Eine Trilogie von Michael Jakstait
In den Urlaub mit dem Elektroauto – ein Reisebericht in drei Teilen
Teil 2 (Hinweg):
Ich möchte den zweiten Teil mit einem Geständnis beginnen: der letzte Absatz zur Ladeplanung mit Excel war schlicht und einfach erstunken und erlogen. Wer sich also in seinen Vorurteilen zur Elektromobilität bestätigt sah: tut mir leid, ich habe euch verscheißert. Um es mit Jonathan Frakes zu sagen: „Sie glauben, diese Geschichte ist wahr? Ich muss Sie enttäuschen, die Geschichte ist frei erfunden.“
Tatsächlich ging die Reise am Abend vor unserer Haustür los. Ich wollte schon etwas früher losfahren, aber es gab bei der Gepäckbeladung des Wagens diverse Meinungsverschiedenheiten. Muss der Kernspintomograf wirklich mit? Brauchen wir Proviant für 12 Personen? Sollen XBOX, Playstation 4 und 5, Switch 1 und 2 samt allen und Zubehör Spielen wirklich mit? Nach zurücklassen mehrerer Kubikmeter (gefühlt) nicht benötigten Zeugs war der Kofferraum vollgepackt. Der Vorschlag meiner Frau, die Dartscheibe samt Surround auch zu Hause zu lassen wurde übrigens mit einem drei-gegen-eins-Veto abgeschmettert. Ein Urlaub ohne Darts ist möglich, aber sinnlos. Dann ging es um exakt 21:04 Uhr mit 97% Batteriekapazität los. Ich konnte an dem Tag glücklicherweise bei einer sehr netten Bekannten am Haus vollladen, da sie mit ihrer Familie im Urlaub war. Danke Kathrine! Die oben angesprochene Ladeplanung war übrigens beim Erreichen der Umgehungsstraße erledigt. Nach Eingabe des genauen Zielorts hat das Auto die Strecke samt empfohlener Ladestopps errechnet und vorgeschlagen.
Der erste Ladestopp wurde vom Auto in Luxemburg vorgeschlagen. Nach durchqueren der Eifel und Grenzübertritt nach Luxemburg um 23:15 Uhr mit 61% war mir als erstem Fahrer dieser Stopp doch deutlich zu früh und ich durchquerte das kleine Land (zum Vergleich: Fläche etwa so groß wie das Saarland oder etwa 360.000 Fußballfelder) in einer knappen halben Stunde. Angekommen in Frankreich um 23:42 Uhr hatte meine Batterie 51%. Ich war noch nicht so müde, also ignorierte ich die Empfehlung des Navis und fuhr weiter. Das Auto war mir nicht böse und berechnete dynamisch den nächsten Ladestopp, den ich dann wieder ignorierte. Tatsächlich wurde ich dann aber langsam etwas müde und hielt um 0:43 Uhr in Laxou/F mit 43% an. Die Ladeparks sind übrigens sehr häufig nicht direkt an der Autobahn, sondern ein kleines Stück abseits, teilweise quasi auf der grünen Wiese, hier allerdings auf dem Parkplatz eines riesigen Einkaufszentrums. Wir reden hier von maximal zwei/drei Minuten abseits. Die Stromfüllung bis zum nächsten Ladestopp war in wenigen Minuten erledigt, Häppchenaufnahme und Pinkelpause dauerten noch etwas länger als das Laden. Der Kleine schlief auf der Rückbank und um 1:10 Uhr ging es mit 80% weiter zum nächsten Stopp.

Mit meinem Sohn 1 am Steuer erreichten wir dann um 4:08 Uhr den Ladepark in Macon/F mit 14%. Die Reise mit wohl recht ereignislos verlaufen sein, zumal ich auf der Rückbank geknackt habe. Meine Frau als Beifahrer war jedenfalls tiefenentspannt. Kabel dran und ein paar Schritte gegangen. Der Kleine schlief auf der Rückbank. Der Wagen quittierte dies dann während des Ladens mit einem kurzen lauten Alarm: „Zurückgelassenes Kind erkannt“. Kleiner Schreck, kurzer Lacher und um 4:40 ging es mit 80% weiter.
Zum Frühstück kredenzte Vater zwischen 6:15 und 6:45 Uhr seiner Familie ein Festmahl beim Schachtelwirt irgendwo zwischen Lyon/F und Marseille/F. Seine letzten Französischkenntnisse herauskramend konnte ich glücklicherweise eine Tasse Kaffee, drei Tassen Kakao und vier Schokodonuts bestellen. Danke Herr Brockmeyer, ohne Sie wäre ich verhungert. Allerdings haben mich meine Lieben ordentlich ausgelacht, als ich die Frage nach Milch mit einem „Si!“ quittierte und damit auch die Bedienung belustigte.
Nächster Halt war dann in Nimes/F, wiederum an einem Einkaufszentrum, um 8:11 Uhr mit 13% und Abfahrt um 8:41 Uhr mit 80%, diesmal mit meiner Frau am Steuer. Ihr war dann auch das Privileg vergönnt, um 10:49 Uhr mit 28% Ladung die Grenze nach Spanien zu überschreiten. ¡Bienvenidos! Wie bisher haben wir auch hier den nächsten durch das Auto vorgeschlagenen Ladestopp angesteuert.
Um 11:28 Uhr mit 18% erreichten wir in Salt/E den Ladepark, wiederum auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Die sanitären Einrichtungen dort konnten allerdings genutzt werden – und wurden auch ausgiebig. Für Mittagessen war es noch etwas früh, also wurde die Fahrt um 12:02 Uhr mit 80% fortgesetzt.
An der nächsten Autobahnraststätte wurde dann im Schatten einiger Bäume auf den Picknicktischen um 12:15 Uhr ausgiebig Mittag gemacht. Um 12:50 ging es mit Sohn 1 am Steuer weiter zum Ladeplatz Torredembarra/E, der um 14:12 mit 48% erreicht wurde und um 14:31 Uhr mit 81% verlassen wurde, weiterhin mit Sohn 1 am Steuer. Nach etwa einer Stunde wurde er allerdings dann wegen Müdigkeit für den Rest der Reise von mir abgelöst.
Letzter Ladestopp war dann in Torrent/E um 17:08 mit 24% und Abfahrt um 17:22 Uhr mit 60%. Das reicht aus, um unser Ziel mit gewünschten 30% Restladung zu erreichen. Laut des Wagens sollten wir um 18:59 Uhr mit 29% unser Ziel erreichen. Direkt in Nachbarschaft haben wir allerdings noch kurz in der „Stullenkaiser“-Fastfoodkette einen kleinen Imbiss zu uns genommen und notgedrungen die Porzellanabteilung aufgesucht. Schließlich sind wir um 19:30 Uhr an der Wohnung mit 26% Ladung angekommen.
Sei gespannt auf Teil 3
Fotos: Michael Jakstait privat


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