Ein Weg, viele Begegnungen, ein Dankeschön
Ein Reisebericht von einem Pilger aus Wermelskirchen
Folge 8
11. Etappe am 07.05.2017 von Villafranca Montes de Oca (3.115 EW) nach Orbaneja
Riopico (261 EW)
Streckenlänge 27,0 km, Übernachtung Auberge Municipal el Peregrino 6 Euro.
Bisherige Gesamtkilometer 287,0.
Gleich hinter Villafranca geht es steil in die Berge. Die dichten Wälder beeindrucken und verbreiten eine zauberhafte Stimmung. Es geht durch die Montes de Oca, was so viel wie Gänseberge bedeutet. Der höchste Punkt liegt bei ca. 1.160 m und hier hat man einen schönen Rundblick über die dicht bewaldeten Oca Berge.
Das Stimmungsbild von mir war ein wenig gereizt. Nach einer gewissen Zeit drehte ich mein Tempo etwas höher und lief dann zwangsweise immer vorneweg. Ich fand es nicht schlimm, schön war, dass wir uns dann mittags irgendwo an einer Bar getroffen und was gegessen haben. Es ist halt so wie im wahren Leben, Stimmungsschwankungen gehören dazu. Jeder von uns hat so einen Moment immer mal gehabt. Einfach in Ruhe lassen und alles andere kommt dann von selbst.
Heute war es sehr heiß und wir hatten zu kämpfen….ich dachte nur so für mich; mein Gott was machen die Pilger im Hochsommer bei diesen Temperaturen? Harald dachte ich bei mir, diese Jahreszeit, alles richtig gemacht mit wechselnden Temperaturen. In Cardenuela Riopico machten wir noch einmal Rast. Zu erwähnen sei noch, dass der Camino Frances ein Wirtschaftszweig ist. Die Wegeführung ist so gestaltet, dass man immer durch Ortschaften, mehr oder weniger, kommt. Seitens der Verpflegung ist das kein größeres Problem. Sollte es mal nicht so sein, steht irgendwo in der Pampa eine mobile Bar.….mit zivilen Preisen.
In Orbaneja Riopico angekommen, dann das tägliche Ritual, waschen, duschen, ruhen. Am frühen Abend fahren meine Mitpilger mit dem Taxi nach Burgos. Sie wollen die Stadt in der Abenddämmerung erleben. Ich bleibe hier und hatte keine Lust ‚ich brauchte ein bisschen Ruhe und um einmal alleine zu sein…ich habe es genossen.
12. Etappe am 08.05.2017 von Orbaneja Riopico (261 EW) nach Tardajos (794EW)
Streckenlänge 21,0 km, Übernachtung Auberge La Casa de Beli, 4‑Bettzimmer, 20 Euro. Bisherige Gesamtkilometer 308,0.
Auf nach Burgos…heute Morgen war ich so gut drauf, warum….kann ich nicht sagen. Bis zum Stadtrand bin ich vorgegangen. Die Frage meiner Mitpilger, was denn wohl los war, habe ich damit beantwortet, dass ich ein paar Meter für mich brauchen würde. Heute morgen kamen die Gedanken an meine Kinder. Damals, nach dem Verlust der Mutter, die Kinder waren noch klein, begann ein neuer Lebensabschnitt für uns drei. Und ich hatte Glück, wunderbare Eltern, Geschwister und eine Schwägerin zu haben. Menschen, die da waren und mir Halt gegeben haben – nicht immer mit großen Worten, sondern einfach dadurch, dass sie da waren.
Und weiter geht es, die Autobahn überquert, am Flughafen vorbei, durch die Vorstadt und dann durch eine schöne Baumallee in Burgos rein. Die Einheimischen sind sehr, sehr freundlich, immer ein Lächeln auf den Lippen, ein freundliches Buen Camino bzw. Buenos dias war Standard. In Burgos angekommen, schlug Klaus vor, in einem Hotel zu Frühstücken, gesagt, getan und pro Nase nur 10 Euro. Was für ein Buffet, alles was das Herz begehrt und Cava gehörte auch dazu.
Danach erfolgte noch ein Treffen mit Hans dem Dänen. Irene hatte Hans eine Kniebandage ausgeliehen, die jetzt übergeben wurde. Bis zum Ende unserer Pilgerreise hatten Klaus, Irene und Julia nicht nur mit den Knien, sondern auch mit Blasenan den Füßen zu kämpfen. Teilweise sind die Mädels in Latschen gelaufen. Blasenpflaster, Salben und Tabletten gehörten zur Tagesordnung. Ich hatte keine Probleme….dank Hirschtalg. Von Hans aus Dänemark haben wir dann nichts mehr gehört… Eigentlich schade, aber das ist so auf dem Weg, man trifft und versteht sich und dann auf einmal, so aus dem Nichts, ist der oder die jenige weg.
Ein herrliches Frühstück und ein sonniger Tag. Was will man mehr? Nach einer kurzen Stadtbesichtigung ging es dann weiter nach Tardajos. Eine Begegnung wird mir in Erinnerung bleiben; obwohl der Weg gut ausgeschildert war, gesellte sich ein Einheimischer zu uns, er gestikulierte wild um sich und sagte etwas auf Spanisch. Er ging dann gefühlt eine Viertelstunde mit und zeigte uns den Weg. Am Stadtpark angekommen, bedankte er sich und verabschiedete sich mit einem freundlichen Buen Camino. Das sind die Momente, wir haben im Nachgang noch oft darüber gesprochen.
In Tardajos angekommen, welch eine Herberge…nur vom Feinsten. Britta und Ivo waren auch da. Auf der Terrasse haben wir gesessen, Wein und Bier getrunken sowie einige Tapa verdrückt. Welch ein herrlicher Tag für mich, er hat gut angefangen und wundervoll geendet.
Neugierig auf die nächste Folge, sie erscheint in 2 Tagen.
Quellen: Es ist Zeit für den Jakobsweg, Outdoor Camino Francés. Die Informationen zur Geschichte des Jakobswegs und von Santiago de Compostela beruhen auf der offiziellen Website des Pilgerbüros in Santiago de Compostela, der Jakobsweg Zentrale “Dein Pilger Magazin”, der UNESCO, sowie ergänzender Fachliteratur wie Ausschnitte aus Längsschnittstudie zu Lebenssinn & Lebensbedeutungen bei Pilgern des Jakobsweges und bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
PS. Zum Schutz der Privatsphäre wurden die Namen geändert und die im Reisebericht verwendeten Bilder stammen überwiegend von mir bzw. vereinzelt von Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Reise. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden die Gesichter einzelner abgebildeter Personen unkenntlich gemacht. Bei der Verwendung von Texten und Informationen wurden von mir bekannten Quellen- und Urheberangaben verwendet.
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