Camino Francés 2017 – Folge 15 von 17

Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön

Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen


Folge 15

25. Etap­pe am 21.05.2017 von Sar­ria (13.400 EW) nach Gon­zar (51EW)

Stre­cken­län­ge 31,0 km, Über­nach­tung Auber­ge Gar­cia 17,00 Euro (sehr gut). Gesamt­ki­lo­me­ter 727,0.

Früh auf­ge­stan­den und dann los, von Sar­ria aus der Stadt hin­aus geht es zunächst stän­dig berg­auf. So früh am Mor­gen und dann die­se Anstren­gung. Mein Gott habe ich gedacht, der hei­li­ge Jakob macht es uns auf den letz­ten 100 Kilo­me­tern nicht ein­fa­cher.

Die letz­ten 100 km, ab Sar­ria, ist der Cami­no deut­lich stär­ker fre­quen­tiert. Der Grund ist vor allem die Com­pos­te­la-Regel: Wer zu Fuß die letz­ten 100 km nach Sant­ia­go geht, kann die Com­pos­te­la erhal­ten. Genau des­halb star­ten vie­le Pil­ger genau in Sar­ria.

Jeder ist so in sei­nem Tem­po gelau­fen, Klaus vor­an und wir dahin­ter. Wie schon ein­mal erwähnt, Klaus war uns beim Gehen immer vor­aus, kein Weg war ihm zu lang. Der Kerl war ein­fach nicht klein zu krie­gen. Ire­ne muss­te ihn öfter zügeln…..aber…..Klaus….machte sein Ding. Die Toch­ter von Klaus ist immer acht­sam und ver­nünf­tig, Recht hat sie gehabt, der jüngs­te ist Klaus auch nicht mehr……aber……alles gut gegan­gen.

Trotz der Anstren­gung war es ein­fach nur herr­lich mit dem Son­nen­auf­gang den Tag zu begrü­ßen. Es war drü­ckend und schwül zugleich, dann der Ruck­sack… nur lang­sam kamen wir vor­an. Am frü­hen Vor­mit­tag kamen uns, so dem Anschein nach und dach­ten wir, ein Pulk behin­der­te Men­schen ent­ge­gen und bet­tel­ten um Geld. Der ein oder ande­re gab was. Mit Mün­zen waren Sie nicht zufrie­den, Schei­ne waren Ihnen lie­ber. Es stell­te sich spä­ter her­aus dass es sich um quietsch­fi­de­le Sin­ti und Roma han­del­te, die ver­such­ten, mit die­ser Masche an Geld zu kom­men. So plötz­lich wie sie auf­tauch­ten, waren sie auch wie­der weg. Im Übri­gens haben sie von mir nichts bekom­men.

Der Weg bis Por­to­ma­rin (bekannt durch einen rie­si­gen Stau­see) zeigt Gali­ci­en noch­mal von sei­ner schöns­ten Sei­te, es geht vor­bei an saf­ti­gen Kuh­wei­den, durch unzäh­li­ge klei­ne Gehöf­te und Wäl­der. In Por­to­ma­rin ange­kom­men, über­schrei­ten wir die Brü­cke und gehen in vie­le Stu­fen in den Ort hin­ein. Die Mädels gehen wei­ter, Klaus und ich ver­wei­len noch in einem Restau­rant bei einem guten Gespräch und gutem Essen.

Nach dem spä­ten Mit­tag­essen geht’s dann wei­ter, anfangs leicht berg­auf durch einen Wald, dann ent­lang einer Land­stra­ße, vor­bei an einer Zie­gel- und Hüh­ner­fa­brik. Fast zwei Stun­den lau­fen wir so. Mei­ne Gedan­ken brin­gen mich zu mei­nen Erleb­nis­sen auf die­sem Weg zurück. Welch wun­der­ba­ren Land­schaf­ten durf­te ich durch­wan­dern und dann die Begeg­nun­gen, unse­re Trup­pe und vie­les mehr. Das ist es, was die­sen Weg aus­macht und Leben gibt.

