Eine Begegnung auf dem Radweg: Beinaheunfall und ein Gespräch über Respekt, Freiheit und gesellschaftliche Spannungen
Wermelskirchen.
Ein kurzer Moment auf dem Radweg an der Kreuzung mit der Berliner Straße hätte böse enden können: Ein Radfahrer fuhr in die Trasse ein, unterschätzte dabei einen dort bereits fahrenden Mann – es kam beinahe zum Zusammenstoß. Der auf der Trasse fahrende Radler musste scharf bremsen und reagierte verärgert. Der einmündende schimpfte wütend zurück, mit Worten, die ich besser nicht wiederhole! Ein – wie ja bereits auch im WDR berichtet wurde – alltäglicher Vorfall, leider! Und doch einer, der im Ton sofort zeigte, wie angespannt das Miteinander nicht nur auf der Balkantrasse manchmal geworden ist.
Ich frage nach, ob etwas passiert sei. Der ältere Radfahrer, sichtlich erschrocken und noch ganz unter dem Eindruck des Vorfalls, ist zunächst sprachlos. „Wie kann jemand einfach so …“, sagt er fassungslos. Aus dem Ärger über die Szene entwickelt sich ein Gespräch, das weit über den Moment hinausgeht – hin zu Fragen nach Respekt, Meinungsfreiheit und dem politischen Klima im Land.
„Was ist nur los in diesem Land?“
Der Mann, Mitte 60, berichtet, er sei pensionierter Polizist und habe rund 35 Jahre im Polizeidienst gestanden, zuletzt in Wuppertal. Er erzählt von einem Beruf, den er einst mit Überzeugung ausgeübt habe, der aber im Laufe der Jahre immer härter geworden sei. Die Einsätze seien schwieriger geworden, die Fronten verhärteter, die Stimmung aggressiver geworden. Schon Anfang der 2000er Jahre habe er gespürt, dass etwas aus dem Ruder laufe.
Heute, sagt er, sei vieles schwieriger geworden. Vor allem sei der Ton rauer geworden, der Respekt geringer. Er habe das Gefühl, man dürfe seine Meinung nicht mehr frei äußern, ohne sofort in eine Schublade gesteckt zu werden.
„… aber glauben Sie mir, ich weiß ganz genau, wo ich in zwei Jahren mein Kreuzchen setzen werde!“,
sagt er schließlich.
Ich halte ihm entgegen: In Deutschland gelte Meinungsfreiheit. Jeder dürfe seine Meinung sagen – gerade auch dann, wenn sie unbequem sei. Doch der ältere Radfahrer bleibt bei seinem Eindruck, dass manche Dinge heute schnell als verdächtig gelten, sobald sie nicht in den herrschenden Meinungskorridor passen. Das Wort „Mainstream“ – auch in Bezug auf die Medien – macht die Runde.
Meinungsfreiheit: ein Begriff, zwei Interpretationen
Im Laufe des Gesprächs wird deutlich, dass es meinem Gesprächspartner nicht nur um politische Positionen geht, sondern um die Frage, wie mit abweichenden Meinungen umgegangen wird. Er erlebt eine Gesellschaft, in der sich manche Menschen in der Öffentlichkeit pauschal missverstanden oder verurteilt fühlen. Gleichzeitig wird in unserem Gespräch auch eine weitere Ebene sichtbar: die Sorge, dass unter dem Schlagwort Meinungsfreiheit manchmal nicht die Freiheit aller gemeint ist, sondern vor allem die Freiheit der eigenen Position.
Genau hier setzt die kritischere Reflexion an. Im Gespräch wird auf eine Person angespielt, die einerseits öffentlich dämonisiert werde, sich andererseits aber mit Menschen umgebe, die bekanntermaßen mit rechtsextremen Kreisen in Verbindung stehen. Diese Widersprüchlichkeit erzeugt Unbehagen: Wenn Selbstdarstellung und Umfeld nicht zusammenpassen, bleibt Skepsis berechtigt. Es gehe, so die Überlegung, nicht um vorschnelle Verurteilung, sondern um die nüchterne Frage, was die öffentlichen Aussagen eines Menschen wert sind, wenn sich hinter der Rhetorik ein andere politisches Umfeld zeigt.
