…aber kein Grund für finanzielle Selbstzufriedenheit
Diese Nachricht ist zweifellos erfreulich: Wermelskirchen erhält 6,793 Millionen Euro aus dem Stadtentwicklungsprogramm 2026 des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Projekt „Innovationsquartier Rhombus“ ist ausdrücklich im offiziellen Programm des Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung – kurz MHKBD NRW aufgeführt *1). Die Förderung bezieht sich auf den Grundstückserwerb, die Vorplanung, den Abriss und Aufbereitung sowie Projektsteuerung. Für eine Stadt, die seit Jahren an der Entwicklung dieser Fläche arbeitet, ist dies zweifellos ein wichtiger Schritt nach vorn.
Und doch sollten wir trotz aller berechtigten Freude nicht in die Falle tappen, zu glauben, das Problem sei gelöst. Der Zuschuss ist eine einmalige Zahlung, kein Freifahrtschein für die kommunalen Finanzen. Gerade angesichts der aktuellen Haushaltslage wirkt er eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein – einen Stein, dessen Größe zwar noch unbekannt ist, der aber sehr heiß ist: hilfreich, ja – aber einfach nicht genug, um die strukturellen Belastungen der Stadt auch nur ansatzweise zu lindern.
Schließlich sind die Warnsignale eindeutig. In der dreiteiligen Analyse auf „Forum Wermelskirchen“ wird eine strukturelle Haushaltskrise beschrieben: steigende Ausgaben, schwindendes Eigenkapital, wachsende Verschuldung und Zinsbelastungen, die zu einem eigenen Millionenproblem werden *2). Besonders drastisch: Ende 2024 verfügte Wermelskirchen noch über knapp 98 Millionen Euro Eigenkapital; nach aktuellen Prognosen könnten davon bis Ende 2030 nur noch etwa 7,7 Millionen Euro übrig bleiben. Gleichzeitig beschreibt die Analyse erhebliche Fehlbeträge und weiter steigende Defizite für das Jahr 2026.
Ein Blick in den Haushaltsentwurf 2026/2027: Auf Kante genäht
Zudem steht der Haushalt laut unserer Analyse auch deshalb unter Druck, weil zusätzliche Belastungen möglicherweise noch nicht vollständig eingearbeitet sind – beispielsweise im Hinblick auf die Krankenhausfinanzierung. Darüber hinaus ist von einem umfangreichen Investitionsprogramm die Rede, das größtenteils durch Kredite finanziert werden soll; im Zusammenhang mit dem Rhombus-Projekt werden hohe Verpflichtungsermächtigungen sowie zusätzliche Unsicherheiten hinsichtlich Baukosten und Folgekosten angeführt. Besonders beim Hallenbad, bei Betrieb, Personal, Energie und Unterhaltung dürfte die langfristige Belastung eher zu- als abnehmen.
Nun stellt sich die Frage nicht, ob die Förderung gut ist – das ist sie nämlich. Die Frage lautet vielmehr: Wie viel finanziellen Spielraum hat die Stadt tatsächlich noch, um derart groß angelegte Projekte langfristig zu finanzieren? Wenn der Haushalt bereits heute auf Kante genäht wirkt, kann selbst eine große Förderung nur ein Teil des Problems entschärfen. Sie nimmt der Sache die Dramatik nicht, sondern verlagert sie lediglich in die Zukunft.
Überraschend indes ist in diesem Zusammenhang, dass die Stadt selbst noch keine eigene öffentliche Stellungnahme zu dieser Förderungszusage abgegeben hat. Zwar haben sich politische Vertreter in der lokalen Presse bereits überwiegend positiv geäußert, doch angesichts der Höhe des Betrags und der angespannten Haushaltslage wäre eine Stellungnahme der Stadt dennoch aufschlussreich – und: Eine klare und transparente Darstellung wäre hilfreich, was diese Förderung für das Projekt, den Haushalt und die kommenden Jahre tatsächlich bedeutet.
Unter dem Strich sind also beide Aussagen wahr:
Ja, die 6,8 Millionen Euro sind eine sehr gute Nachricht für das Rhombus-Projekt.
Nein, sie lösen die finanzielle Grundproblematik der Stadt nicht.
Oder anders ausgedrückt: Ein Grund zum Aufatmen – aber keineswegs ein Grund, den Atem anzuhalten und so zu tun, als sei nun alles im grünen Bereich.
*2) https://forumwk.de/2026/07/17/wermelskirchens-haushalt-vor-dem-absturz-teil‑1/
Bild: Klaus Ulinski


Schreibe einen Kommentar