Camino Francés 2017 – Folge 10 von 17

Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön

Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen


Folge 10

15. Etap­pe am 11.05.2017 von Car­ri­on de los Con­des (2.150 EW) nach Mora­ti­nos (61EW)

Stre­cken­län­ge 32,0 km, Über­nach­tung, Auber­ge San Bru­no, 12 Euro. Gesamt­ki­lo­me­ter 416,0.

Mese­ta pur…so der Rei­se­füh­rer, das nun fol­gen­de Stück gehört min­des­tens bis vor eini­gen Jah­ren zu den här­tes­ten und für vie­le auch zu den spi­ri­tu­ell auf­re­gends­ten des Weges. Heu­te haben die vor Jah­ren gepflanz­ten Bäu­me am Weg­rand eine statt­li­che Grö­ße erreicht und spen­den auf wei­ten Stre­cken des Weges etwas Schat­ten. Mei­ne Mei­nung dazu, hart und aufregend….kann ich nicht sagen, eher eine nor­ma­le Etap­pe.

Aus­ge­ruht und aus­ge­schla­fen haben wir uns auf den Weg gemacht. Nach gut 8 Kilo­me­tern erreich­ten wir den Ein­stieg der Mese­ta, hier führ­te der Jakobs­weg 12 Kilo­me­ter über die Ori­gi­nal­rou­te, der alten Römer­stra­ße, via Aqui­ta­nia. Das Wet­ter war sehr gemischt, dunk­le Wol­ken und ein enorm star­ker Wind beglei­te­ten uns, der Wind immer wech­selnd und häu­fig von der Sei­te. Fast zwei Drit­tel des Stre­cken­ab­schnit­tes bin ich allei­ne gegan­gen, Klaus ging wie immer vor, ich in der Mit­te und Ire­ne und Julia hin­ter mir.

Nach­ge­dacht habe ich über Gott und die Welt, über mei­nen bis­he­ri­gen Lebens­weg, mei­ne Fami­lie, den Kin­dern und Ste­fa­ni­ja, wel­che ich vor ein paar Mona­ten ken­nen­ge­lernt habe. Auch war ich mit den Ele­men­ten Wind und Regen….ein Wech­sel­spiel. Dann end­lich in Calz­adil­la de la Cueza….die Feu­er­pro­be bestan­den und die Mese­ta geschafft. Glück­lich und erschöpft, zugleich erspäh­ten wir den Ruck­sack von Klaus vor der ers­ten Bar. Schnell rein, Platz genom­men, aus­gie­big geges­sen und getrun­ken. Der Kärnt­ner war auch in der Bar, die rest­li­chen Kilo­me­ter bis zu unse­rer Her­ber­ge hat er uns beglei­tet. Ich hat­te nun die Mög­lich­keit mit ihm ein wenig zu gehen, man unter­hält sich über aller­welts Din­ge, erzählt wo man her­kommt und bespricht die­ses und jenes. Klar haben wir uns auch über die Beweg­grün­de des Gehens und des “warum’s” unter­hal­ten. Jeder hat sei­ne Geschich­te erzählt. Näher möch­te ich auch nicht dar­auf ein­ge­hen. Es tut ein­fach gut, sich mit bis dato wild­frem­den Men­schen zu unter­hal­ten. So fremd war Ivo uns ja auch nicht, zwi­schen­durch haben wir uns ja des Öfte­ren getrof­fen. Das Ver­trau­en war ein­fach da, nicht nur bei mir, son­dern auch bei mei­nen drei Mit­wan­dern und Ivo der Kärnt­ner gehör­te dazu.

End­lich ange­kom­men in Ter­ra­dil­los de los Templarios…..aber Pus­te­ku­chen, die Her­ber­gen waren alle belegt. Ich war ziem­lich ver­är­gert und warf mei­nen Ruck­sack in irgend­ei­ne Ecke des Weges. Wir muss­ten wei­ter, noch 3,5 Kilo­me­ter bis Mora­ti­nos. Dort ange­kom­men hat es mit der Her­ber­ge funk­tio­niert, Klaus, ich und Ivo in einem Drei­er und die Mädels in einem Zweierzimmer….nicht die bes­te Her­ber­ge, aber was soll es. Nach der rou­ti­ne­mä­ßi­gen täg­li­chen Pro­ze­dur, duschen, waschen, ruhen, Kör­per­pfle­ge und Tage­buch schrei­ben fan­den wir eine fan­tas­ti­sche Bar.

Berg­fest hat­ten wir, ja die Hälf­te des Weges hat­ten wir geschafft. Nach reich­li­chem Genuss von Bier, Wein, Tapas und Pael­la spen­dier­te Klaus noch eine Fla­sche Cava, wobei der Kor­ken bis zur Decke schoss. So hat­ten wir einen tol­len Abend mit viel Spass.

