Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen – Teil 1

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Eine Tri­lo­gie von Micha­el Jak­s­tait

In den Urlaub mit dem Elektroauto – ein Reisebericht in drei Teilen

Teil 1 (Auf­ga­be und Lade­pla­nung):

Mein Bekann­ter Die­sel-Die­ter zitiert auf die Fra­ge, ob man mit einem Elek­tro­au­to in den Urlaub fah­ren kann ger­ne, was der pro­mi­nen­te Phi­lo­soph Mr. Spock vom Vul­kan sagen wür­de: „Ich den­ke ger­ne an die Chan­ce einer Mög­lich­keit.“ Arbeits­kol­le­gin Ben­zin-Bri­git­te muss­te mal mit einem elek­trisch betrie­be­nen Fahr­zeug aus dem Ber­gi­schen nach Bad Sege­berg fah­ren und erzähl­te mir in aus­schwei­fen­der Wei­se von ihrem nahe­zu trau­ma­ti­schen Erleb­nis und den Irrun­gen und Wir­run­gen, wie sie das Ziel anschlie­ßend doch noch erreicht hat. Bedingt durch den Antrieb war der psy­cho­lo­gi­sche Druck wohl ähn­lich hoch wie bei der Rei­se des Phi­leas Fogg. Gene­rell konn­te ich im Krei­se der Gesprächs­part­ner eine deut­li­che Skep­sis und leich­te Ten­denz zur „Ger­man Reich­wei­ten­angst“ her­aus­hö­ren.

Ich betrach­te sol­che Aus­sa­gen ledig­lich als gut gemein­te anek­do­ti­sche Evi­denz. Wie Wiki­pe­dia es aus­drückt: „Anek­do­ti­sche Evi­denz bedeu­tet, dass man von einem ein­zel­nen Erleb­nis oder einer per­sön­li­chen Geschich­te auf eine all­ge­mei­ne Wahr­heit schließt. Sie stützt sich auf Ein­zel­fäl­le oder das Hören­sa­gen und hat kei­ne wis­sen­schaft­li­che Beweis­kraft, wirkt auf Men­schen aber oft sehr über­zeu­gend“.

Die Auf­ga­be ist leicht zu umrei­ßen. Das Ziel Ali­can­te liegt an der spa­ni­schen Cos­ta Blan­ca und ist rund 1.950 km ent­fernt. Die Besat­zung sind Papa (Autor die­ser Zei­len), Mama, Sohn 1 (21 Jah­re) und Sohn 2 (12 Jah­re). Die Alters­struk­tur hat den char­man­ten Vor­teil, dass sich drei Per­so­nen beim Fah­ren abwech­seln kön­nen und die Rei­se ent­spannt ange­hen kön­nen. Es gilt, pro­blem­los mit einem rei­nen BEV die Hin- und Rück­rei­se durch­zu­füh­ren. Um es klar zu sagen: es gilt hier nicht, das Ziel wie ein Irrer mit Knall­gas in kür­zes­ter Zeit zu errei­chen, son­dern ent­spannt anzu­kom­men und jeder­zeit Ruhe‑, Nah­rungs- und Bio­pau­sen zum Besuch des Harn­stein­zim­mers ein­zu­le­gen. Dar­über hin­aus hat man vor Ort ein Fahr­zeug, so dass die Kos­ten für einen Miet­wa­gen ent­fal­len. Es gilt auch, nach dem Urlaub eine ver­nünf­ti­ge Kos­ten­be­trach­tung zu machen, schließ­lich ent­geht Euro­wings ein ordent­li­cher Bat­zen Geld.

Mit der Lade­pla­nung beginnt ein/zwei Tage vor­her alles, schließ­lich will ich kei­ne bösen Über­ra­schun­gen wäh­rend der Fahrt erle­ben. Die Rou­te an sich kann jedes x‑beliebige Navi­ga­ti­ons­sys­tem im Auto oder vie­le Online­diens­te berech­nen. Goog­le Maps ist zum Bei­spiel so ein sehr nied­rig­schwel­lig zu nut­zen­des Sys­tem. Spe­zi­ell für Fahr­ten mit dem BEV wird häu­fig ABRP (A Bet­ter Rou­te­plan­ner) emp­foh­len. Dort wird nach Ein­ga­be eini­ger weni­ger Para­me­ter (Fahr­zeug, Bat­te­rie­stand beim Start, gewünsch­ter Bat­te­rie­stand am Ziel) eine Rou­te mit Lade­stopps ange­zeigt. Wenn man möch­te, kann man auch ein favo­ri­sier­tes Lade­netz­werk ange­ben, wel­ches bevor­zugt ange­steu­ert wird. Apro­pos Lade­netz­werk: es gibt eine schier unüber­schau­ba­re Anzahl an Lade­an­bie­tern, die wahl­wei­se einen kos­ten­lo­sen oder ‑pflich­ti­gen Account, eine Han­dy-App oder eine Lade­kar­te anbie­ten. Ich habe mir im Vor­feld eini­ge kos­ten­lo­se Lade­kar­ten von Anbie­tern zuschi­cken las­sen, um erst mal an allen mög­li­chen Net­zen laden zu kön­nen. Dann habe ich auf der Rou­te die wich­tigs­ten Lade­stel­len in einer Excel-Tabel­le erfasst, mit Prei­sen und Uhr­zei­ten (an man­chen Schnell­a­dern ist der Preis tages­zeit­ab­hän­gig), dazu noch die Schnell­la­der in der Umge­bung, um schnell umdis­po­nie­ren zu kön­nen. Ich habe auch im Netz gesucht, ob die avi­sier­ten Lade­sta­tio­nen in Ord­nung sind oder beschä­digt oder gesperrt, auch das kann ja vor­kom­men. Vom Preis mal unab­hän­gig ist im zu durch­que­ren­den Aus­land (Lux, F, E) gene­rell Ad-Hoc-Laden mög­lich. Man hält die Kre­dit­kar­te an den Lader und bezahlt dann aller­dings meist den höchs­ten Preis. Mit den Lade­kar­ten wird man sozu­sa­gen Mit­glied in deren Lade­netz­werk und bezahlt einen ermä­ßig­ten Preis. Am Güns­tigs­ten sind die Lade­kar­ten, die einen erkleck­li­chen monat­li­chen Betrag kos­ten. Damit ist der Preis pro gesaug­te kWh dann am nied­rigs­ten. Um ein paar Zah­len zu nen­nen: als „Club­mit­glied“ mit Bezahl­kar­te reicht die Span­ne grob von 39 bis 69 Cent pro kWh. Ad-Hoc geht die kWh auch ger­ne mal nahe an die Ein-Euro-Gren­ze. Gute Pla­nung ist hier also von­nö­ten. Zusätz­lich habe ich natür­lich vor allem am Urlaubs­ort geschaut, wo in der Nähe Lader zu fin­den sind und auch die­se mit den teils zeit­ab­hän­gi­gen Prei­sen erfasst. Übri­gens wird in Spa­ni­en an man­chen Ladern zusätz­lich eine „Kon­nek­ti­vi­täts­ge­bühr“ ver­langt, die durch­aus auch mal einen Euro betra­gen kann. Die fer­ti­ge Excel-Tabel­le habe ich auf unse­ren Han­dys gespei­chert und zur Sicher­heit noch­mal fürs Hand­schuh­fach aus­ge­druckt.

Sei gespannt auf Teil 2

Fotos: Micha­el Jak­s­tait pri­vat


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