Das „alte Deutschland“ als Sehnsuchtsbild
Als der ältere Radfahrer vom „alten Deutschland“ spricht, meint er damit keine politische Rückkehr zu vergangenen Zeiten, sondern vielmehr eine Atmosphäre: ein Land, in dem die Menschen noch miteinander reden, einander ernst nehmen und sich nicht sofort bedroht oder entwertet fühlen. Ein Land, in dem Meinungsverschiedenheiten nicht automatisch in Feindbildern münden.
Ich frage mich schon länger: Liegt hier eine Ursache eines gesamtgesellschaftlichen Unbehagens? Ich denke: Es geht nicht um die Vergangenheit an sich, sondern um die verlorene Kultur des Dialogs. Das „alte Deutschland“ erscheint als Chiffre für Respekt, Streitkultur und die Bereitschaft zum Zuhören.
Aber aus dem Gespräch geht auch eine Warnung hervor. Wer ständig von Meinungsfreiheit spreche, dürfe damit nicht nur die eigene Freiheit meinen. Echte Meinungsfreiheit gelte für alle – auch für Positionen, die einem selbst völlig missfallen. Sie sei keine Einbahnstraße keine ideologische Besitzurkunde. Sie verlange von uns, auch unbequeme, fremde oder irritierende Ansichten zu tolerieren, ohne dabei den demokratischen Rahmen zu verlassen.
Die Gefahr der Polarisierung
Der Gesprächsfaden wird an dieser Stelle breiter: Die Sorge gilt einem erbitterten Kulturkrieg, wie er in den USA zu beobachten ist. Dort, so die Befürchtung, hätten sich politischen Lager längst so weit voneinander entfernt, dass immer schärfere Gegensätze den Diskurs bestimmen. Selbst sehr junge Menschen würden dort zunehmend extreme Positionen wählen. Die Sorge ist, dass auch hierzulande eine solche Dynamik entstehen könnte – eine, die nicht zu Entzauberung führt, sondern zu weiterer Radikalisierung.
Diese Entwicklung, so die gemeinsamen Analyse, droht eine Gesellschaft zu zerreißen, wenn sie nicht rechtzeitig begrenzt wird. Wenn die Meinungsfreiheit nur noch als Kampfbegriff benutzt wird, während gleichzeitig andere Stimmen delegitimiert oder abgewertet werden, entsteht ein toxisches Klima. Dann ist die Debatte kein Meinungsaustausch mehr, sondern Lagerbildung. Und die politische Debatte verwandelt sich in einen permanenten Konfliktzustand.
Respekt beginnt im Kleinen
Der Beinaheunfall auf der Balkantrasse in Wermelskirchen steht am Ende sinnbildlich für das größere Thema. Es hätte ein einfaches „Entschuldigung“ sein können. Stattdessen gab es Flüche, Wut und Verachtung. Mir scheint, hier spiegelt sich das größere gesellschaftliche Problem wider: den Verlust an Rücksicht, an Anstand, an der Fähigkeit, den anderen nicht sofort als Gegner zu behandeln.
Mein Gesprächspartner, der ältere Radfahrer bleibt am Ende politisch schwer einzuordnen. Ich frage ihn: Mit wem habe ich denn hier ein so gutes Gespräch geführt? Mit einem Rechten? Mit einem konservativen? Mit einem Linken eher nicht? Er sieht sich eher in der Mitte, empfindet aber, dass diese politische Mitte immer mehr verschwinde. Wer lange Zeit konservative und moderat gedacht habe, finde sich in der heutigen Welt oft nicht mehr wieder. Das führt zu Frustration, Verunsicherung und dem Wunsch nach Orientierung.