16. Etap­pe am 12.05.2017 Mora­ti­nos (61EW) nach Calz­adil­la de los Her­ma­nil­los (146EW)

Stre­cken­län­ge 24,0 km, Über­nach­tung Auber­ge Via Tra­ja­na, 15 Euro. Gesamt­ki­lo­me­ter 440,0.

Heu­te Mor­gen ging es Ire­ne gar nicht gut. Sie hat­te sich wohl einen Infekt ein­ge­fan­gen und jeder Schritt tat dop­pelt weh. Das Wet­ter war sehr wech­sel­haft, kalt, win­dig und zeit­wei­se Regen. Ivo war vor uns weg. Ire­ne hat auf unse­ren Rat hin in Saha­gun die Etap­pe been­det und ist mit dem Taxi zur Her­ber­ge gefah­ren. Wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr und fal­scher Ehr­geiz wäre der größ­te Feh­ler.

Über­haupt die Begeg­nun­gen, da waren die Frei­bur­ger und Süd­afri­ka­ner, jeweils Drei­er­grup­pen, Wer­ner aus dem Frank­fur­ter Raum, er war der­je­ni­ge, der die ers­te Etap­pe mit einer Taxi­fahrt ange­fan­gen hat und eini­ge Pil­ger mehr. Immer wenn wir uns sahen, gab es einen net­ten Plausch bzw. sind wir zusam­men ein Stück des Weges gegan­gen. Man freut sich ein­fach die Pil­ger-Kol­le­gen zu sehen, man­che nur ein- zwei Mal, ande­re öfter. So ist das auf dem Cami­no, man sieht sich und ver­liert sich.

Hin­weis­schil­der unter­schied­lichs­ter Art sind auf dem Weg zu fin­den, bunt gemischt und ein­falls­reich….

……..und immer ist was für „Ver­lieb­te“ oder die daheim­ge­blie­be­nen dabei.

Der Weg zog sich heu­te wie Kau­gum­mi, die letz­ten Kilo­me­ter bis zur Her­ber­ge waren ziem­lich hart, der Weg eine brei­te und leh­mi­ge Schot­ter­pis­te. Klaus war schon wei­ter vor, Julia in der Mit­te und ich zum Schluss. Vie­le Gedan­ken gin­gen mir durch den Kopf. Ich habe sehr oft das Wort „Dan­ke­schön“ in mei­nen Gedan­ken gehabt. Schließ­lich habe ich mir vor vie­len Jah­ren ein Ver­spre­chen gege­ben und ich bin dabei, die­ses Ver­spre­chen ein­zu­lö­sen, für mich ein bewe­gen­der Moment.

In der Her­ber­ge ange­kom­men tra­fen wir wie­der auf Ire­ne, noch ein wenig kränk­lich, ein­ge­mum­melt in Decken und sie freu­te sich, uns wie­der­zu­se­hen. Wir hat­ten ein Vier­bett­zim­mer, alles ordent­lich und….frische Hand­tü­cher. Über­haupt waren die Her­ber­gen und Hos­tels recht ordent­lich, bis­her haben wir alles gehabt, Mehr­bett­räu­me von auf­stei­gend 4 bis 50 Bet­ten und alles soweit in Ord­nung. Es geht also doch, habe ich gedacht. In mei­ner beruf­li­chen Zeit habe ich in etwa mehr als 1.000 Hotels über­nach­tet, immer in schö­nen Häu­ser, ser­vier­tes Früh­stück und ange­neh­me Ambi­en­te. Und jetzt in Herbergen….eine tol­le Erfah­rung und….weniger ist mehr.

Heu­te Abend waren wir wie­der alle zusam­men. Nach einem lecke­ren Abend­essen und Gute Gesprä­che haben wir den Abend aus­klin­gen las­sen.

Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.

Quel­len: Es ist Zeit für den Jakobs­weg, Out­door Cami­no Fran­cés. Die Infor­ma­tio­nen zur Geschich­te des Jakobs­wegs und von Sant­ia­go de Com­pos­te­la beru­hen auf der offi­zi­el­len Web­site des Pil­ger­bü­ros in Sant­ia­go de Com­pos­te­la, der Jakobs­weg Zen­tra­le “Dein Pil­ger Maga­zin”, der UNESCO, sowie ergän­zen­der Fach­li­te­ra­tur wie Aus­schnit­te aus Längs­schnitt­stu­die zu Lebens­sinn & Lebens­be­deu­tun­gen bei Pil­gern des Jakobs­we­ges und bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.

PS. Zum Schutz der Pri­vat­sphä­re wur­den die Namen geän­dert und die im Rei­se­be­richt ver­wen­de­ten Bil­der stam­men über­wie­gend von mir bzw. ver­ein­zelt von Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern der Rei­se. Zum Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te wur­den die Gesich­ter ein­zel­ner abge­bil­de­ter Per­so­nen unkennt­lich gemacht. Bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.


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Kommentare

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Ein Kommentar zu „Camino Francés 2017 – Folge 10 von 17“

  1. Avatar von RA Stefan Markel
    RA Stefan Markel

    * umarm und auf die Schul­ter klopf*

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