Und dann waren wir auch schon in Gon­zar, ein klei­ner und schö­ner Ort. Gut haben wir es wie­der ange­trof­fen, die Her­ber­ge, das Abendessen…..und der Schwei­zer vom Vor­tag war auch da…….man sieht sich immer wie­der.

26. Etap­pe am 22.05.2017 von Gon­zar (51EW) nach Mel­i­de (7.488 EW)

Stre­cken­län­ge 31,0 km, Über­nach­tung Hos­tel el Moli­no 15,00 Euro. Gesamt­ki­lo­me­ter 760,0.

Wie so oft in den letz­ten Tagen gehen mei­ne Gedan­ken vor­aus nach Sant­ia­go, mann kann es auch so ausdrücken….als wenn Kin­der unge­dul­dig auf ein Fest war­ten, sagen die Eltern: „Noch zwei­mal schla­fen, dann hast du Geburts­tag oder noch zwei­mal schla­fen, dann kommt das “Christ­kind”. Auch schwei­fen mei­ne Gedan­ken nach hin­ten und las­sen den Weg Revue pas­sie­ren. In mei­nen Gedan­ken kom­men mei­ne lie­ben zu Hau­se jeden Tag vor, mei­ne Kin­der, Stef­fi, unser Kater Mar­vin, mei­ne Geschwis­ter, die Lever­ku­se­ner Vla­do, Dag­mar mit Mario, Lutz und Anja mit Paul, die Freun­de in Wer­mels­kir­chen und vie­le mehr. Wenn man dar­über nach­denkt, ver­ge­hen die Stun­den im Schlaf und wenn man sich ver­sieht, ist der Tag auch wie­der geschafft. Heu­te am frü­hen Mor­gen war ich wie­der allei­ne unter­wegs, habe halt gemacht inne gehal­ten in einer wun­der­schö­nen Kapel­le. Obwohl ich nicht so christ­lich bin, geben mir sol­che Momen­te Kraft, inne­re Ruhe und Befrie­di­gung zugleich.

Die heu­ti­ge Etap­pe führt uns nach Mel­i­de. Mel­i­de ist die Pul­po Hoch­burg in Spa­ni­en. Was in Bay­ern, die Bier­gär­ten… sind in Gali­ci­en die Pul­pe­ri­as. Pul­po ist eine gali­zi­sche Spe­zia­li­tät, näm­lich eine gekoch­te Kra­ke mit Öl, Salz und Papri­ka. Natür­lich haben wir alle in einer Pul­pe­ria zu Abend geges­sen.

Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.

Quel­len: Es ist Zeit für den Jakobs­weg, Out­door Cami­no Fran­cés. Die Infor­ma­tio­nen zur Geschich­te des Jakobs­wegs und von Sant­ia­go de Com­pos­te­la beru­hen auf der offi­zi­el­len Web­site des Pil­ger­bü­ros in Sant­ia­go de Com­pos­te­la, der Jakobs­weg Zen­tra­le “Dein Pil­ger Maga­zin”, der UNESCO, sowie ergän­zen­der Fach­li­te­ra­tur wie Aus­schnit­te aus Längs­schnitt­stu­die zu Lebens­sinn & Lebens­be­deu­tun­gen bei Pil­gern des Jakobs­we­ges und bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.

PS. Zum Schutz der Pri­vat­sphä­re wur­den die Namen geän­dert und die im Rei­se­be­richt ver­wen­de­ten Bil­der stam­men über­wie­gend von mir bzw. ver­ein­zelt von Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mern der Rei­se. Zum Schutz der Per­sön­lich­keits­rech­te wur­den die Gesich­ter ein­zel­ner abge­bil­de­ter Per­so­nen unkennt­lich gemacht. Bei der Ver­wen­dung von Tex­ten und Infor­ma­tio­nen wur­den von mir bekann­ten Quel­len- und Urhe­ber­an­ga­ben ver­wen­det.


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