Liegt hier die eigentliche Erkenntnis dieses Gesprächs? Meinungsfreiheit ist mehr als ein Recht. Sie ist eine Haltung. Sie verlangt die Bereitschaft, Ambivalenzen auszuhalten, Widersprüche auszuhalten, auch das Unbequeme zu hören – ohne sofort die Axt des Schubladendenkens zu schwingen. Könnte dies vielleicht der Punkt sein, an dem sich entscheidet, ob eine Gesellschaft im Dialog bleibt oder sich selbst zerlegt?
Und so bleibt aus einer kleinen Szene auf der Balkantrasse an der Berliner Strasse die große Frage zurück: Wie reden wir miteinander, bevor der nächste Beinaheunfall mehr wird als nur ein kurzer Schreckmoment?
Bild: Lutz Balschuweit


Kommentare
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5 Kommentare zu „Der Beinaheunfall“
Die Kommentare hier treffen nicht den wesentlichen Punkt des Artikels. Ich selbst komme nicht aus einer Generation, die die gesellschaftliche Atmosphäre der 60er- und 70er-Jahre aus eigener Erfahrung beurteilen könnte. Deshalb möchte ich mir auch gar nicht anmaßen zu sagen, ob man damals freier, unfreier oder vielleicht sogar unter deutlich größerem gesellschaftlichem Anpassungsdruck seine Meinung äußern konnte.
Ich glaube allerdings auch nicht, dass genau dieser Vergleich der Kern der Aussage des Polizisten gewesen ist.
Für mich geht es vielmehr darum, dass sich die gesellschaftliche Debatte heute grundlegend verändert hat. Wir diskutieren öffentlich über sehr viel mehr Themen als früher nicht zuletzt durch das Internet, soziale Medien und auch Plattformen wie dieses Forum. Fragen, die früher vielleicht nur im privaten Umfeld oder innerhalb bestimmter gesellschaftlicher Gruppen besprochen wurden, werden heute unmittelbar einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das ist zunächst einmal etwas Positives. Gleichzeitig entstehen dadurch aber auch sehr viel mehr Berührungspunkte, an denen Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, Empfindlichkeiten und Überzeugungen aufeinandertreffen. Damit steigt zwangsläufig auch die Wahrscheinlichkeit, mit einer Äußerung anzuecken oder für eine bestimmte Position sehr schnell einer politischen oder gesellschaftlichen Schublade zugeordnet zu werden.
Genau hier finde ich das Bild der Seerosen passend. Jede einzelne gesellschaftliche Debatte, jedes Anliegen und auch jede persönliche Empfindlichkeit hat zunächst ihre Berechtigung. Wenn aber immer mehr davon gleichzeitig Raum beanspruchen, wird der freie Raum dazwischen kleiner. Nicht, weil jemand diesen Raum bewusst abschaffen möchte, sondern weil die Zahl der Themen, Erwartungen und möglichen Konfliktpunkte immer größer wird.
Ich verstehe die Aussage deshalb auch überhaupt nicht als Wunsch, in irgendeine vermeintlich bessere Vergangenheit zurückzukehren. Es geht meines Erachtens vielmehr darum, eine Entwicklung der heutigen Gesellschaft wahrzunehmen und sich bewusst zu machen, welche Auswirkungen sie auf unseren Umgang miteinander haben kann.
Denn die entscheidende Frage ist für mich nicht nur, ob jemand seine Meinung rechtlich äußern darf. Entscheidend ist auch, ob wir als Gesellschaft noch in der Lage sind, unterschiedliche Auffassungen auszuhalten, ohne aus einer einzelnen Aussage unmittelbar ein Urteil über den gesamten Menschen abzuleiten.
