Prioritäten sind jetzt keine Floskel mehr – Teil 1
Bürgermeister Bernd Hibst hat bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs 2026/2027 im Rat selbst deutlich gemacht, worauf es ankommt: Wermelskirchen muss Prioritäten setzen.
Ein Blick in den fast 600 Seiten starken Entwurf zeigt, dass dieser Appell mehr als berechtigt ist. Die Stadt steht nicht vor einem vorübergehenden finanziellen Engpass, sondern vor einer strukturellen Haushaltskrise. Die laufenden Ausgaben steigen schneller als die Einnahmen, das Eigenkapital wird nahezu vollständig aufgezehrt, die Verschuldung wächst massiv und die Zinszahlungen entwickeln sich zu einem eigenen Millionenproblem.
Das Eigenkapital schwindet
Ende 2024 verfügte Wermelskirchen noch über knapp 98 Millionen Euro Eigenkapital. Nach der aktuellen Planung sollen davon Ende 2030 nur noch rund 7, 7 Millionen Euro übrig sein. Innerhalb weniger Jahre würde damit mehr als 90 Millionen Euro und über 90% des Eigenkapitals aufgezehrt.
Für 2026 wird selbst nach einer pauschal unterstellten Einsparung ein Fehlbetrag von rund 15,2 Millionen Euro erwartet. Im Jahr 2027 wächst das Defizit auf rund 20,2 Millionen Euro. Bis 2030 steigt es auf knapp 25 Millionen Euro jährlich.
Hinzu kommt ein bereits beschlossener Verlustvortrag von rund 8,5 Millionen Euro, der spätestens 2031 ausgeglichen werden muss. Die Verwaltung warnt deshalb selbst vor der bilanziellen Überschuldung im Jahr 2031.
Das ist keine kleine Haushaltsdelle. Das ist ein finanzpolitischer Substanzverlust mit Ansage.
Die Einnahmen steigen – aber die Ausgaben laufen davon
Die Stadt rechnet durchaus mit wachsenden Einnahmen. Die Gesamterträge sollen von rund 123, 7 Millionen Euro im Jahr 2026 auf rund 136, 3 Millionen Euro im Jahr 2030 steigen. Auch die Steuereinnahmen sollen kräftig wachsen.
Das reicht aber nicht annähernd aus. Den Erträgen von 123, 7 Millionen Euro stehen 2026 Aufwendungen von rund 141, 7 Millionen Euro gegenüber. Im Jahr 2027 sollen die Aufwendungen bereits 151, 3 Millionen Euro erreichen. Und bis 2030 steigen Sie auf mehr als 164 Millionen Euro.
Wermelskirchen hat damit nicht nur ein Einnahmeproblem. Vor allem wachsen die Aufwendungen strukturell schneller als die Erträge.
Besonders stark steigen die Transferaufwendungen. Dazu gehören die Kreisumlage, Sozialleistungen, Jugendhilfe und weitere gesetzlich und vertraglich gebundene Zahlungen. Sie erhöhen sich von rund 49, 6 Millionen Euro im Jahr 2025 auf knapp 59 Millionen Euro im Jahr 2026 und auf rund 66, 8 Millionen Euro im Jahr 2030.
Allein die Kreisumlage wird zu einer immer größeren Belastung. Hinzu kommen stark steigende Kosten bei der Kinderbetreuung, die Tagespflege und den erzieherischen Hilfen. Bei letzterem wachsen die ordentlichen Aufwendungen von rund 8, 2 Millionen Euro im Jahr 2025 auf mehr als 13, 2 Millionen Euro im Jahr 2026
Viele dieser Ausgaben kann die Stadt nicht einfach streichen. Sie beruhen auf gesetzlichen Ansprüchen und Pflichtausgaben. Bund und Land übertragen den Kommunen seit Jahren zusätzliche Aufgaben, ohne sie vollständig zu finanzieren. Diese Kritik der Verwaltung ist berechtigt. Sie erklärt aber nicht, warum Wermelskirchen gleichzeitig ein Investitionsprogramm plant, dass die eigene Finanzkraft weit übersteigt.
Steuererhöhungen lösen das Problem nicht
Die Bürgerinnen und Bürger werden bereits über höhere Steuern belastet. Der Hebesatz der Grundsteuer B steigt auf 920 Prozentpunkte, die Gewerbesteuer auf 495 und die Grundsteuer A auf 420 Prozentpunkte. Auch Hunde- und Vergnügungsteuer werden angehoben.
Die Einnahmen aus der Grundsteuer B sollen dadurch von 9, 7 Millionen Euro im Jahr 2025 auf 11, 4 Millionen Euro im Jahr 2026 steigen. Das sind rund 1,7 Millionen Euro mehr.
Doch selbst mit diesen Steuererhöhungen bleibt 2026 ein Defizit von mehr als 15 Millionen Euro. Höhere Steuern stoppen den Abwärtstrend also nicht sie verlangsamen ihn allenfalls.
Bemerkenswert ist außerdem die Begründung im Haushaltsentwurf. Dort heißt es, die höheren Hebesätze seien auch notwendig, um die hohen Investitionen zu refinanzieren. In der öffentlichen Kommunikation zur Krankenhausfinanzierung entstand dagegen der Eindruck, die Grundsteuer müsse steigen, weil sonst das Krankenhaus schließen müsse (siehe Facebook-Post der Stadt Wermelskirchen).
Tatsächlich fließt die Grundsteuer als allgemeines Deckungsmittel in den Haushalt. Sie ist weder technisch ausschließlich dem Krankenhaus noch einzelnen Investitionen zugeordnet. Die Bürgerinnen und Bürger haben deshalb Anspruch auf eine ehrliche Erklärung, wofür die zusätzliche Belastung tatsächlich benötigt wird.
In der Fortsetzung Teil 2 beleuchten wir die Krankenhausfinanzierung und das gesamte Investitionsprogramm…
Bild: Privat Klaus E. Ulinski
Hier finden Sie alle drei Teile:
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Wermelskirchens Haushalt vor dem Absturz – Teil 1
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