat­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Spu­ren hin­ter­las­sen, halt ein Lebens­weg mit Höhen und Tie­fen. Nach außen ging es immer wei­ter, irgend­wie muss­te es ja wei­ter­ge­hen. Irgend­wann merk­te ich, dass mei­ne Kräf­te nicht unend­lich waren, ich hat­te Burn-out. Plötz­lich war nichts mehr selbst­ver­ständ­lich, das, was ich über Jah­re geschafft und aus­ge­hal­ten hat­te, funk­tio­nier­te nicht mehr. Ich muss­te ler­nen, inne­zu­hal­ten. In der Reha, im Som­mer 2016, hat­te ich Zeit, über mich, mein Leben und die vie­len Jah­re nach­zu­den­ken, in denen ich viel­leicht mehr funk­tio­niert als gelebt habe.

In die­sem, für mich ent­schei­den­dem Jahr, beschloss ich einen ande­ren Weg zu gehen, alles umkrem­peln, den Job an den Nagel hän­gen, Pri­va­tier zu wer­den und mich lang­sam auf die Ren­te vor­zu­be­rei­ten.

Und dann kam etwas, womit ich viel­leicht selbst nicht mehr gerech­net hat­te. Ich lern­te zu die­ser Zeit mei­ne jet­zi­ge Frau ken­nen. Sie trat nicht ein­fach nur in mei­nem Leben. Sie gab mir etwas zurück, das ich zu die­sem Zeit­punkt ein Stück ver­lo­ren hat­te: Lebens­qua­li­tät und mein altes Ich.

Mein High­light des heu­ti­gen Tages: fri­sche Kirschen…..nicht gekauft, son­dern vom Baum gepflückt. In einem Abschnitt stan­den Obst- und Kirsch­bäu­me zwi­schen den Wein­re­ben, die Kir­schen leuch­tend rot……man muss­te nur zugreifen…..zum Naschen per­fekt.

Der Kol­le­ge auf dem obe­ren Bild wan­der­te nost­al­gisch nach Sant­ia­go, wir in High­tech-Kla­mot­ten und er…..so wie in Cae­sars Zei­ten.

Dann war da noch was Julia…die Kaffeebar…..weißt du noch wie sehr du von dem gut aus­se­hen­den Bar­kee­per geschwärmt hast. Blei­ben konn­ten wir ja nicht…..Santiago war das Ziel.

Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.

Quel­len: Es ist Zeit für den Jakobs­weg, Out­door Cami­no Fran­cés. Die Infor­ma­tio­nen zur Geschich­te des Jakobs­wegs und von Sant­ia­go de Com­pos­te­la beru­hen auf der offi­zi­el­len Web­site des Pil­ger­bü­ros in Sant­ia­go de Com­pos­te­la, der Jakobs­weg Zen­tra­le “Dein Pil­ger Maga­zin”, der UNESCO, sowie ergän­zen­der Fach­li­te­ra­tur wie Aus­schnit­te aus Längs­schnitt­stu­die zu Lebens­sinn & Lebens­be­deu­tun­gen bei Pil­gern des Jakobs­we­ges und bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.

PS. Zum Schutz der Pri­vat­sphä­re wur­den die Namen geän­dert und die im Rei­se­be­richt ver­wen­de­ten Bil­der stam­men über­wie­gend von mir bzw. ver­ein­zelt von Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern der Rei­se. Zum Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te wur­den die Gesich­ter ein­zel­ner abge­bil­de­ter Per­so­nen unkennt­lich gemacht. Bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.


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