Vielleicht war das früher genauso oder sogar schlimmer, das kann und möchte ich nicht beurteilen. Aber das sollte uns nicht davon abhalten, darüber zu sprechen, wie wir heute miteinander diskutieren und ob wir es schaffen können, den gesellschaftlichen Preis für eine abweichende Meinung wieder etwas niedriger zu halten.
[Redaktionell wurden hier der Übersichtlichkeit halber zwei Kommentare des selben Autors zusammengefügt]
Seit über 60 Jahren lebe ich überwiegend in Wermelskirchen und kann die Wahrnehmungen (die Menschen sind unfreundlicher geworden) nicht teilen. Wenn ich an meine Jugend in Wermelskirchen der 70er Jahre zurückdenke waren die Menschen keineswegs freundlicher, im Gegenteil. Ende der 60er , Anfang der 70er Jahre war z.B. Toleranz ein Fremdwort. Viele Menschen waren noch geprägt und traumatisiert vom Terrorregime der Nazizeit. Ich erinnere mich noch gut an Lehrer die unverhohlen von soldatischen Traditionen schwärmten und ihre Kriegsgeschichten im Unterricht zum besten gaben. Teilweise herrschte ein repressives Klima was vor allem wir als Jugendliche zu spüren bekamen. Ein freundlicher offener Umgang wie wir ihn teilweise heute kennen, war damals keineswegs die Regel. Wer sich nicht an strenge gesellschaftliche Normen anpassen wollte, musste in Schule oder Arbeit mit Ablehnung oder sogar mit Sanktionen rechnen.
„In die Ecke gestellt“ wurde man früher übrigens auch ganz schnell. Die Sprüche „geh doch nach drüben“ oder „Bist du Kommunist?“, musste man sich schon anhören allein wenn man nur liberale Forderungen ansprach. (Aus der Zeit stammte übrigens auch der sog. Radikalenerlass).
Warum träumt man heute von einer Restauration dieser Zeit? Ein Zurück in die Vergangenheit ist keine Lösung für unsere vorhandenen Probleme. Es zeigt lediglich die Unfähigkeit angemessen mit Veränderungen umgehen zu können, und lieber bequemen einfachen Versprechungen zu vertrauen. Genau damit spielen extreme politische Parteien und als Konsequenz erwartet uns schlimmstenfalls ein Rückfall in finstere Zeiten.
Ich bin zwar kein geborener bzw in WK aufgewachsener Dellmann…sondern ein Öcher…hier war es nicht anders.
Stefan Janosis Wahrnehmung teile ich voll und ganz.
Ein realitätsnaher Bericht. Das Leben und der Umgang hat sich stark verändert. Ich würde mich sehr gerne mit dem Herrn Polizist a.D. austauschen. Garantiert würden wir uns schnell verstehen. Auch ich habe in diesem Land über 48 Jahre NONSTOP meine Dienste zur Verfügung gestellt und wenn ich sehe, was alleine in den letzten 20 Jahren aus Deutschland geworden ist, wird mir ganz anders. Ganz schrecklich finde ich auch, dass man egal was man sagt, sofort in eine Ecke gestellt wird. Dieses Deutschland wird leider nie mehr so schön und freundlich werden, wie es einmal war. Egal wo man in Deutschland ist, alles ist anders, alles ist nicht mehr so zusammenstehend wie es einmal war. Keiner ist mehr bereit, Verantwortung zu übernehmen. Am schlimmsten zeigen uns die Politiker, wie Spaltung ganz toll funktioniert.
Ich glaube, dass man durchaus das Gefühl haben kann, dass sich Deutschland verändert hat und manches heute weniger verbindlich und weniger freundlich wirkt. Das will ich gar nicht bestreiten. Die Zeiten ändern sich halt immer wieder.
Aber ich glaube nicht, dass Deutschland deshalb „nie mehr schön und freundlich“ werden kann oder nicht mehr schön und freundlich ist. Und ich glaube auch nicht, dass früher alles besser und alle Menschen mehr füreinander da waren.
In den vergangenen 20 Jahren ist nämlich auch sehr viel Positives passiert:
Hier mal eine unvollständige Liste – also ungefähr 2006 bis 2026 – nicht nur unter dem Gesichtspunkt „Was läuft gerade schlecht?“ betrachtet. Eine bewusst breite Sammlung – technische, gesellschaftliche, medizinische, ökologische und alltägliche Fortschritte. Nicht alles davon ist ausschließlich „deutscher Verdienst“, aber es hat Deutschland deutlich verändert:
Erneuerbare Energien sind massiv ausgebaut worden.
Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch stieg von etwa 10 % im Jahr 2005 auf 55,1 % im Jahr 2025. (Energiewende)
Solarstrom ist vom Nischenprodukt zum Massenprodukt geworden.
Photovoltaik findet man heute auf Privathäusern, Gewerbegebäuden, Balkonen und Freiflächen.
Windkraft wurde massiv ausgebaut.
Deutschland erzeugte 2025 allein aus Windkraft rund 157 TWh Strom – ein Vielfaches dessen, was vor 20 Jahren möglich war. (Energiewechsel)
Elektromobilität ist vom Experiment zum normalen Bestandteil des Straßenverkehrs geworden.
Elektroautos, öffentliche Ladepunkte und private Wallboxen sind heute selbstverständlich.
Wärmepumpen haben sich etabliert.
Eine Technologie, die vor 20 Jahren noch relativ selten war, ist heute für viele Haushalte eine reale Alternative zur Gas- oder Ölheizung.
Die Luft ist in vielen deutschen Städten sauberer geworden.
Schadstoffgrenzwerte, Filtertechnik, modernere Fahrzeuge und der Rückgang bestimmter Emissionen haben die Belastung deutlich reduziert.
Die Arbeitslosigkeit ist gegenüber der Mitte der 2000er Jahre erheblich gesunken.
2005 lag die Arbeitslosenquote nach der heutigen vergleichbaren Destatis-Zeitreihe bei etwa 13 %, 2025 bei 6,3 %. (Statistisches Bundesamt)
Deutschland hatte jahrelang einen außergewöhnlich hohen Beschäftigungsstand.
Vor der aktuellen wirtschaftlichen Schwäche war die Arbeitslosigkeit 2019 beispielsweise auf nur 5,0 % gefallen. (Statistisches Bundesamt)
Frauen sind stärker im Berufsleben angekommen.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurde verbessert.
Elterngeld, Ausbau der Kinderbetreuung und Ganztagsangebote haben vielen Familien mehr Möglichkeiten gegeben.
Väter nehmen wesentlich häufiger Elternzeit als früher.
Kinderbetreuung wurde erheblich ausgebaut.
Deutschland ist gesellschaftlich vielfältiger geworden.
Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen gehören heute ganz selbstverständlich zum deutschen Alltag.
Aus den Flüchtlingen von 2015 sind heute viele etablierte Unternehmer, gut integrierte Mitbürgerinnen und Mitbürger und sogar Freunde geworden.
Die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare wurde vorangebracht.
Seit 2017 gibt es die Ehe für alle.
Diskriminierung wird heute wesentlich stärker thematisiert.
Dinge, die früher einfach hingenommen wurden, werden heute hinterfragt.
Das Bewusstsein für Barrierefreiheit ist gewachsen.
Inklusion ist stärker Bestandteil von Schule, Arbeit und öffentlichem Leben geworden.
Das Internet hat den Zugang zu Wissen geradezu revolutioniert.
Wikipedia, digitale Bibliotheken, YouTube, Onlinekurse, Mediatheken und offene Bildungsangebote ermöglichen heute Wissen, für das man früher Bücher kaufen oder eine Bibliothek aufsuchen musste.
Smartphones haben viele alltägliche Dinge drastisch vereinfacht.
Navigation, Übersetzung, Fahrpläne, Banking, Kommunikation, Tickets, Fotografieren und vieles mehr sind jederzeit verfügbar.
Online-Banking ist selbstverständlich geworden.
Behördengänge werden zunehmend digital möglich.
Noch längst nicht perfekt – aber gegenüber 2006 hat sich sehr viel verändert.
Navigation ist unglaublich präzise geworden.
Ein modernes Smartphone kann praktisch jeden Menschen innerhalb weniger Sekunden zu einem unbekannten Ziel führen.
Übersetzungsprogramme sind enorm besser geworden.
Sprachbarrieren lassen sich heute teilweise in Echtzeit überwinden.
Künstliche Intelligenz ist für normale Bürger zugänglich geworden.
Noch vor wenigen Jahren war leistungsfähige KI hauptsächlich Forschung und großen Unternehmen vorbehalten.
Medizinische Diagnostik hat enorme Fortschritte gemacht.
Krebsbehandlungen sind bei vielen Krebsarten deutlich erfolgreicher geworden.
Moderne bildgebende Verfahren sind wesentlich leistungsfähiger geworden.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen können heute wesentlich besser behandelt werden.
Minimalinvasive Operationstechniken haben sich weiterentwickelt.
Medikamente sind zielgerichteter geworden.
Die Behandlung vieler chronischer Erkrankungen ist besser geworden.
Impfstoffe wurden technologisch weiterentwickelt.
Die Entwicklung und Produktion von mRNA-Impfstoffen während der Corona-Pandemie war wissenschaftlich ein gewaltiger Schritt.
Die medizinische Versorgung von Frühgeborenen hat Fortschritte gemacht.
Digitale Gesundheitsangebote sind entstanden.
Videosprechstunden, elektronische Patientenakte und digitale Rezepte wären 2006 noch ziemlich futuristisch gewesen.
Autos sind erheblich sicherer geworden.
Airbags, ESP, Notbremsassistenten, Spurhalteassistenten und zahlreiche andere Systeme schützen heute vor Unfällen oder reduzieren deren Folgen.
Die Verkehrssicherheit hat sich weiterentwickelt.
Moderne Fahrzeuge erkennen Fußgänger, Radfahrer und Hindernisse.
Die Sicherheit von Kindersitzen ist enorm verbessert worden.
Haushaltsgeräte verbrauchen deutlich weniger Energie als viele ältere Geräte.
LED-Beleuchtung hat die klassische Glühlampe praktisch verdrängt.
Photovoltaik ist dramatisch billiger geworden.
Batteriespeicher sind für Privathaushalte verfügbar geworden.
Elektrofahrräder haben sich durchgesetzt.
Fahrradinfrastruktur wurde in vielen Städten verbessert.
Deutschland hat den Ausbau von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge begonnen und erheblich beschleunigt.
Das Bewusstsein für Klimaschutz ist erheblich gestiegen.
Recycling und Mülltrennung sind stärker etabliert worden.
Viele Unternehmen haben ihre Produktionsprozesse energie- und ressourceneffizienter gemacht.
Lebensmittelverschwendung ist stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Regionale und biologische Lebensmittel sind viel leichter erhältlich als vor 20 Jahren.
Discounter und Supermärkte bieten heute eine enorme Produktvielfalt.
Kontaktloses Bezahlen hat sich durchgesetzt.
Kartenzahlung ist praktisch überall möglich.
Online-Shopping ermöglicht den Zugang zu Produkten aus aller Welt.
Streaming hat Fernsehen und Musik völlig verändert.
Man kann heute praktisch jedes öffentliche Verkehrsmittel digital finden und häufig auch direkt bezahlen.
Fahrpläne und Verspätungen sind in Echtzeit abrufbar.
Kostenlose WLAN-Angebote sind viel verbreiteter geworden.
Glasfaser und schnelle Mobilfunknetze werden ausgebaut.
4G und 5G haben die mobile Kommunikation gewaltig verbessert.
Fotografie ist für praktisch jeden Menschen jederzeit verfügbar.
Videoaufnahmen in hoher Qualität sind mit einem Gerät möglich, das in die Hosentasche passt.
Musik ist praktisch jederzeit verfügbar.
Viele Menschen können heute weltweit mit Familie und Freunden kostenlos oder sehr günstig kommunizieren.
Fernarbeit und Homeoffice sind gesellschaftlich akzeptiert und technisch möglich geworden.
Menschen mit Behinderungen profitieren zunehmend von digitalen Hilfsmitteln.
Spracherkennung funktioniert inzwischen erstaunlich gut.
Automatische Untertitel machen Videos für viele Menschen zugänglicher.
Navigation und Notfallortung können Leben retten.
Das Bewusstsein für psychische Gesundheit ist gestiegen.
Gewalt gegen Frauen und Kinder wird stärker öffentlich thematisiert.
Sexuelle Belästigung wird weniger als „normal“ hingenommen als früher.
Kinderrechte und Kinderschutz haben größere gesellschaftliche Bedeutung bekommen.
Umwelt- und Tierschutz sind wesentlich stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankert.
Viele Flüsse und Gewässer wurden in den vergangenen Jahrzehnten sauberer.
Die deutsche Gesellschaft ist technologisch wesentlich vernetzter geworden.
Wissen ist demokratischer zugänglich geworden.
Ein Schüler in Wermelskirchen kann heute kostenlos auf Wissen zugreifen, für das man früher eine Universitätsbibliothek gebraucht hätte.
Kleine Unternehmen können heute weltweit Kunden erreichen.
Ein Einzelner kann heute mit sehr wenig Geld publizieren.
Ein Blog, Podcast, YouTube-Kanal oder lokales Forum (das Sie hier gerade lesen) kann mit wenigen technischen Mitteln unbegrenzt viele Menschen erreichen.
Lokaler Journalismus kann digital wesentlich günstiger betrieben werden.
Und ein Punkt, der bei solchen Rückblicken gerne vergessen wird:
Deutschland ist trotz aller Probleme immer noch ein ausgesprochen wohlhabendes und sicheres Land.
Wir haben flächendeckend Trinkwasser, Strom, Kanalisation, Müllabfuhr, Krankenhäuser, Schulen, Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei, soziale Sicherung, öffentliche Verkehrsmittel und eine enorme Dichte an medizinischen und technischen Dienstleistungen.
Das bedeutet nicht, dass heute alles besser ist als 2006. Ganz im Gegenteil: Es gibt genügend Entwicklungen, bei denen man kritisch sein kann – Digitalisierung der Verwaltung, Bürokratie, Wohnkosten, Energiepreise, Infrastruktur, wirtschaftliche Entwicklung, politische Polarisierung usw.
Aber wenn man wirklich einmal versucht, nur die positiven Veränderungen der vergangenen 20 Jahre zusammenzutragen, wird die Liste erstaunlich lang.
Und selbst bei einem Punkt wie der Arbeitslosigkeit sieht man, wie sehr sich die Perspektive verändert hat: Von knapp 4,86 Millionen Arbeitslosen 2005 auf gut 2,95 Millionen 2025. (Statistisches Bundesamt)
Vielleicht sollten wir deshalb nicht ständig nur darauf schauen, was verloren gegangen ist, sondern auch auf das, was entstanden ist.
Verantwortung kann man nicht allein von „den Politikern“ erwarten. Ein Land wird nicht dadurch freundlicher und menschlicher, dass wir darauf warten, dass die Politik es richtet. Es beginnt bei uns selbst – im Umgang mit dem Nachbarn, dem Fremden, dem älteren Menschen, demjenigen, der anderer Meinung ist.
Vielleicht ist Deutschland also nicht einfach „schlechter geworden“. Vielleicht ist es vor allem **anders geworden**. Und wie es in Zukunft wird, haben wir alle ein Stück weit selbst in der Hand.